1. Saarland
  2. Saarbrücken

Hier muss dringend nachgebessert werden: Einsatz unter schwersten Bedingungen

Hier muss dringend nachgebessert werden : Einsatz unter schwersten Bedingungen

Übung in einem Tunnel mit rund 300 Beteiligten in Friedrichsthal. Dabei traten deutliche Mängel zutage.

Schwere Sicherheitsmängel hat nach Ansicht von Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis der Bildstocktunnel zwischen den Haltepunkten Friedrichsthal und Bildstock. Und gerade deshalb waren in einer nächtlichen Notfallübung mehr als 300 Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk (THW), Feuerwehr und Rotem Kreuz (DRK) aufgerufen, ein Zugunglück im Bildstocktunnel durchzuspielen. „Die Übung zeigte die Schwachstellen deutlich auf“, so der Bürgermeister gegen 4 Uhr am Sonntagmorgen, nachdem die Helferinnen und Helfer vier Stunden im Tunnel einen Löscheinsatz mit Personenrettung aus einem Regionalzug geübt hatten. Ein echter Zug stand im Tunnel, 19 geschulte Verletztendarsteller des DRK Quierschied forderten die Hilfskräfte heraus. Und die kämpften sichtlich. Erstens: Es hat in Strömen geregnet. Zweitens hat der Tunnel keine Zufahrt. Alles Gerät wurde zu Fuß Hunderte Meter über die Gleise geschleppt. Drittens hat der Tunnel keine Löschwasserversorgung, Hunderte Meter Schlauchleitung waren zu verlegen. „Das verlangt den Einsatzkräften das Äußerste ab“, sagte Rolf Schultheis.

Brandinspekteur Tony Bender stimmte ihm zu: „Die Bahn definiert den Bildstocktunnel nicht einmal als wirklichen Tunnel. Es gibt keine Aufstellflächen für die Feuerwehr. Es gibt keine Be- und Entlüftung. Auch eine Trockenleitung, also ein schlichtes Rohr zur Löschwassereinspeisung fehlt“, so Bender.

THW-Sprecher Christian Mertens: „Der Tunnel ist 350 Meter lang, es gibt Geländeeinschnitte auf beiden Seiten, wo man nur zu Fuß an die Tunnelöffnung herankommt. Trotzdem fahren dort 188 Züge pro Tag.“ Auch Sebastian Fontaine vom Roten Kreuz äußerte sich zu der Situation: „Die Verletzten wurden uns an den Haltepunkten übergeben. Sie mussten mühsam von den Feuerwehrleuten dorthin gebracht werden. Und selbst an den Haltepunkten können Rettungsfahrzeuge nicht zu beiden Seiten bis ans Gleis fahren. Verletzte mussten zur Straße nochmals getragen werden.“

 Bei der Menschenrettung zeigten sich erhebliche Sicherheitsmängel. Darüber waren sich alle Beteiligten einig. 
Bei der Menschenrettung zeigten sich erhebliche Sicherheitsmängel. Darüber waren sich alle Beteiligten einig.  Foto: BeckerBredel

Einhellig beschrieben die Vertreter der Hilfsorganisationen die nächtliche Übung als Schwerstarbeit. Schultheis, der seine Vorahnungen in der Übung bestätigt sieht, will nun bei der Bahn Verbesserungen anregen. Er kündigte an, eine Löschwasserversorgung und mindestens eine weitere Draisine bei der Bahn zu beantragen. Bei der Übung waren zwei Draisinen eingesetzt worden, das war die einzige Chance, überhaupt schwereres Material zügig an die Unglücksstelle zu bringen. Eine Draisine hat die Feuerwehr Friedrichsthal, sie braucht aber zwei. „Bei einem Tunneleinsatz muss man immer von beiden Seiten aus arbeiten können“, so Tony Bender. Er sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Bahn.