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| 20:40 Uhr

Kryptowährung in Saarbrücker Laden
Eine Handy-Reparatur für 0,014 Bitcoin

Yàn Thomé betreibt das erste stationäre Geschäft in Saarbrücken, das neben Euro auch die Digitalwährung Bitcoin akzeptiert.
Yàn Thomé betreibt das erste stationäre Geschäft in Saarbrücken, das neben Euro auch die Digitalwährung Bitcoin akzeptiert. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. In Saarbrücken gibt es den ersten Laden im Saarland, in dem Kunden mit einer Digitalwährung zahlen können. Von Alexander Stallmann

An den Wänden hängen Smartphones, Guthabenkarten und Handy-Hüllen. Im Schaufenster preist Yàn Thomé neue Laptop-Modelle an. In seinem Laden in der St. Johanner Straße dreht sich alles um Computer, Handys, IT und Telekommunikation. Auf den ersten Blick unterscheidet er sich nicht von anderen Computer-Läden in Saarbrücken. Doch ein besonderes Angebot macht das Geschäft von Yan Thomé im Saarland einzigartig. Denn es ist der erste und einzige stationäre Laden hierzulande, in dem Kunden mit der Digitalwährung Bitcoin zahlen können. Jener Währung, die seit Monaten in aller Munde ist. „Wer Bitcoins besitzt, kann mit Hilfe einer App ganz einfach bei uns einkaufen. Das funktioniert ähnlich wie beim Online-Banking“, sagt der Unternehmer.

„Ganz offen gesagt habe ich das Angebot in erster Linie aus Marketing-Gründen eingerichtet. Ich wollte etwas Besonderes machen, und die Möglichkeit, mit Bitcoin zu zahlen, passt einfach gut zu einem IT-Laden“, erklärt Thomé. Deshalb habe er sich informiert und herausgefunden, dass es im Saarland noch kein Geschäft gab, das Bitcoin akzeptierte.

Im November eröffnete Thomé sein IT-Geschäft. Bislang gab es allerdings erst einen einzigen Kunden, der seine Rechnung in Bitcoin beglichen hat. Ein junger Mann ließ sein Handy reparieren. „Er hat 0,014 Bitcoin für die Reparatur gezahlt, zum damaligen Kurs entsprach das 150 Euro“, sagt Thomé. Der Kunde habe sich aufgrund des Bitcoin-Angebots für den Laden entschieden. „Er fand es einfach gut, dass es die Möglichkeit gibt“, sagt Thomé.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen erklärt, dass Leute, die Bitcoin kaufen, keinen Rechtsanspruch darauf haben, dass jemand anderes die Währung akzeptiert. Daher müsse sich jeder, der sie als Kapitalanlage nutzt, über das Risiko eines Totalverlustes im Klaren sein. Thomé ist jedoch überzeugt, dass Digitalwährungen sich etablieren werden. „Kryptowährungen sind auf dem Vormarsch. Ich vermute, dass eine große Handelskette demnächst die Möglichkeit bieten wird, in Bitcoin zu zahlen.“ In einigen Jahren werde es wohl normal sein, dass Kunden ihre Rechnungen auch in Digitalwährungen begleichen können. In Ballungszentren wie Berlin oder Frankfurt gibt es bereits mehrere Anbieter, unter anderem auch Cafés, die Bitcoin akzeptieren.

In den vergangenen Monaten hat Bitcoin immer wieder mit starken Kursschwankungen Schlagzeilen gemacht. Verbraucherschützer warnen auch deshalb davor, in die Kryptowährung zu investieren. Dieses Risiko bestreitet auch Thomé nicht. „Es ist eben wie eine Spekulation an der Börse. Wer viel Geld in Bitcoin investiert, geht ein hohes Risiko ein.“ Wer allerdings bereits Bitcoin besitze und sich etwas davon kaufen wolle, profitiere von seinem Angebot. Denn er muss Bitcoin vorher nicht in Euro wechseln und spare so die Transaktionskosten.

Die Digitalwährung Bitcoin basiert auf einem besonderen Verschlüsselungsprinzip. Im Gegensatz zu staatlichen Währungen wird sie nicht von einer zentrale Stelle wie der Europäischen Zentralbank, sondern in einem Datennetzwerk verwaltet. Jeder, der Bitcoin nutzen möchte, muss Teil dieses Netzwerkes werden. Dafür muss man ein spezielles Programm, den Bitcoin-Client, installieren. Der Bitcoin-Kurs richtet sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Die Transaktionen von Bitcoin erfordern mittlerweile sehr viel Zeit und Strom. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Digiconomist werden aktuell für Bitcoin weltweit 32 Terawattstunden Strom pro Jahr verbraucht. Zum Vergleich: Das kürzlich geschlossene saarländische Kohlekraftwerk Ensdorf speiste in seinen Hochzeiten laut Betreiber rund zwei Terawattstunden pro Jahr ins Stromnetz ein.