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Einheimische und Zugewanderte aus St. Arnual nennen Lieblingsplätze

Aktion als Zeichen der Verbundenheit : St. Arnualerinnen schwärmen von Lieblingsplätzen

Einheimische und Zugewanderte machen vom Bund gefördertes Projekt zu einem Zeichen der Verbundenheit.

Ihn kennt wohl jeder. Diesen einen Ort im eigenen Viertel, an dem man sich so wohlfühlt wie an keinem anderen. So verschieden diese Plätze sein können, sind sie zugleich ein Zeichen von Gemeinsamkeit. Um diese Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen, hat die Pädagogisch-soziale Aktionsgemeinschaft (Pädsak) das Projekt „Lieblingsorte im Quartier“ ins Leben gerufen. Die Leute von der Pädsak, die sich um die Gemeinwesenarbeit auf dem Wackenberg kümmern, stellten die „Lieblingsorte“-Broschüre unter das Motto: „Uns verbindet mehr als uns trennt.“ Zwölf Frauen erzählen von ihrem Lieblingsort und der Geschichte dahinter.

„Das Projekt ist aus einer Gruppe von Frauen heraus entstanden, die sich in den letzten Jahren bei unseren Aktivitäten und Veranstaltungen im Stadtteil kennengelernt haben“, sagt Eva Jung-Neumann von der Pädsak. Die Mitglieder der Gruppe haben ganz verschiedene Biographien. Manche Frauen wohnen bereits seit Jahrzehnten in St. Arnual, andere erst seit Kurzem.

„Als 2015 und 2016 die ersten Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan nach St. Arnual kamen, halfen wir von der Pädsak ihnen dabei, sich hier zurechtzufinden“, sagt Eva Jung-Neumann. Die Angebote reichten von Treffpunkten in den Räumen der Pädsak über Sprachkurse bis hin zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Insgesamt habe der Wackenberg gezeigt, welch große integrative Kraft er besitzt, und es habe ein großes ehrenamtliches Engagement gegeben.

Die Pädsak macht seit vielen Jahren Gemeinwesenarbeit für St. Arnual. „Das Ziel war, dass ein Miteinander aller Menschen entsteht und man nicht nebeneinander her lebt“, erzählt Jung-Neumann.

Nach den ersten Kontakten entwickelte sich eine Gruppe aus Migrantinnen und Wackenbergerinnen, die sich regelmäßig traf. Freundschaften und Netzwerke entstanden.

Bei diesen Treffen kam die Idee zur Broschüre auf und nahm Formen an. „Trotz schwieriger Bedingungen in der Corona-Pandemie ist es gelungen, das Projekt umzusetzen, und es ist schön zu sehen, dass die Freundschaften einer solchen Belastungsprobe standgehalten haben“, sagt Eva Jung-Neumann, die das Projekt mit Ricarda Remmlinger und Sandra Gohn begleitete. Geld fürs Projekt kam aus dem Programm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums.

Die Lieblingsorte der Frauen sind vielfältig. Und verblüffend. Die Syrerin Aisha Ghabash suchte sich als Lieblingsort ihren Kopf aus. Die 30-Jährige kam 2015 nach ihrer Flucht aus Syrien ins Saarland. Seit 2016 lebt sie mit ihrer Familie auf dem Wackenberg. Durch die Hilfsangebote der Pädsak kam ein erster Kontakt zustande. „Ich habe mir diesen Ort ausgesucht, da ich in meinen Gedanken oft mit meiner Mutter in Syrien spreche und sie um Rat frage. Dies gibt mir ein gutes Gefühl, und ich ziehe viel Kraft daraus“, erzählt sie. Es gebe zwar viele schöne Orte in St. Arnual, und sie fühle sich dort sehr wohl, doch ihr Kopf bleibe ihr Lieblingsort. Über diese Dinge und über die Sorgen um ihre Mutter zu sprechen, sei ihr zwar nicht leichtgefallen, doch es sei dennoch ein schönes Erlebnis gewesen, ihre Geschichte mit den anderen Frauen zu teilen.

Für ihre Wohnung als Lieblingsort hat sich die 73-jährige Uta Merkle entschieden, die sich seit 2016 in der Flüchtlingsarbeit engagiert und Deutschkurse leitet. So kannte sie bereits einige Frauen, die am Projekt Lieblingsorte teilnahmen. „Mir hat die Idee sehr gut gefallen, denn einen Lieblingsort zu haben ist auch ein Zeichen, dass man angekommen ist und sich in der neuen Umgebung wohlfühlt“, sagt sie. Uta Merkle hat als Lieblingsort ihre Wohnung gewählt, da sie sich von ihrem Balkon aus zu all ihren anderen Lieblingsorten am Meer träumen könne.

Letztlich soll die Broschüre vor allem eine Botschaft transportieren. „Wir möchten zeigen, dass wir trotz aller Verschiedenheit doch vieles gemeinsam haben“, sagt Eva Jung-Neumann, „die Lieblingsorte im Quartier sind nur ein Beispiel dafür, dass uns weit mehr verbindet als uns trennt.“