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Ex-Oberbürgermeister von Saarbrücken will besseren ÖPNV fürs Saarland.

Kostenpflichtiger Inhalt: ÖPNV im Saarland : Viele Millionen für Busse und (Seil-)Bahn?

Saarbrückens Ex-Oberbürgermeister Hajo Hoffmann fordert deutlich mehr Anstrengungen, den ÖPNV im Saarland zu verbessern.

Hajo Hoffmann will, wie er sagt „optimistisch provozieren“. Etwas anderes bleibt dem Mann, der zwischen 1991 und 2002 Saarbrücker Oberbürgermeister war, auch nicht übrig. Er könne sich nur noch „als Einzelperson“ einmischen, sagt der Sozialdemokrat. Hajo Hoffmann gehört aber zu den Saarbrückern, die kein Amt, keinen Titel brauchen, um Gehör zu finden. Das Thema, mit dem sich Hoffmann bereits als Chef der Saarbrücker Stadtverwaltung beschäftigt hat und zu dem er nun ein „Streitpapier“ verfasst hat, erhöht die Aufmerksamkeit für das, was er zu sagen hat: Klimaschutz.

Genauer gesagt: Hoffmann macht Vorschläge zu einem, wie er sagt, „kleinen Ausschnitt der Klimadebatte“, dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Bereits im August hatte sich der Ex-OB zu Wort gemeldet und an seine rund 20 Jahre alte Idee einer Seilbahn für Saarbrücken erinnert. Anlass waren Überlegungen der Stadt Köln durch ein Seilbahnsystem einen Teil der Verkehrsprobleme zu lösen. Die aktiven Kommunalpolitiker schweigen zum Vorschlag des Alt-Oberbürgermeisters. Er habe dennoch „eine Reihe von Rückmeldungen bekommen“, sagt Hoffmann. An diesem Montag trifft er sich nun mit Vertretern des Naturschutzbundes (NABU), um darüber zu reden, welche Rolle der ÖPNV bei der Reduzierung von Kohlendioxid wirklichen leisten könnte.

In Köln wird über eine Seilbahn diskutiert, in Koblenz gibt es bereits eine. Die Seilbahn überquert den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein. Foto: dpa/Thomas Frey

Die Seilbahn „als urbanes Verkehrsmittel“ ist Bestandteil von Hoffmanns Überlegungen. Sie gehen aber weit darüber und auch ein gutes Stück über die Landeshauptstadt hinaus. Es gebe zwar erste Schritte, den ÖPNV im Saarland zu verbessern, schreibt Hoffmann. Bis zu zehn Prozent mehr ÖPNV-Nutzer seien möglich durch ein besseres Tarifsystem, Handytickes, mehr Barrierefreiheit und Rufbusse. Aber um Klimaschutzziele auch nur ansatzweise zu erreichen, sei das zu wenig. Es müsse in großem Stil in die ÖPNV-Infrastruktur investiert werden, fordert Hoffmann.

Konkret heißt das: Stillgelegte Bahnstrecken müssen reaktiviert werden. Die bestehende Saarbahnstrecke von Saargemünd über Saarbrücken nach Lebach sollte ergänzt werden durch eine Strecke von St. Avold über Forbach und Saarbrücken-Scheidt nach St. Ingbert. Eine weiter Saarbahn soll von Saarbrücken über Völklingen und Saarlouis nach Dillingen fahren, wobei der Saarlouiser Markt per Schiene an den Bahnhof angebunden werden müsse. Ein gutes Busangebot soll als Zubringer zu den Saarbahnstrecken dienen. Dazu reichen aus Hoffmanns Sicht teilweise Kleinbusse, die „Schleifen-Routen (zum Beispiel Bübinger Berg, Güdinger Berg)“ fahren. Fußgänger- und Fahrradbrücken über die Saar könne das Fahrgast-Potenzial ebenfalls steigern, schreibt Hoffmann. Die Seilbahnlinien sollen von der Saarlandhalle/Ludwigspark über den Hauptbahnhof zur Jugendherberge und der HTW-Dependance Meerwiesertal führen, von dort zur Sporthochschule/Universität und nach Dudweiler. Die zweite Linie vom Landwehrplatz, übers Wirtschaftsministerium und das Klinikum Winterberg zur Spicherer Höhe. Schrägaufzüge sollen zum Saarländischen Rundfunk auf dem Halberg und zum Sonnenbergklinikum führen. Bevor Entscheidungen getroffen werden, müsse es eine Beteilung der Bürger geben. Und der ÖPNV müsse möglichst „auf erneuerbare Energien umgestellt“ werden.

Der ehemalige Oberbürgermeister Hajo Hoffmann sieht die Klimadebatte als Chance, den ÖPNV endlich deutlich auszubauen. Foto: Iris Maria Maurer

Finanziert werden könne das Ganze durch die im Bund diskutierte Abgabe auf Kohlendioxid. „Das Umweltbundesamt berechnet die Schäden durch die Emission von einer Tonne CO2 auf 180 Euro. Andere Institutionen gehen von einem deutlich höheren Betrag aus. Ein Einstiegspreis von zehn Euro pro Tonne würde jährlich sieben Milliarden Euro einbringen“, schreibt Hoffmann. Da sei mit noch mehr Geld zu rechnen, sagt Hoffmann, denn: „International werden signifikant höhere CO2-Preise erhoben.Schweden: 124 Euro, Finnland: 62 Euro, Norwegen: 51 Euro, Schweiz: 84 Euro.“ „Der Zeitpunkt für eine neue Qualität des ÖPNV ist ideal“, findet Hoffmann.