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Erfahrungen einer Rettungswagen-Besatzung mit Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : „Die Patienten sind ängstlicher als sonst“

Rettungsassistentin Sabrina Hoffmann und Sanitäter Marcus Pohl bitten, einen Corona-Verdacht nicht zu verschweigen.

„Unn? Wie viel Corona habt ihr heute...? – Diese Frage wird uns ständig gestellt, es ist sehr anstrengend, das beherrschende Thema. Die Antwort für heute wäre – zwei“, sagt Rettungsassistentin Sabrina Hoffmann, die am Montagmorgen ihren Dienst in der Malteser Rettungswache Saarbrücken begonnen hatte und zusammen mit ihrem Kollegen Markus Pohl zur Mittagszeit schon zwei Corona-Einsätze hinter sich hatte.

„Angst haben wir da keine. Infektionsfahrten gehören zu unserem Job dazu, wir sind gut geschützt“, sagt sie. Aber brenzlige Situationen gebe es dennoch. Sie berichtet von einer Patientin mit akuter Atemnot, die am Telefon die Notrufabfrage der Leitstelle einfach abgebrochen habe. Sie habe ihre Atemnot beschrieben, ihre Adresse genannt und einfach aufgelegt. Ihr Schüttelfrost, ihr Fieber habe sie verschwiegen. „Die Menschen haben Angst, sie wollen den Verdacht auf eine Corona-Infektion nicht aussprechen oder verheimlichen es. Für uns wäre es aber wichtig, so etwas vorher zu wissen“, sagt die hauptamtliche Retterin.

Zu gefährlichen Situationen führe das nicht, denn der Rettungsdienst habe die Maßgabe, dass immer erst ein Retter mit Mundschutz mit dem Patienten spreche, bevor der zweite den Raum betrete. Gebe es Corona-Hinweise, dann werde Schutzkleidung angelegt, die bei den Maltesern aus einer Filtermaske und einem blauen Schutzkittel besteht. „Die Patienten sind um ein Vielfaches ängstlicher als sonst“, stellt Hofmann fest.

Markus Pohl nickt zustimmend: „Schon unser Mundschutz macht ihnen Angst, allen rast der Puls. Die meisten wehren sich geradezu gegen das Krankenhaus.“ Das liege sicher an der Berichterstattung aus Italien, mutmaßt Pohl.

Der gelernte Lokführer hilft als Rettungssanitäter aus und versteht sehr gut, dass die Bilder aus Italien allen Menschen nachgehen. „Ich fahre seit 2003 im Rettungsdienst, noch nie musste ich einen Mundschutz tragen“, sagt er. Angst habe er aber keine. Die Schutzausrüstung sei zwischendurch mal gefährlich knapp geworden, inzwischen sei wieder alles da, und außerdem würden sich Kliniken und die anderen Hilfsorganisationen gegenseitig aushelfen.

Ausgesprochen freundlich gehe es auch in den Notaufnahmen zu, man merke die Solidarität unter den Helfenden. Das Gespräch mit den beiden läuft ungestört, denn wo normalerweise jede Sekunde ein neuer Alarm kommen kann, ist Funkstille. Zwangspause. Der Rettungswagen musste desinfiziert werden – zum zweiten Mal an diesem halben Tag. Die Chemie muss eine Stunde einwirken, erst dann geht es weiter. Hoffmann hat bereits die dritte Hose an, auch Kleiderwechsel wird mehrmals am Tag notwendig. Der wichtigste Wunsch der beiden für den nächsten Alarm: dass die Patienten ihren Infekt nicht verschweigen.