Einblicke in die frühe Geschichte der ersten Saarländer

Wo wir herkommen : Die Geschichte der „ersten Saarländer“

Schon vor 125 000 Jahren durchstreiften Steinzeit-Menschen das Saarland. Von denen stammen wir allerdings nicht ab. Dennoch ist die Liste unserer Vorfahren lang.

Am 26. Mai wird das Europäische Parlament gewählt, das etwa 500 Millionen EU-Bürger repräsentiert. Aber ganz egal, wo in Europa wir zur Wahl gehen, verwandt dürften wir alle miteinander sein. Denn wenn man nur weit genug in der Geschichte zurückgeht, dann gibt es irgendwo unter unseren Vorfahren Querverbindungen. Doch wo kommen eigentlich wir Saarländer her? Wer lässt sich als unsere Vorfahren identifizieren?

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken ist ein guter Ort, um mehr über die „ersten Saarländer“ zu erfahren. „Das hier ist einer der ältesten bekannten Funde aus der Region – etwa vor 125 000 Jahren hergestellt“, sagt Museumsleiter und Archäologe Thomas Martin vor einem Schaukasten. Darin liegt ein stattlicher Faustkeil aus Feuerstein, gefunden im Völklinger Stadtteil Ludweiler.

War der unbekannte Hersteller schon einer unserer Vorfahren? Nein, vermutlich nicht. Zwar gibt es immer wieder neue Erkenntnisse. Aber derzeit tendiert die Forschung dazu, dass wir Europäer und auch die Asiaten eher nicht von den ganz frühen Einwanderungswellen aus Afrika abstammen (früheste Knochenfunde dieser Hominiden, die man in Georgien fand, lassen sich rund 1,8 Millionen Jahre zurückdatieren), sondern dass die Homo-sapiens-Gruppen, deren Nachfahren wir sind, erst etwa 45 000 Jahre vor unserer Zeit nach Europa kamen.

Von den ersten Sesshaften in unserer Region – begünstigt durch einen Klimawandel und die Ausbreitung von Wald vor 10 000 Jahren – wissen wir nicht sonderlich viel. Sicher ist, dass diese „Saarländer“ der Jungsteinzeit vor etwa 7000 Jahren Ackerbau betrieben und vor rund 4000 Jahren Bronze bearbeiten konnten – und dass sie bereits Kontakte zu weit entfernten Gruppen gehabt haben dürften: „Man nennt sie heute Linearbandkeramiker – entsprechend der in ihrem Verbreitungsgebiet gefundenen Gefäße“, sagt der Museumsleiter. Ihren Ausgangspunkt hatte diese Kultur um 5700 v. Chr. am Neusiedler See etwa 70 Kilometer von Wien im österreichisch-ungarischen Grenzraum. Rund 700 Jahre später entstanden die Bandkeramiken, die man im Saarland gefunden hat und die auch im Museum zu sehen sind.

Noch konkreter wird es dann mit der sogenannten Hallstattkultur (etwa 850 bis 450 v. Chr.), die auch im Saarland Grabhügel hinterlassen hat. Relikte dieser frühen Eisenzeit-Menschen lassen darauf schließen, dass es schon damals Austausch in weite Teile Europas gegeben hat. „Erst im vorigen Jahr hat es da, bei den Arbeiten an der Grumbachtalbrücke, einen sehr interessanten Fund gegeben“, berichtet Martin. In einem Grabhügel wurden zwei auf den ersten Blick recht unscheinbare Armreife aus Ölschiefer mit winzigen Zinn-Intarsien entdeckt. Das Besondere daran: Hergestellt wurden diese Armreife in etwa 500 Kilometer Entfernung im französischen Zentralmassiv – dank naturwissenschaftlicher Materialanalysen wurde der Herstellungsort identifiziert, an dem sich auch entsprechende Fabrikations-Abfälle fanden. Wie die Armreife in unsere Region kamen? „Da gibt es mehrere Möglichkeiten“, sagt Thomas Martin, „Handel oder eine Hochzeit oder Raub. Vielleicht war es auch eine Art diplomatisches Geschenk oder ganz einfach ein Reisemitbringsel.“

Und dann taucht in unserer Region das Volk auf, das wir alle aus Asterix kennen: die Kelten. „Obwohl das eigentlich so nicht wirklich stimmt. Griechen und Römer haben – in Abwandlungen – den Sammelbegriff geprägt. Die Menschen selbst haben sich damals nicht als ,die Kelten‘, sondern als Angehörige des jeweiligen Stammes gesehen.“ Und plötzlich „aufgetaucht“ sind sie auch nicht, sondern eher aus den Menschen der Hallstattkultur hervorgegangen und nicht etwa mit Feuer und Schwert eingefallen.

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