Verein kümmert sich um leerstehende Gebäude Eine zweite Chance für den Leerstand

Saarbrücken · Der Saarbrücker Verein USUS füllt ein verlassenes Gebäude in Alt-Saarbrücken mit Kultur.

 Annika Theis, Raoul Gerome Nikolai, Josephine Kretschmer und Matthias Kollmann von USUS.

Annika Theis, Raoul Gerome Nikolai, Josephine Kretschmer und Matthias Kollmann von USUS.

Foto: Thomas Lief/USUS/Thomas Lief Photographie

„An Leerständen mangelt es in Saarbrücken wirklich nicht“, sagt Matthias Kollmann. Der 38-Jährige kennt sich mit verlassenen Gebäuden aus. Sie haben es ihm gewissermaßen angetan. Mit einigen Mitstreitern hat Kollmann deshalb den Verein USUS gegründet, der sich um leerstehende Bauten kümmert. Derzeit um das verlassene Garelly-Haus in der Eisenbahnstraße gegenüber der Ludwigskirche. Das Gebäude vegetierte jahrelang vor sich hin. Wer in letzter Zeit daran vorbeigefahren oder gelaufen ist, hat sich womöglich gewundert, dass an manchen Abenden dutzende Menschen davorstehen. USUS hat das Garelly-Haus auf Vordermann gebracht und in wenigen Monaten einen Veranstaltungsort für Konzerte, Kunstausstellungen und Theateraufführungen daraus gemacht. Außerdem haben Künstler einige Räume als Atelier gemietet.

Das Gebäude in der Eisenbahnstraße soll aber nicht ausschließlich für Kunst und Musik genutzt werden. „Wir wollen das Garelly-Haus als Vereins- und Kulturtreff Luisenviertel institutionalisieren“, sagt Kollmann. Vereine und Verbände aus Alt-Saarbrücken sollen sich hier treffen und Sitzungen abhalten können. Aber auch Vereine, die nicht aus Alt-Saarbrücken sind, seien willkommen.

Es gehe nicht nur um Kultur. Es gehe vor allem darum, den Stadtteil lebendiger zu machen. „Alt-Saarbrücken liegt brach. Wir wollen helfen, das Umfeld zu aktivieren“, sagt der 38-Jährige. Für ihr ehrenamtliches Engagement bekamen die USUS-Mitglieder in diesem Jahr bereits den Förderpreis „Saarland zum Selbermachen“ von Minsterpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer überreicht. Nun sind sie auch für den bundesweiten Deutschen Engagement-Preis nominiert.

Die Idee, einen Leerstand zu einem Veranstaltungsort umzufunktionieren, entstand spontan. Ein Freund aus Hamburg hatte Kollmann vor zwei Jahren gefragt, wo er in Saarbrücken ein Wohnzimmer-Konzert spielen könnte. Kollmann machte sich auf die Suche nach einem passenden Veranstaltungsort. Aber ihm fiel nichts passendes ein. So kam er auf die Idee, sich ungenutzte Gebäude anzusehen. Zunächst kümmerte er sich um eine andere Immobilie in der Eisenbahnstraße, seit Januar ist USUS im Garelly-Haus heimisch. „Mein Freund aus Hamburg, der das Ganze ins Rollen brachte, war allerdings immer noch nicht in Saarbrücken“, sagt Kollmann.

Der Eigentümer des Garelly-Hauses, Ralf Konrad, überlässt USUS die Immobilie als Leihgabe. „Alle Seiten profitieren davon“, sagt Kollmann. „Wir übernehmen die Nebenkosten und halten das Gebäude instand. Dafür können wir hier Raum für Kunst und Kultur schaffen.“ Das Gebäude bietet drei Etagen mit jeweils etwa 400 Quadratmetern Fläche. Bands können die Räume für Konzerte mieten, auch das Staatstheater führte ein Stück in der Eisenbahnstraße auf. Auch in den kommenden Monaten gibt’s mehrere Veranstaltungen unter anderem im Rahmen des Festivals „Colors of Pop“. Am 5. November veranstaltet USUS einen Tag der offenen Tür.

Das Garelly-Haus sei allerdings nur ein Pilotprojekt. „Wir haben vor, uns um weitere Leerstände in Saarbrücken und Umgebung zu kümmern“, sagt Kollmann. Immobilien-Besitzer könnten sich auch gerne melden.

 Die Etagen des Garally-Hauses können nun als Bühne und Ausstellungsraum genutzt werden.

Die Etagen des Garally-Hauses können nun als Bühne und Ausstellungsraum genutzt werden.

Foto: Thomas Lief/USUS/Thomas Lief Photographie
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort