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Eine vermeintliche Bordelleröffnung alarmiert Bewohner

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit mit Bürgermeisterin : Skandal in Klarenthal um falsches Bordell

Die Fassade einer angeblichen Table-Dance-Bar war eigentlich nur eine Filmkulisse. Trotzdem kochen nun die Gemüter hoch.

Eigentlich war alles nur ein Missverständnis. Zwar eines, mit dem sich sogar die Polizei beschäftigen musste. Aber selbst die reagierte eher amüsiert, nachdem sich die Sache aufklären ließ.

Zwei Wochen später lacht allerdings niemand mehr. Erst recht nicht Manuel Angel, dem man seine Wut am Telefon deutlich anmerkt. Von „Lügen“ spricht er, von „Hinterfotzigkeit“. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde an Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) verfasse er gerade, auch das Wort „Schadenersatzklage“ fällt. „Eigentlich müsste sie als Bezirksbürgermeisterin zurücktreten“, fordert er gar.

„Sie“ – das ist Isolde Ries, SPD-Bezirksbürgermeisterin von Klarenthal und erste Vizepräsidentin des saarländischen Landtags, dem sie seit 30 Jahren angehört. Die wiederum weist alle Vorwürfe von sich, spricht lediglich von einem Irrtum. Manuel Angel, so teilt sie auf Nachfrage mit, solle „die Kirche im Dorf lassen“.

Anwohner irritiert

Ursprünglicher Stein des Anstoßes waren die Fenster von Angels Elektroinstallationsbetrieb in Klarenthal. Die zierten vergangenen Monat plötzlich Folien-Aufkleber, die man sonst nur aus Rotlicht-Vierteln kennt. Rote Silhouetten von Frauen in eindeutigen Posen, dazu die Worte „Table Dance“, „Strip Show“ und „Eros Center“. Die Anwohner waren irritiert: Plant hier jemand, ein Bordell zu eröffnen? Die Polizei rückte nach Hinweisen von Bürgern aus, aber Angel konnte schnell Entwarnung geben: Es handle sich lediglich um eine Filmkulisse.

Szenen des Films „Zeit der Monster“ spielen in einem französischen Bordell. Gedreht wurden sie in Manuel Angels Elektroladen. Foto: Manuel Angel

Angel ist selbst Chef der Produktionsfirmen „Angel Studio“ und  „Saarwood Productions“ und hatte für den Film „Zeit der Monster“ seinen Laden als Drehort zur Verfügung gestellt. In der Tat wurden dort eine Woche lang Szenen gedreht, die in einem Bordell spielen sollen, die Schaufenster passend dazu dekoriert. Falscher Alarm also – die Polizei nahm es mit Humor.

Damit hätte die Angelegenheit eigentlich erledigt sein können. Zwischenzeitlich hatte sich allerdings eine besorgte Anwohnerin an Bezirksbürgermeisterin Ries gewandt. „Es ist ja ganz normal, dass die Leute da in Aufruhr sind“, betont sie im Gespräch mit der SZ. Ries versuchte, der Sache auf den Grund zu gehen – eine mühsame Aufgabe, da Angel die Aktion nirgendwo angemeldet hatte. Als schließlich klar war, dass keine Bordelleröffnung geplant ist, gab sie dies im Gersweiler Anzeiger bekannt.

„Eine unverschämte Verleumdungskampagne“

Diese knappe Meldung ist nun der Grund für Manuel Angels Wut. „Durch die rechtzeitige Information einer aufmerksamen Nachbarin konnte die geplante Eröffnung einer Table Dance Bar in der Klarenthaler Hauptstraße verhindert werden“, heißt es dort. Und weiter: „Die Schaufenster waren schon beklebt, der Ort schon in den sozialen Medien beworben, aber weder Gewerbeamt, Ordnungsamt noch das Bauamt der Stadt Saarbrücken hatten von diesem Vorhaben Kenntnis.“ Bebildert ist die Meldung mit einem Foto der beklebten Ladenfassade.

Eine „unverschämte Verleumdungskampagne“ nennt Manuel Angel diese Sätze vergangenen Samstag in einem wütenden Beitrag auf der Facebook-Seite seiner Firma Angels Studio. „Dies ist wieder mal einer der jüngsten Beweise, dass man von Politiker und von den Medien nur verarscht wird“, schreibt er außerdem.

Auch zwei Tage später fühlt er sich in einem Telefonat mit der SZ weiterhin „total ins schlechte Licht gerückt“. Besonders sauer stößt ihm auf, dass der Artikel den Eindruck erwecke, als habe Isolde Ries tatsächlich die Eröffnung eines echten Bordells verhindert. „Was hat sie denn erreicht? Gar nichts hat sie gemacht!“

Verhärtete Fronten

Ries räumt auf Nachfrage unserer Zeitung Fehler ein. Sie habe am Anfang tatsächlich geglaubt, dass ein Rotlicht-Etablissement in Klarenthal geplant sei. „Eine Bezirksbürgermeisterin kann auch mal irren.“ Angels Reaktion auf Facebook sei allerdings „unterirdisch“ und „unverhältnismäßig“. In den Kommentaren wirft Angel ihr „dilettantisches und inkompetentes Verhalten“ vor, sie sei „eine Blamage für das Saarland“. Angesprochen auf Angels Ankündigung einer möglichen Schadenersatzklage reagiert sie ungläubig. „Was hat er denn für einen Schaden erlitten?“

Ries kündigt in der nächsten Ausgabe des Gersweiler Anzeigers eine Klarstellung an. Dennoch sei es Angels Aufgabe gewesen, die Anwohner zu informieren. Der wiederum weist diesen Vorwurf von sich: Er habe nicht damit gerechnet, dass die Folien überhaupt jemand bemerkt und da die Dreharbeiten in seinem Laden stattfanden, habe er auch nichts anmelden müssen.

Achim Schneider war als stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Burbach dafür verantwortlich, den Hinweisen auf das vermeintliche Bordell nachzugehen. Im Angesicht der verhärteten Fronten wirkt er auf SZ-Nachfrage ein wenig hilflos. „Herr Angel hat sich wahrscheinlich keine Gedanken gemacht, was er für Aufregung erzeugt. Aber es hat ihn auch keiner gefragt.“ Strafbar habe er sich nicht gemacht.

Den Artikel im Gersweiler Anzeiger findet Schneider zudem „nicht ganz nachvollziehbar“. Die Sache sei doch „im Prinzip eher ein Kalauer“. Aber auch er lacht nicht mehr, als er das sagt.