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Kolumne
Einfach mal zuhören

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Diese Woche haben wir einen wütenden Förster im Revier Scheidterberg kennen gelernt. Natürlich ist er nicht immer in Rage, wohl aber dann, wenn man ihn fragt, ob er denn viele Frechheiten einstecken muss. Frechheiten, die seine Arbeit und die der Kollegen des Saarforst Landesbetriebs in anderen Revieren betreffen. Ihnen wird von manch einem Waldbesucher  unterstellt, sie würden in einer Art Willkürakt, so aufs Geratewohl  massenhaft Bäume fällen. Weil die Profitgier dies verlange. Sie würden rücksichtslos die Wälder zerstören, wobei nicht selten auch das Wort „Kahlschlag“ fällt. Die Leute vom Forst werden manchmal, in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit, geradezu verbal überfallen und müssen sich die gröbsten Vorhaltungen gefallen lassen. Von Michèle Hartmann

Natürlich folgt die Waldbewirtschaftung auch ökonomischen Vorgaben und der heutige Mensch im dunkelgrünen Gewand entstammt auch nicht der romantischen TV-Serie „Forsthaus Falkenau“. Er muss auch nicht wie der Fernseh-Hauptdarsteller nach allen Seiten hin jovial sein und ein Gamsbarthütchen tragen. Er darf aber ohne große Rechtfertigung seinen Job machen, für den er Forstwissenschaften studiert hat. Und daher gute Gründe ins Feld führt, weshalb ein Baum fallen muss und ein anderer weiterleben darf. „Es ist eine Unverschämtheit, uns zu unterstellen, wir würden wüste Sachen machen“, sagte denn auch der Förster vom Revier Scheidterberg. Wer ihm und seinen Kollegen freundlich begegnet und sich fachlichen Argumente nicht verschließt, wird Erstaunliches erfahren. Man muss halt nur mal zuhören.