Erdüberlastungstag: Greenpeace und das Netzwerk Entwicklungspolitik informieren in Saarbrücken

Erdüberlastungstag : „Es gibt kein Weiter wie bisher“

Seit gestern lebt die Menschheit auf Pump, denn die Ressourcen für 2019 sind verbraucht. Darauf machten zwei Organisationen aufmerksam.

Eigentlich ist seit gestern Schluss: Die Menschheit hat ihr Budget an natürlichen Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht – rein rechnerisch zumindest. „Wir verbrauchen und verschmutzen einfach viel mehr, als unsere Erde zur Verfügung stellen kann“, erklärt Michaela Couturier von Greenpeace Saarland, während sie und Mitstreiter in der Saarbrücker Bahnhofsstraße Passanten auf den sogenannten Erdüberlastungstag hinweisen. „Wir haben mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen, als unsere Ozeane und Wälder absorbieren können. Wir haben schneller gefischt, als sich die Fischbestände erholen. Wir haben rascher Bäume gefällt, als sie nachwachsen.“ Bis zum 31. Dezember betreibe die Menschheit daher Raubbau an der Erde. „In Deutschland ist eigentlich schon seit dem 3. Mai Schluss“, sagt die Umweltschützerin. Der geringere Verbrauch in ärmeren Ländern gleiche den Konsum in den Industriestaaten noch etwas aus. Die größten Verbraucher sind Katar und Luxemburg – hier waren die Ressourcen für das Jahr bereits am 11. und 16. Februar verbraucht.

Berechnet hat den Erdüberlastungstag die Denkfabrik Global Footprint Network. In ihre Kalkulation fließen neben dem CO2-Ausstoß auch der Verbrauch von Holz, Ackerland, Fischgründen und der Flächenverbrauch. Vor zwei Jahren lag dieser Tag noch im August.

Doch es gebe Hoffnung, dass sich etwas ändert. „Greta Thunberg hat sehr viel erreicht. Die Fridays For Future-Bewegung ist weltweit verankert“, sagt Couturier. „Die jungen Leute stellen Fragen und sehen: Es gibt kein Weiter wie bisher.“ Vor allem durch Bildung und Information müssten die Zusammenhänge vermittelt werden: „Für unsere Billigprodukte zahlen Menschen in anderen Ländern die Zeche.“ Durch Dürren und Überschwemmungen, verursacht durch den Klimawandel, sei dieser Preis oft das Leben. So hofft die Aktivistin, dass die Menschen den „Sprung vom Sagen zum Tun“ schaffen. „Wenn Menschen über die Bedingungen der Massentierhaltung Bescheid wissen, dass dort Unmengen Antibiotika eingesetzt werden, für den Sojaanbau Regenwälder gerodet werden, dann sind sie eher bereit, ihren Fleischkonsum einzuschränken“, sagt sie. Natürlich sei da das Engagement jedes Einzelnen gefragt, aber auch die Politik müsse die Weichen stellen. „Fliegen ist viel zu billig“, sagt sie. Die Wirtschaft reagiere auf freiwilliger Basis kaum mit mehr Umweltschutz.

Direkt neben Greenpeace hat das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES) seinen Stand zum Erdüberlastungstag aufgebaut, auf dem Boden vor einer großen Weltkarte liegen Zettel: „Gehört die Gier zum Menschen?“, „Wer profitiert davon wirklich?“, „Umweltschutz ist Menschenschutz ist Lebensschutz“, „Willst du mir dabei helfen?“. „Wir wollen mit diesen Fragen und Statements mit den Passanten ins Gespräch kommen und gemeinsam ergründen, was die Ursachen für diesen Zustand sind und sie zu Lösungen motivieren“, sagt NES-Bildungsreferent Jean-Philippe Baum. „Niemand will diesen Zustand, dennoch haben wir ihn, jeder braucht zur Veränderung einen persönlichen Anstoß.“ Der 37-Jährige ist überzeugt: „Geld allein löst das Problem nicht. Es braucht einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel.“ Kein Fleisch, keine Flugreisen, möglichst keine neue Kleidung, sondern Secondhand, sofern möglich, kein eigenes Auto – das klingt nach einer Menge Verzicht. „Das ist kein Verzicht, sondern eine Bereicherung“, findet Baum „Ich gehe mit der Natur anders um. Freue mich über die saubere Luft, gesunde Bäume. Das Problem ist, dass alles nach seiner Nützlichkeit bewertet wird. Da auszubrechen ist Befreiung!“ An zwei Stellwänden des Netzwerks notieren Passanten Probleme und Lösungen für den Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen. Die 19-jährige Johanna Shiva Werner schreibt bei Problemen: „Verschwendung, ungerechte Verteilung“, bei Lösungen: „Mehr Verbote, z.B. von (Billig)Flügen, Billigfleisch, Lebensmittelverschwendung, zu hohen Bahnpreisen.“ „Man muss zuerst bei sich selbst anfangen und fragen: Was macht mich wirklich glücklich“, sagt die Studentin. Das sei eben nicht der Konsum und das „immer mehr“, sondern es seien Familie und Freunde. Verantwortung sieht sie aber auch bei der Politik: „Sie könnte Massentierhaltung verbieten. Es gäbe dann im Geschäft einfach kein Billigfleisch für zwei Euro das Kilogramm mehr!“

Die Saar-Grünen bezeichneten die Entwicklung als dramatisch und forderten ein Umdenken beim Ressourcenverbrauch. „Auch die aktuelle Hitzewelle hat gezeigt, wie dringend der Handlungsbedarf beim Klimaschutz ist. Gerade im Saarland, wo der CO2-Ausstoß fast doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt“, sagte die Landesvorsitzende Tina Schöpfer. Die Landesregierung müsse endlich ein Klimaschutzgesetz mit gesetzlich festgeschriebenen Zielen verabschieden. Doch CDU und SPD im Saarland vernachlässigten den Klimaschutz seit Jahren.

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