Einschulung: Ein Schulgottesdienst, der Brücken baute

Einschulung : Ein Schulgottesdienst, der Brücken baute

Ob Christen oder Muslime: Familien feierten in Malstatt gemeinsam die Einschulung. Aber der Weg dahin war lang.

Der erste Tag, die ersten Schritte in die Klassenzimmer: 1500 Jungen und Mädchen haben gestern in Saarbrücken ihre Einschulung gefeiert. An 29 Grundschulstandorten blickten Lernanfänger in die Kameralinsen. Von den Eltern stammten die schönen Schultüten.

Von der Stadt und von Sponsoren gab es weitere Geschenke: Zum Beispiel einen Rucksack aus recyceltem Kunststoff mit Brotdose, einen Trinkbecher und eine Karte des Entsorgungsbetriebs ZKE. Sie zeigt den Neuen leicht verständlich, wie sich ein Pausenbrot ohne überflüssige Verpackung verstauen lässt. In der Brotdose steckten je ein Gutschein für die städtischen Schwimmbäder sowie für den Zoo, ein Spargeschenk-Gutschein der Sparkasse sowie eine Postkarte zur städtischen Schulweg-Sicherheitskampagne. Damit die Kinder auch bei Dunkelheit gut sichtbar sind, tragen die Rucksäcke Leuchtstreifen.

Doch es gab gestern nicht nur praktische Starthelfer ins Schülerleben. Die Jungen und Mädchen machten am ersten Tag Erfahrungen, die sie vielleicht weit über ihre Schulzeit hinaus begleiten.

Ein Beispiel: die Einschulungsfeier für die Grundschulen Kirchberg und Wallenbaum in der katholischen Pfarrkirche St. Josef in Malstatt. Statt eines klassischen ökumenischen Einschulungsgottesdienstes wie in Deutschland üblich gab es dort eine Feier für Kinder aus allen großen Religionen.

Denn an der Grundschule Kirchberg lernen Schüler aus rund 50 Nationen. Mittlerweile ist der Anteil muslimischer Kinder und von Kindern ohne Religionszugehörigkeit größer als der Anteil der jungen Christen.

Leicht gefallen sei die Entscheidung für diese besondere Einschulungsfeier trotzdem nicht, war von Lehrern am Rande der Veranstaltung zu erfahren. Demnach gab es die Idee zu so einer Feier schon seit Jahren ebenso wie solche Stimmen dagegen: „Ein Imam in einer christlichen Kirche? Unmöglich.“ Die Grundschulen haben die Feier für Kinder aus allen großen Religionen aber eben doch möglich gemacht. Und zwar nach den durchweg positiven Erfahrungen an der Grundschule Kirchberg mit dem Religionen übergreifenden Lichterfest in den Weihnachtszeiten der vergangenen beiden Jahre.

Organisiert haben die Einschulungsfeier schließlich Marion Bexten, die katholische Gemeindereferentin von St. Josef, Pfarrer Reiner Morsch, Ali Gökgöz, Imam der Ditib-Moschee, und die Theologin Elmas Dedet. „Ich find’ das schön: Zwei Theologen und zwei Theologinnen, die den Gottesdienst gemeinsam gestalten“, sagte Reiner Morsch. Inhaltlich drehte sich alles um die bevorstehende Schulzeit und um die Gemeinschaft.

Neben Gebeten des Christentums wurde aus dem Koran zitiert. Und die Bitten an Gott waren die gleichen, gipfelnd in dem Wunsch: Friede im Hier und Jetzt  sowie im Jenseits. „Hier in der Kirche sind Menschen verschiedenen Glaubens, doch was uns gemeinsam ist, ist der Glaube an einen Gott. Friede sei mit euch allen, Salam alaikum, Shabbat shalom“, sagte Pfarrer Morsch.

Auch in der Bildergeschichte und den Liedern der Feier drehte sich alles um Gemeinschaft und Gleichheit – nicht um die Unterschiede. „Auch wenn man ganz verschieden ist, kann man zusammen spielen“, hieß es. Als Glücksbringer für ihre Schulzeit erhielten die Kinder ein Papierboot. Warum, war klar: Weil sie alle im selben Boot sitzen.

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