In die Pedale treten und Gutes tun Eine Tour für die Freundschaft

Saarbrücken · Saarbrücken – Nizza: Radler sammelten Geld für Anschlagsopfer. 10♦000-Euro-Spende übergeben.

Nach 1200 Kilometern kamen die sieben Radler in Nizza an. Auf der letzten Etappe radelte auch der 13-jährige Philipp (Vierter von rechts) mit.

Nach 1200 Kilometern kamen die sieben Radler in Nizza an. Auf der letzten Etappe radelte auch der 13-jährige Philipp (Vierter von rechts) mit.

Foto: Hollstein/Privat/Hollstein

Es war ein warmer Sommerabend wie in diesen Tagen, der Saarbrücker Volker Zimmermann und sein Freund Frank Hollstein saßen auf einer Terrasse am St. Johanner Markt und bereiteten ihre nächste Fahrradtour vor. „Seit Jahren machen wir zusammen Sport – unter anderem anspruchsvolle Radtouren über mehrere Tage. 2016 wollten wir nach Frankreich“, sagt Hollstein, der in Nierstein (Rheinland-Pfalz) lebt, aber seinen zweiten Wohnsitz im Nauwieser Viertel hat. Drei Wochen nach dem gemütlichen Abend am Markt und vor dem Start ihrer Tour saßen beide geschockt vorm Fernseher. In Nizza war gerade ein Mann mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast. Sofort hatten die beiden die Idee, die Route ihrer Tour zu ändern und diese mit einer Spendenaktion zu verknüpfen. „Wir haben in unserem Freundeskreis davon erzählt, und schnell fanden sich Unterstützer.“ Fünf von ihnen entschieden sich, die etwa 1200 Kilometer von Saarbrücken nach Nizza mitzuradeln, andere folgten mit Begleitfahrzeugen, um Gepäck, Ausrüstung und Verpflegung zu transportieren. „Das hatte schon ein bisschen Tour-de-France-Charakter“, scherzt Hollstein. Doch auch außerhalb des Teams war die Beteiligung groß. Gespendet wurde zum Beispiel pro gefahrenem Kilometer. 3000 Euro kamen dadurch zusammen. „Wenn die Spenden für einen guten Zweck in Deutschland bestimmt sind, kann man sie über ein Internetportal sammeln und direkt dem Empfänger zuweisen. Spendengeld ins Ausland zu bringen, ist aber eine andere Geschichte“, berichten die Organisatoren. Denn im Gegensatz zu gemeinnützigen Spendenportalen können Einzelpersonen keine Spendenquittungen ausstellen. Also suchten Zimmermann und Hollstein einen Partner. Schließlich übernahm der Rotary Club Rhein-Selz die Verwaltung der Spenden und legte sogar 2000 Euro dazu. „Rotarier sind auch über die Landesgrenzen gut vernetzt, und so nahmen die Deutschen Kontakt zu ihren französischen Kollegen in Nizza auf, um herauszufinden, wo unser Geld den Opfern des Anschlags am besten helfen würde“, erzählt Hollstein. „Die Franzosen waren von diesem Zeichen der Solidarität beeindruckt und sehr gerührt. Und so beschloss der Rotary Club aus Nizza, die Summe zu verdoppeln, so dass wir insgesamt 10♦000 Euro an die psychologische Notfallambulanz für Kinder spenden konnten“, führt er weiter aus. Diese Einrichtung war unmittelbar nach dem Anschlag gegründet worden, um junge Opfer mit posttraumatischen Störungen zu behandeln. Mehr als 1000 Kinder besuchten sie in der Folge des Attentats. Zimmermann und Hollstein sind selber Väter, umso wichtiger war es ihnen, dass das erradelte Geld Kindern zugute kommt. Auf der letzten Etappe nach Nizza radelte auch Hollsteins 13-jähriger Sohn Philipp mit. „Die Fahrt war schon anstrengend, ich war noch nie so lange mit dem Rad unterwegs, aber wir hatten unser Ziel fest im Kopf“, berichtet Hollstein. Zehn Tage haben sie von Saarbrücken nach Nizza gebraucht. Neben den Muskelkatern nach den Tagen in den Bergen erinnert er sich vor allem an die Ankunft. „So kurz nach dem Anschlag waren die Menschen noch ziemlich nervös. Wir wurden von der Polizei eskortiert und fuhren über die Promenade des Anglais, wo wir von der stellvertretenden Bürgermeisterin und vielen Einwohnern Nizzas empfangen wurden“, erinnert sich Frank Hollstein.

Vor kurzem wurde die Spende an die Notfallambulanz übergeben. Damit werden unter anderem „Spielekoffer“ gekauft. Durch repetitive und detraumatisierende Spiele können Kinder bei Psychotraumata auftretende Symptome überwinden. Bald treffen sich Frank Hollstein und Volker Zimmermann wieder. Die beiden wollen dann am St. Johanner Markt essen gehen – und dabei die nächste Benefiztour planen.