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Feuerwehrleute aus Ludweiler protestieren mit Rap

Neues von der Feuerwehr : Ihr Rap spricht der Wehr aus der Seele

Vier junge Männer verpacken in Musik und Rhythmus, was ihnen und ihren Kameraden auf den Nägeln brennt.

„Für sie sind wir nur ‘ne Nummer, nur ‘ne Nummer, nur ‘ne Nummer - ey“, tönt es leicht verzerrt aus den kleinen Boxen eines Smartphones. Lukas Heib zeigt eine Aufnahme ihres Rap-Auftrittes. Er und seine drei Kameraden sitzen an einem Tisch im Gerätehaus der Feuerwehr in Ludweiler – sie sind gerade nicht im Einsatz, ihre Ausrüstung hängt in der Umkleide im Spind. Eine Art Uniform tragen sie dennoch: einen dunkelblauen Kapuzen-Pullover mit der Aufschrift „Feuerwehr – Abteilung Literatur“. Darunter stehen jeweils die Namen der vier Literaten: die zwei 17-Jährigen Nedis Suljic und Dennis Stefan Zengerle, sowie das Brüderpaar Tobias und Lukas Heib, 23 und 21 Jahre alt.

Die Smartphone-Aufnahme stammt vom Neujahrsempfang der CDU in Völklingen, wo die Literaturabteilung der Feuerwehr Völklingen, Löschbezirk Ludweiler, bewies, dass sie auch in moderneren Disziplinen der Literatur bewandert ist: im Deutsch-Rap. Dort performten die vier Jungs ihren selbst geschriebenen Rap-Song „Nur eine Nummer“.

Aber warum hat eine freiwillige Feuerwehr überhaupt eine Abteilung für Literatur? Diese entstand aus der Tradition des Kameradschaftsabends, erklärt die Gruppe, des geselligen Jahresabschlusses der Feuerwehr, bei dem jedes Jahr ein Programm aufgeführt wird. Das wird abwechselnd von den jüngeren und älteren Mitgliedern der Feuerwehr erarbeitet. Weil das erste Programm der jungen Gruppe im Jahr 2017 aus einem selbst geschriebenen Buch von Lukas Heib und Dennis Stefan Zengerle entstand und „das Kind einen Namen brauchte“, wählten sie den Literaturnamen.

So entstand auch der Rap-Track. Für das Programm 2018 fehlte noch ein letzter Akt, also schlug Lukas Heib vor, gemeinsam einen Rap-Track zu schreiben. „Zuerst gab’s da echt Zweifel in der Gruppe, ob das so eine gute Idee ist“, sagt er. Als sie dann aber einen passenden Beat fanden, sei das Ganze eigentlich ein Selbstläufer gewesen. „Nur eine Nummer“ hieß das Lied am Ende. Es thematisiert mit seinem Text den Fakt, dass zu viele Menschen die Feuerwehr als zu selbstverständlich ansehen. Dabei war es ursprünglich gar nicht so klar, um was es in dem Lied eigentlich gehen sollte. Da Rap vom Streit lebt, haben sie sich überlegt, was sie eigentlich so richtig am Feuerwehr-Dasein nervt, und es in diesen Song gepackt. Zum einen wäre da, dass die Gesellschaft generell nicht sehr dankbar ist, für die Leistung der Feuerwehr. So würden sich zum Beispiel Leute darüber beschweren, dass nachts ein Feuerwehrauto mit zu lautem Martinshorn vorbeifährt. „Die beschweren sich über Lärm, wenn wir selbst 5 Minuten vorher noch im Bett lagen und nun unterwegs sind, um Menschen zu helfen“, sagt Tobias Heib. Oder die Tatsache, dass man als Jugendlicher in der Schule nicht unbedingt das höchste Ansehen bekomme, wenn man sage, dass man in der Feuerwehr sei. Die Feuerwehr sei eben nur eine Nummer, die man im Notfall wählt, der Mensch hintendran werde nicht wirklich beachtet.

Oder das leidigste Thema: die Gaffer, die Rettungskräfte filmen und bei der Arbeit behindern. „Man hört das immer in den Medien und denkt sich, dass das doch gar nicht so schlimm sein kann in echt“, sagt Nedis Suljic. „Bis man’s mal mit eigenen Augen sieht.“

Damit gerechnet, dass der Song so gut ankommen wird, haben die vier Jungs nicht. „Ziel war es hauptsächlich, das Lied hinter uns zu bringen“, sagt Tobias Heib und lacht. Doch das Publikum war schon beim Kameradschaftsabend begeistert, bereits dort mussten sie eine Zugabe spielen. Der Völklinger Bürgermeister war gleich so begeistert, dass er sie auf den Neujahrsempfang der CDU einlud. „Dass das so durch die Decke gehen wird, hat echt keiner gedacht“, sagt Tobias Heib. „Das war ja alles nur aus Spaß.“

An den Song ist nun natürlich die Hoffnung geknüpft, dass die breitere Bevölkerung sich ein paar Gedanken über die Themen des Songs macht. Deswegen wollen die vier Rapper, vielleicht bald mit echtem Rap-Namen, auch weiterhin Songs aufnehmen. Ihr letzter Track soll „Nur eine Nummer“ jedenfalls nicht gewesen sein, weitere Songs sind schon in Arbeit. Um was es darin gehen soll, wollen sie allerdings noch nicht verraten