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Fast jede zweite Jugendfreizeit im Saarland fällt wegen Corona aus

Wenig los in den Ferien : Fast jede zweite Jugendfreizeit fällt aus

Hygienevorschriften und fehlende finanzielle Förderung stellen private Träger vor Probleme. Das Angebot im Saarland ist massiv geschrumpft.

Es sind schlechte Zeiten für Kinder und Jugendliche: Wegen der Corona-Pandemie wurden Schulen geschlossen, Sportvereine konnten keinen regulären Trainingsbetrieb anbieten, Urlaubsreisen mit den Eltern sind nur eingeschränkt möglich. Und jetzt fallen auch noch Angebote bei den Kinder- und Jugendfreizeiten weg. Etwa die Hälfte aller Veranstaltungen, schätzt Georg Vogel vom Landesjugendring Saar, fällt dieses Jahr ins Wasser. „Der Aufwand und die Verantwortung ist für die Ehrenamtler zu groß.“ Neben der pädagogischen Planung, der Aufsichtspflicht, den Kinderschutzbestimmungen und den üblichen organisatorischen Aufgaben kommen in diesem Jahr noch umfangreiche Hygienebestimmungen hinzu, die es einzuhalten gilt.

Ebenso problematisch sind die Einnahmeausfälle, die insbesondere die freien Träger in den vergangenen Monaten hinnehmen mussten. Laut Angaben des Landesjugendrings reichten die derzeitigen Förderungen der kommunalen Jugendämter nicht aus, um „Freizeitmaßnahmen defizitfrei durchzuführen“. Gegensteuern könnten die Träger nur, indem sie die Teilnahmegebühren erhöhen. Das wiederum schließe „einen Teil der Kinder und Jugendlichen von den Angeboten“ aus. Damit sei einerseits deren Sinn verfehlt, andererseits entfielen abermals notwendige Einnahmen.

Zwar hat die Landesregierung ihren Fördersatz wegen der Corona-Pandemie bereits massiv erhöht – um geschlagene sieben Euro auf 8,68 Euro pro Tag und Teilnehmer – dennoch sind die Kassen leer. Ein weiterer Teil der staatlich finanzierten Förderung kommt von den Landkreisen und ist uneinheitlich organisiert. Die Förderbeträge schwanken je nach Landkreis zwischen rund 2,50 Euro und zehn Euro pro Tag und Teilnehmer. Spitzenreiter ist hier der Regionalverband Saarbrücken, der die Förderung unlängst aufgestockt hat. „Wir sind wirklich froh, dass die das gemacht haben“, sagt Vogel. Dennoch komme man unterm Strich auf eine maximale Fördersumme von 18,68 Euro pro Tag und Person. Völlig ausreichend bei Tagesveranstaltungen, zu wenig jedoch etwa bei Zeltlagern oder mehrtägigen Fahrten mit Übernachtungen in Jugendherbergen. „Das kann schon mal 40 Euro am Tag kosten“, sagt Vogel. Den Differenzbetrag müssen Eltern aufbringen. Ein schöner Batzen Geld für diejenigen, an die sich die Angebote richten. „Wir wollen vor allem die mitnehmen, bei denen das Geld nicht locker sitzt“, sagt Vogel.

An der uneinheitlichen Förder-
ung könnte sich demnächst etwas ändern. Für den 18. August ist ein Gespräch zwischen Vertretern des Landesjugendrings und des Landkreistags des Saarlandes geplant. Darin soll es laut dessen Geschäftsführer, Martin Luckas, auch um die Förderung von Jugend- und Freizeitangeboten gehen. „Letztlich unterliegen diese Fragen aber der kommunalen Selbstverwaltung und richten sich nach den örtlichen Gegebenheiten“, sagt Luckas. Bisher seien die Förderungen im Landkreistag noch kein Thema gewesen. Insgesamt haben nach Angaben aus dem Sozialministerium im vergangenen Jahr 10 413 Kinder und Jugendliche an den Freizeitangeboten der 226 freien Träger teilgenommen. Aktuell befinde sich eine „Richtlinie zur Entlastung der freien Träger der Jugendhilfe“ in Abstimmung.

Die Termine finden sich im Internet unter jugendserver-saar.de