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Premiere
Eine Geschichte von der Suche nach dem Glück in der Fremde

Szene aus der  „Fragile!“-Inszenierung von „acting and arts“ mit  Christian Heß, René Petrevski und  Andrea Kern.  
Szene aus der „Fragile!“-Inszenierung von „acting and arts“ mit Christian Heß, René Petrevski und  Andrea Kern.   FOTO: Petra Lamy
Saarbrücken. Die Projektklasse der Schauspielschule „acting and arts“ präsentierte das Drama „Fragile!“ von Tena Stivicic in der Inszenierung von Sebaa. Von Isabell Nina Schirra

London, Ende der achtziger Jahre. Eine Welt zwischen Hoffnung und Träumen, die wie Seifenblasen zerplatzen. Es ist eine Geschichte von der Suche nach dem Glück in der Fremde. Dieses Glück sieht allerdings für jeden anders aus. Kroatin Mila kam nach London um Musicalstar zu werden – jetzt ist sie Sängerin in Michis zweifelhaftem Nachtclub. Serbe Marko kam, um Komödiant zu werden – nun kellnert er. Die Neuseeländerin Gayle verschlug es nach London, weil sie Künstlerin werden will – doch im Moment arbeitet sie in einem Flüchtlingsheim. Tiasha wurde als Opfer des Menschenhandels quer durch Europa geschleppt. Nach London kam sie, um jemanden zu finden, der ihr vor langer Zeit ewige Liebe geschworen hat – Erik. Als Kriegsberichterstatter erfuhr er Tiashas Leid im Kosovo hautnah, zurück in London lebt er das Leben eines zynischen Genussmenschen. All diese Wege kreuzen sich in Michis dubiosem Nacht-Etablissement. Und der bringt die ganze Angelegenheit ziemlich gut auf den Punkt. „22 Stufen unter der Erde ist kein Platz für Traumtanzen“!


Es ist ein hochaktuelles Stück, an das sich die Oja! Projektklasse der Schauspielschule „acting and arts“ da in diesem Jahr  herangetraut hat. Für die Regie konnte man die aus dem Schwarzwald stammende Autorin und Regisseurin Eveline Sebaa gewinnen – ihre erste Inszenierung für „acting and arts“. Im November wird ihre nächste Produktion mit Saarbrücker Künstlern in der Kettenfabrik in St. Arnual zu sehen sein.

Sieben Studenten spielen in „Fragile!“, für drei von ihnen ist es gleichzeitig die Abschlussarbeit des Oja! Schauspielorientierungsjahrgangs 2017/18. „Ich bitte zu bedenken, dass es für fast alle Schauspieler, die erste Produktion ist“, kündigt Schulleiterin Petra Lamy in ihrem kurzen Vorwort zur Vorstellung an. Wüsste man das allerdings nicht, würde man es auch nicht merken. Mit London als multikulturellem Melting-Pot, ist „Fragile!“ ein Stück voller Stereotype und Vorurteile. Souverän fügen sich die jungen Schauspieler in ihre jeweiligen, oft schwierigen, Einzelschicksale, imitieren auch die typischen Balkan-Akzente durchweg überzeugend. Auf Versprecher wartet man hier vergebens. Besonders bei Rosario Spinello, in der Rolle des Michi, fragt man sich, ob man es hier tatsächlich mit einem Schauspieler, oder nicht doch mit einem zwielichtigen Nachtclub-Betreiber zu tun hat. Und auch Christian Hess kauft man seine Rolle als „abgefuckter Kokskopf“ Erik ohne weitere Zweifel ab. Ganz nebenbei stellen die jungen Schauspieler auch noch musikalisches Talent unter Beweis: Rosario Spinello begeistert mit einem Saxophon-Solo und Valentina Angelova könnte auch im echten Leben in Musicals singen. Eine durchweg gelungene Premiere!



Zu sehen am 5. Mai ab 19.30 Uhr und am 6.Mai um 17.30 Uhr. Karten zu 12 und 10 Euro gibt es in der Dudweiler Landstraße 7. Infos: Tel. (0681) 7097730.