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Ein wundervolles friedliches Fest
Farbenfrohe Prozession durch Altenwalder Straßen

In bunte Gewänder gehüllte Menschen prägten die Prozession durch die Straßen des Stadtteils Altenwald.
In bunte Gewänder gehüllte Menschen prägten die Prozession durch die Straßen des Stadtteils Altenwald. FOTO: BeckerBredel
Altenwald. Begeisterung unter den Zuschauern beim Umzug der Hindu-Gemeinde mit Göttinnen-Statue und einem hohen Priester aus Holland. Von Petra Pabst

  „So ein tolles Fest, wir kommen jedes Jahr aus Dudweiler hierher, das wollen wir auf keinen Fall verpassen“, sagt ein Besucher. Er und seine Frau sind beim  hinduistischen Fest im Sri-Maha-Mariamman-Tempel in Altenwald dabei. „Alle sind so freundlich und offen und finden es toll, dass wir auch alles immer erklärt bekommen.“


Höhepunkt des alljährlichen zwölftägigen Festes war auch am Sonntag die Straßenprozession mit der Statue der Göttin Sri Maha Mariamman, die für Fruchtbarkeit steht. Ihr ist der Tempel geweiht.

Viele faszinierende Zeremonien begleiten das farbenfrohe Spektakel. Nach einem hinduistischen Gottesdienst, Pooja genannt, tragen Gläubige die Skulptur der Göttin, die sie in bunter Farbentracht und mit unzähligen Blumen geschmückt haben, aus dem Tempel und stellen sie auf einem prächtigen Wagen. Darauf ziehen und schieben sie das Heiligtum entlang der Wegstrecke mit Hilfe von Seilen. Ein hoher Priester, der für diesen Tag aus Holland angereist ist, begleitet die Statue auf dem Wagen.



Der Weg führt vom Tempel über die Berg- und Oststraße durch die Sulzbachtalstraße über die Grubenstraße und wieder zurück. Unzählige Menschen verfolgten das Schauspiel vom Straßenrand oder aus ihren Fenstern heraus. Begleitet von traditioneller Musik tanzen vier Jungs mit prächtigem Kopf- und Schulterschmuck barfuß zum Rhythmus der Trommeln – Thavil genannt – und den Klängen von Blasinstrumenten, den Shenhai. Die Frauen singen und preisen die Göttin, und immer wieder hört man den Ruf „Arohara“, zu deutsch: Hoch lebe die Göttin! Junge Männer gehen voran und verteilen kleine Beutel mit Früchten und Getränke an die Schaulustigen. Einige Frauen tragen Töpfe mit Blumen oder Salben auf dem Kopf, andere gehen den Weg rückwärts mit einer brennenden Feuerschale, aus der es duftend raucht.

Bereits am Vorabend gab es eine kleinere Prozession mit ungefähr 300 Teilnehmern, schätzungsweise 1000 sind es nun am Sonntagnachmittag. „Die Gläubigen kommen nicht nur aus dem Saarland, sondern aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland“, erklärt Kajen Jegatheesan, Neffe des Tempelpriesters Sukithasan Sanmugasarma, den sie hier Suki nennen.

Er ist an diesem Tag Sprecher der Tempelgemeinschaft und beantwortet viele Fragen. „Es gibt nicht nur hinduistische Tamilen, sondern auch christliche und muslimische. Aber dieses Fest hat nicht ausschließlich religiöse Hintergründe. Wir wollen auch unsere Kultur und Tradition aufrechterhalten und mit allen teilen. Daher ist jeder sehr herzlich willkommen“, erklärt er. Und: „Wir wünschen uns noch viel mehr Gäste.“

Der Termin findet immer im Sommer statt und richtet sich nach bestimmten Planeten-Konstellationen. Rita Janßen und Christel Ruffing sind zum ersten Mal dabei und zeigen sich beeindruckt. „Wir haben von dem Fest aus den Medien erfahren. Das muss man wirklich einmal gesehen haben. Das ist spektakulär und so etwas Schönes direkt bei uns zu Hause“ schwärmen Janßen. Sarah Pintus ist mit ihrer Freundin Nivethini Thambiratanam aus Saarlouis gekommen und geht mit der Prozession, gekleidet in einen Sari dem prächtigen Gewand der Frauen. „Den habe ich mir von meiner Freundin ausgeliehen“, sagt sie. „Es ist gar nicht so einfach, den anzuziehen, da wird viel gewickelt und in Falten gelegt und anschließend gesteckt. Aber ich habe ja professionelle Hilfe“, erzählt sie lächelnd.

In den Umzug mit eingebunden waren auch Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam und der Leiter der Sulzbacher PolizeiiInspektion, Hans Peter Komp. Beide erhielten zu Beginn der Prozession den typischen Punkt auf die Stirn und ein Tuch überreicht.

Am Wagen der göttlichen Statue weht die deutsche Flagge. „Das sind alles Zeichen unserer Dankbarkeit für die Menschen hier und die wunderbare Unterstützung und Zuwendung, die wir von allen Seiten bekommen“, erklärt Kajen. Nach fast zwei Stunden kommt der Zug wieder am Tempel an. Hier werden Früchte gesegnet, verteilt und Opfergaben gebracht. Schließlich werden alle, die mögen, auch noch zum gemeinsamen Essen geladen.