| 22:05 Uhr

Fußball-WM
Euphorie nach Sieg gegen Schlaftabletten

Am Saarbrücker Staden gab es beim Schlusspfiff für die mexikanischen Fans kein Halten mehr: Alejandro (mit Hut) und seine Freunde jubelten ausgelassen über den 1:0-Sieg gegen Weltmeister Deutschland.
Am Saarbrücker Staden gab es beim Schlusspfiff für die mexikanischen Fans kein Halten mehr: Alejandro (mit Hut) und seine Freunde jubelten ausgelassen über den 1:0-Sieg gegen Weltmeister Deutschland. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Mexikaner in Saarbrücken träumen nach dem 1:0 gegen den Weltmeister vom Titel. Deutsche Anhänger vermissen Hector. Von Heiko Lehmann

„Mexiko, Mexiko, Mexiko“ – am gestrigen Sonntag jubelte auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken und am Staden an der Saar nur eine Nation. Und das war Mexiko. „Wir sind einfach gut. Ich glaube, dass wir ins Halbfinale kommen. Wir haben heute verdient gewonnen, das müssen die Deutschen zugeben“, sagte Ricardo, der in Mexiko geboren wurde und mit seinen Freunden Alejandro und Angel am Saarbrücker Staden den 1:0 (1:0)-Sieg der Mexikaner bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Titelverteidiger Deutschland verfolgte. „Für mich war das heute keine Überraschung. Ich weiß, wie gut wir sind. Trotzdem bin ich von dem deutschen Spiel etwas enttäuscht“, sagte Alejandro.


Mit mexikanischen Flaggen um die Schulter und Sombreros auf dem Kopf feierten die Mexikaner, während die Deutschen bereits kurz nach dem Spiel in der kritischen Analyse waren. „Das war nix heute. Wir waren viel zu langsam. Sami Khedira war überhaupt nichts. Und Marco Reus kam viel zu spät ins Spiel. Jogi Löw hat kein gutes Händchen gehabt“, erklärte der Saarbrücker Marc Sauer, der mit seinen Kumpels am Staden den deutschen WM-Auftakt verfolgte.

Vanessa Schwan schaute das Spiel mit ihren Freundinnen am St. Johanner Markt. „Zuerst Fußball, dann auf dem Altstadtfest feiern, das ist der Plan. Aber ich habe heute kein gutes Gefühl. Ich bin kein Fan von Timo Werner. Und Jonas Hector wird unserem Spiel mit Sicherheit fehlen“, sagte Vanessa Schwan vor dem Anpfiff. Insgesamt herrschte so etwas wie Trauer in Saarbrücken, dass Hector, der aus Auersmacher kommt, nicht auflaufen konnte. „Er ist nur erkältet. Er wird noch spielen. Und er wird unserem Spiel gut tun“, sagte die vietnamesische Bedienung im „Yedo“ am Markt, die bei den Spielen des Weltmeisters den Deutschen die Daumen drückt.



Doch alles Daumendrücken half in der 35. Minute nicht. Nach einem Fehler von Khedira tanzte Hirving Lozano zwei deutsche Spieler aus und schoss den Ball humorlos zum 1:0 für Mexiko ins Tor. Direkt gingen die Köpfe der deutschen Fans nach unten. „Das war mir klar“, sagte Birgit Schwindt: „Die Mexikaner sind ja auch besser. Bei unseren Jungs hat man den Eindruck, sie haben Schlaftabletten genommen.“

Trotz des Rückstandes gab es in der Halbzeit „Deutschland, Deutschland“-Rufe auf dem St. Johanner Markt. Und am Staden starteten knapp 300 Fans eine La-Ola-Welle. Doch am Ende half alle Anfeuerung nichts. Die deutsche Nationalmannschaft verpatzte zum ersten Mal seit dem 1:2 gegen Algerien bei der WM 1982 in Spanien ein Auftaktspiel – und muss nun um das Weiterkommen bangen. „Ach was, wir schaffen das schon. Die haben jetzt alle gemerkt, dass man im Schongang hier nicht weiter kommt. Im nächsten Spiel sind wir viel besser“, prophezeite Marc Sauer.

Den Mexikanern war das alles egal. Sie feierten den ersten Sieg ihrer Mannschaft bei einer WM gegen Deutschland und träumten vom ganz großen Erfolg ihrer Nationalmannschaft in Russland. „Wir sind im vergangenen Jahr beim Confed-Cup erst im Halbfinale gescheitert und haben dort schon gezeigt, wie gut wir sind. Unsere Mannschaft ist gut in Form und wir werden uns noch steigern. Mit uns wird zu rechnen sein, wenn am Ende der Titel vergeben wird“, sagte Angel, bevor er am Staden von einer mexikanischen Fahne überdeckt wurde – und die Party des Weltmeister-Besiegers weiter ging.

Mehrere hundert Zuschauer verfolgten am Staden das Auftaktspiel des Weltmeisters. Die meisten von ihnen waren danach maßlos enttäuscht.
Mehrere hundert Zuschauer verfolgten am Staden das Auftaktspiel des Weltmeisters. Die meisten von ihnen waren danach maßlos enttäuscht. FOTO: Heiko Lehmann