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Es geht um die Saarbrücker Friedhöfe
„Es hat eine Revolution stattgefunden“

Auch der Dudweiler Friedhof wird sich auf absehbare Zeit verändern.
Auch der Dudweiler Friedhof wird sich auf absehbare Zeit verändern. FOTO: BeckerBredel
Dudweiler. Der Friedhofsentwicklungsplan der Landeshauptstadt Saarbrücken war das große Thema im Dudweiler Bezirksrat.

„Es hat auf Friedhöfen eine Revolution stattgefunden, die nicht von der Bevölkerung wahrgenommen wurde“, sagte Carmen Dams. Die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe war zu Gast im Bezirksrat Dudweiler. Den Vertretern des Gremiums erläuterte sie den Friedhofsentwicklungsplan der Landeshauptstadt Saarbrücken für die insgesamt 22 Friedhöfe mit 141 Hektar Gesamtfläche. Besagte „Revolution“ bestehe darin, dass es einen „wachsenden Überschuss an Friedhofsflächen“ gebe. Sprich: Der Anteil an Körperbestattungen  hat in den vergangenen Jahren dramatisch abgenommen.



Dafür nahm die Zahl der Einäscherungen im gleichen Maße deutlich zu. Dafür verantwortlich sei vor allem eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Die Bedeutung der Familie habe sich verändert, viele Menschen wohnten ihr Leben lang nicht mehr nur an einem Ort, die Grabpflege habe deutlich an Priorität eingebüßt. Seit 2005 das Sterbegeld durch die Krankenkassen wegfiel, würden ebenfalls viel mehr Bürger die Feuerbestattung vorziehen – diese ist schlicht günstiger. Neben der Tatsache, dass so deutlich mehr Grünfläche verleibt, hätten diese Tendenzen auch „erhebliche negative wirtschaftliche Folgen“, wie es in der betreffenden Vorlage heißt. Der  Friedhofsentwicklungsplan sei „wesentliche Grundlage für die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung mit Bestattungsflächen.“

Die Prognose für das Jahr 2030 in einem Gutachten habe ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt der Bedarf an reiner Bestattungsfläche bei etwa 28 Hektar liegen würde. Der derzeitige Bestand betrage rund 76 Hektar, wovon fast 63 Hektar auf Körperbeisetzung entfallen. Die durchschnittliche Auslastung der Saarbrücker Friedhöfe betrage 26 Prozent.

Für Dudweiler stellte Carmen Dams fest: „Der Handlungsbedarf ist hier gar nicht so hoch.“ Die Auslastung auf den Friedhöfen Dudweiler, Herrensohr, Jägersfreude, Scheidt und Scheidterberg liege mit 33,4 Prozent deutlich über dem Schnitt. Das Entwicklungskonzept sieht für die Dudweiler Friedhöfe nun im Groben vor, neue Gräber zukünftig zentraler anzulegen und auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren. Zudem sollen die Bestattungsflächen auf rund 4,8 Hektar und die Fläche der Friedhöfe an sich um zirka 4,2 Hektar auf rund 12,8 Hektar reduziert werden.

Was denn dann eigentlich mit den übrigen Grünflächen passiert, wollte Insa Michels-Litaer (CDU) wissen. Ob denn in Scheidt oberirdische Grabstellen geplant seien, fragte Mark Fey (SPD). Annabelle Sonntag (FDP) interessierte sich dafür, ob man sich einen Friedhof als letzte Ruhestätte aussuchen dürfe. Mirko Welsch (Bürgerbündnis Saar) hakte nach, wo muslimische Grabfelder zu finden seien. Dudweilers Behindertenbeauftragter Michael Wagner wollte wissen, ob man vorhabe, die Grabfelder zukünftig von größeren Steigungen fernzuhalten.

 Bei den Grünflächen wisse man noch nicht genau, was damit geschehen soll, erklärte Carmen Dams, eventuell gingen diese an den Saarforst. Die Urnenwände seien in Scheidt nicht in dem Maße nachgefragt wie auf anderen Friedhöfen. Ähnlich wie bei der Schulpflicht gebe es auch bei Bestattungen die Bestrebung, möglichst nahe an seinem Wohnort zu bleiben.

  Muslimische Grabfelder gebe es derzeit nur auf dem Hauptfriedhof, doch bald seien auch sarglose Bestattungen geplant. Zur Topografie erklärte sie: „Es war immer unsere Intention, auf flache Bereiche zu gehen.“

(bo)