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Fieberthermometer wegen Corona im Saarland ausverkauft

Kostenpflichtiger Inhalt: Apotheken im Saarland : Thermometer wegen Corona ausverkauft

Weil Fieber als ein Indiz für Covid-19 gilt, gibt es einen Ansturm auf Apotheken im Saarland. Der Nachschub bleibt aus.

Der Ansturm auf Schutzausrüstungen ist seit dem Corona-Ausbruch immens: Es fehlt vor allem an Mundschutzen, Handschuhen und Desinfektionsmitteln. Die Tatsache, dass Fieber ein Anzeichen für eine Covid-19-Infektion sein kann, hat jetzt noch einen weiteren Ausverkauf zur Folge: Es gibt keine Fieberthermometer mehr.

„Seit Wochen ist der Markt leer“, sagt Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes. In welcher Form auch immer, ob Frontthermometer für die Stirn oder Modelle für die Achselhöhlen oder lustige Kinder-Varianten: „Seit Wochen sind sie komplett ausverkauft. Und wenn Sie heute welche bestellen, bekommen Sie vielleicht welche im Juni oder Juli. Das ist wirklich ein trauriger Zustand.“

Eine Erfahrung, die auch Susanne Koch (35) in ihren drei Apotheken in Dudweiler gemacht hat. Am 18. März habe sie eine Lieferung erhalten und dann noch einmal am 26. März: „Da hatten wir ein Sortiment querbeet bestellt, und es waren die letzten, die wir erhalten haben“, blickt sie zurück. Die 70 Exemplare pro Apotheke seien „innerhalb weniger Tage“ weg gewesen – und Nachschub sei in den nächsten Wochen nicht mehr in Sicht. Manch einer versuche noch, alternativ zu einem neuen Gerät eine Batterie für ein altes Thermometer zu erhalten. „Wenn wir da helfen können, machen wir das natürlich gerne“, sagt die Vorsitzende des Saarländischen Apothekervereins.

Die Kunden reagierten auf den Ausverkauf ganz unterschiedlich: „Irgendwie ist die Bevölkerung momentan zwiegespalten“, meint Koch. „Die Einen sind sich der aktuellen Situation und auch unserer Lage sehr bewusst, dass wir im Zweifel nur mit den Achseln zucken können. Andere werden halt böse.“ Eine Stammkundin sei sogar so sauer gewesen, als es um Atemschutzmasken ging, dass sie ihr vorgeworfen habe, sie wüsste, die Apothekerin habe sie – wolle sie aber offenbar nur nicht abgeben. Die meisten Kunden jedoch seien zum Glück sehr verständnisvoll und respektierten, „dass wir unser Möglichstes tun“.

Wer meint, er könne alternativ noch in einer Internet-Apotheke fündig werden, scheitert ebenfalls: „Dieser Artikel ist derzeit nicht verfügbar“, heißt es dort bei sämtlichen Thermometer-Modellen in allen Preisklassen. Und auch in Rheinland-Pfalz sieht es nicht besser aus. „Höchstens Einzelfälle“ gibt es nach Auskunft von Frank Eickmann, Sprecher des Landesapothekerverbandes noch. Seit April sei die Nachfrage so angestiegen, dass der Bestand aufgebraucht sei. „Offenbar haben die Menschen, als es hieß, dass Fieber ein Indiz für eine Infektion mit dem Covid-19 sein könnte, in ihre Hausapotheke geschaut und gesehen, dass sie gar kein Thermometer haben, nur ein sehr sehr altes mit Quecksilber oder ihres kaputt ist.“ Doch Nachschub – der aus Fernost stamme – zu bekommen, sei derzeit so gut wie unmöglich: „Da gilt genau das Gleiche wie für Schutzausrüstengen: Die ganze Welt sucht danach!“

Eickmannn appelliert in diesem Zusammenhang, die Zeit zu nutzen, und die eigene Hausapotheke wieder „in Schwung zu bringen“. Gerade in der jetzigen Infektionszeit mache es Sinn, „den Bestand durchzuforsten und abzudaten“. Zumal nicht nur Arzneimittel verfallen könnten, sondern auch das Haltbarkeitsdatum von Verbandsmaterial. Auf jeden Fall zählten auch Schmerzmittel (wahlweise mit den Wirkstoffen Ibuprofen, ASS oder Paracetamol) dazu. Wobei es laut Eickmann in Corona-Zeiten auch hier gerade eine Besonderheit gebe. Denn nach einer Nachricht in den sozialen Medien, wonach Ibuprofen dazu führen könne, dass die Symptome nach einer Covid-19-Infektion stärker statt schwächer werden, habe dies nun auch für einen Ansturm auf Paracetamol gesorgt. „Das wiederum führt dazu, dass wir bei allen Formen, ob bei Säften, Tabletten oder Brausetabletten, dort einen Engpass haben, den wir uns nicht leisten können.“ Denn es gebe Patienten mit bestimmten Dauererkrankungen, die ausschließlich Paracetamol nehmen dürften. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir da nicht auch auf Null laufen“, sagt Eickmann. Es gebe schon eine Weisung der Bundesregierung, dass Apotheken diesen Wirkstoff vorrätig halten müssen und an andere Patienten nur in kleinen Packungen abgeben sollten. „Grundsätzlich gilt: Das Horten von Arzneimitteln macht Null Komma Null Sinn“, betont Eickmann. „Und das ist hier noch etwas anderes als bei Toilettenpapier. Denn wenn man den Markt weggekauft hat, dann sterben die, die darauf angewiesen sind.“

Denjenigen, die fürchten, unter Fieber zu leiden, aber kein Thermometer zum Messen hätten, raten die Experten, bei entsprechenden Symptomen den Hausarzt aufzusuchen. Oder aber – wenn sie die Chance hätten, sich ein Temperaturmessgerät von Freunden/Verwandten ausleihen zu können – es auf jeden Fall vor dem Gebrauch zu desinfizieren.

Dass man keine Thermometer mehr kaufen könne, habe laut Susanne Koch bei einigen Kunden zu einer gewissen Verunsicherung geführt. Doch für Hysterie gebe es keinen Grund. „Alle, die zu uns kamen, sind auch noch fit gewesen“, berichtet sie. „Und ich denke: Ohne Beschwerden sollte man sich auch nicht unnötig verrückt machen.“