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Erste Mahnwache gegen „arm trotz Rente“ am 24. Januar in Saarbrücken.

Mahnwache in Saarbrücken : Ab 2020 „Fridays gegen Altersarmut“

Saarbrückerin organisiert erste Mahnwache gegen „arm trotz Rente“ am 24. Januar auf dem St. Johanner Markt.

Wenn sie durch Saarbrücken geht, sagt Sylvia Josette Schuhe, dann sieht sie „viele arme Menschen“. Vor allem alte arme Menschen.  Im Alter kein Geld haben, um den letzten Lebensabschnitt in Würde gestalten zu können, das ist eine Angst, die auch die 61-Jährige kennt. 20 Jahre hat sie für die Gewerkschaft der Polizei gearbeitet, erzählt sie. „Dann bin ich schwer krank geworden und wurde einfach abserviert.“ Bei der Rente werden „ihr einige Beitragsjahre fehlen“, weiß sie.

Es ist die eigene Situation und die Feststellung, dass viele Menschen Grund zur Sorge haben müssen, im Alter trotz Rente jeden Euro zweimal umdrehen zu müssen, die Sylvia Josette Schuhe haben auf eine Gruppe aufmerksam werden lassen, die sich im Sommer auf der Internetplattform Facebook gegründet hat: „Fridays gegen Altersarmut“. „Damals waren es 30 Leute, heute sind es 170 000“, sagt sie.

Ziel der Gruppe, die sich in der Namensgebung an die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ anlehnt, ist es, „so viele Menschen wie möglich auf das Thema Altersarmut in diesem Land aufmerksam zu machen“. Wobei Aufmerksamkeit nicht bedeute, nur auf ein Problem hinzuweisen, sondern auch Lösungsvorschläge zu machen.  „Stammtischargumente wie, dass Bürger und Betroffene keine Lobby haben, lassen wir so nicht gelten. Wir können uns selbst zur Lobby machen, indem wir so viele Menschen wie möglich für unsere Bewegung gewinnen, um gemeinsam gegen Altersarmut zu kämpfen“, heißt es in der „Fridays gegen Altersarmut“-Grundsatzerklärung.

Dabei wolle man sich „von keiner einzigen Partei, Gruppierung oder Politikern instrumentalisieren“ lassen. „Wir sind keine Senioren- oder Rentner-Protestbewegung. In unserer Bewegung sind alle Generationen vereint, von der Jugend bis hin zu der älteren Generation“, schreiben die Initiatoren. Ihnen ist es „wichtig, dass wir uns von anderen Protestbewegungen abheben“. Das heißt:  „Wir verzichten auf dumpfe Parolen und Losungen. Nur Forderungen aufstellen, wie es andere Protestbewegungen machen, ist nicht unser Ding. Wir bieten lieber Lösungen an wie man Altersarmut bekämpfen kann und wie man unsoziale Regelungen zur Rente zurücknehmen kann.“

Die von der Bundesregierung „als Erfolg verkaufte Einigung über die Grundrente“, hält die Initiative für „reine Augenwischerei“. Der „einzige richtige Weg“ sei „ein neues solidarisches Rentensystem in dem ausnahmslos alle einzahlen“. Beamte, Politiker sowie viele Selbstständige zahlen nicht in die Rentenkasse ein, bemängelt die Initiative. Die gesetzliche Rente müsse „langfristig zu einer Art Erwerbstätigenversicherung ausgebaut werden“. „In diese Erwerbstätigenversicherung zahlen ausnahmslos alle ein, Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige, Politiker, Angehörige der freien Berufe sowie Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften und Banken“, fordert die Gruppe.

„Wenn alle ihren fairen Beitrag leisten ist die Rente auch in Zukunft sicher finanziert“, glaubt die Initiative. Die Erwerbstätigenversicherung sei „eine starke Gemeinschaft auf die sich alle verlassen könnten“. Gleichzeitig müsse aber gesetzlich geregelt werden, dass kein Geld aus dem Rententopf zur Finanzierung anderer Dinge benutzt werden darf.

Am Freitag, 24. Januar, will „Fridays gegen Altersarmut“ Mahnwachen in 140 Städten organisieren und die bisher im Internet verbreiteten Forderungen auf die Straße bringen. In Saarbrücken ist Sylvia Josette Schuhe die Ansprechpartnerin. Sie hat die Mahnwache zwischen 16 und 19 Uhr am Brunnen auf dem St. Johanner Markt beim Ordnungsamt angemeldet.