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Eine Schnecke kreuzt deinen Weg

Kolumne : Das Haus in Scherben

Wenn es unter dem Schuh knackt, weiß man gleich, was Sache ist.

Es war schon so finster draußen, dass die Welt fünf Meter ums Haus herum zu enden schien. Aber im Regen lag noch was, das dringend rein musste. Also habe ich nach einer kleinen Taschenlampe gegriffen und bin raus.

Auf dem Weg hinzu gab es keine Probleme. Aber zurück. Ein paar Schritte über Steinplatten, und dann dieses Geräusch, dieses Kracken unter der Schuhsohle. Da war eigentlich schon klar, was passiert war: Ich hatte eine Schnecke zertreten. Es war keine Weinbergschnecke, sondern eine kleinere, mit einer lieblichen Maserung auf ihrem Häuschen, dass nun leider in winzigen Scherben auf ihrem Rücken hing. Nun sind Schnecken nicht besonders schnell, aber es war deutlich zu spüren, dass die Welt jetzt vollends zum Erliegen gekommen war. Was tat mir das so leid. Nicht auszudenken, könnten Schnecken so rekapitulieren wie wir Menschen: „Da geht den ganzen Tag niemand da lang, und ausgerechnet wenn ich quere, kommt dieser Idiot und tritt mir mein Haus kaputt.“ Oh nein!

Direkt unter dem Haus der Schnecke liegen ihre Organe. Wenn die nicht verletzt sind, kann man das Tier angeblich retten. Dazu braucht man aber ein Terrarium, das man feucht und warm halten muss. Als Untergrund nimmt man Rasenkalk und setzt die Schnecke drauf. So nimmt sie über ihren Fuß Kalzium auf und kann daraus ihr Häuschen reparieren, was weniger Zeit in Anspruch nimmt, als man vielleicht denkt.

So beschreiben es zumindest manche Schneckenliebhaber im Internet und zeigen stolz Fotos und gar Videos von ihren Schützlingen. Ich musste meine Schnecke, weil ich keine Möglichkeit sah, ihr auf diese Weise zu helfen, leider sich selbst überlassen und habe nur meine Schuldgefühle mit in mein Haus getragen.

Schnecken können es auch von allein schaffen, wenn ihnen diese Katastrophe passiert ist. Aber ich hatte mit dem Tritt wohl mehr zerstört. Am nächsten Tag lag sie immer noch da.