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Der Herr des Lichts: Werner Bauer
Ein Künstler-Leben voller Licht

Die  Vielfältigkeit des Lichts fasziniert Werner Bauer schon sein ganzes Künstlerleben lang. Bis heute steht der 83-Jährige täglich im Atelier.
Die  Vielfältigkeit des Lichts fasziniert Werner Bauer schon sein ganzes Künstlerleben lang. Bis heute steht der 83-Jährige täglich im Atelier. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Er gehört zu den bekannten Künstlern im Land. Viele Arbeiten von Werner Bauer finden sich auch im öffentlichen Raum. Wir haben ihn im Atelier besucht.

Wer das Haus von Werner Bauer in Alt-Saarbrücken betritt, steht fast unmittelbar in seinem Atelier. Und dort arbeitet der preisgekrönte, saarländische Künstler im Alter von 83 Jahren auch heute noch an seinen Objekten, deren Motiv das Licht ist. „Ich probiere immer noch gerne aus“, erklärt er und zeigt dabei eines seiner Werke, das aus Streifen einer gefalteten, fast transparenten Folie besteht, die das Licht ganz unterschiedlich bricht.


Werner Bauers Objekte sind außergewöhnlich, die Lichtbrechungen, die Variationen von optischen Veränderungen und das Immaterielle beeindrucken. Und sie sind veränderlich, je nachdem, wie das Licht auf die Objekte fällt.

Da wundert es auch nicht, dass diese Arbeiten schon häufig ausgezeichnet wurden, so im Jahr 2000 mit dem Sparda-Bank-Preis, im Jahr 2007 mit dem Albert-Weisgerber-Preis der Stadt St. Ingbert und im Jahr 2014 mit dem Kunstpreis des Saarlandes.



„In meinem Elternhaus in Völklingen gab es keine Kunst“, beginnt Werner Bauer von seinem Leben zu erzählen. So erlernte er, der immer gerne gemalt hat, den Beruf des Grundschullehrers. Die Kunst war erstmal nur Hobby.

Bis zum Sommer 1958, da änderte sich alles. Werner Bauer nahm an der Sommerakademie Salzburg an einem Kurs des berühmten Malers Oskar Kokoschka teil. Aber es war nicht nur die Kunst, die sein Leben auf den Kopf stellte, es war auch die Bekanntschaft mit der Schweizer Künstlerin Lisbeth Wysshaar. „Es ging ganz schnell, wir haben uns nach zwei oder drei Tagen verlobt“, erzählt Werner Bauer und lächelt. Seine Frau Lisbeth sitzt neben ihm und lacht zustimmend.

Aber es war nicht nur die Liebe seiner Frau, mit der er seit 58 Jahren verheiratet ist, die sein Leben veränderte, es war das Malen, die Kunst, der Künstler Oskar Kokoschka. „Ich habe mich dort zum ersten Mal im Leben frei gefühlt. Und meine Arbeiten wurden anerkannt. Oskar Kokoschka gab demjenigen, der das beste Blatt gemalt hatte, immer ein Bonbon. Und ich bekam viele“, erzählt er verschmitzt.

Die Einflüsse des Kurses, von Oskar Kokoschka, aber auch seiner Frau Lisbeth führten dazu, dass Werner Bauer sich nun auch der Kunsterzieherprüfung unterzog und Kunstlehrer wurde. Von 1964 bis 1993 war er in Dillingen, aber hauptsächlich in Lebach Kunstlehrer. Und er widmete seine freie Zeit ganz seiner Kunst, wurde dabei immer von seiner Frau und seinen beiden Kindern unterstützt.

Das war anfangs gar nicht so einfach, denn Werner Bauer hatte nie studiert und orientierte sich daher eher außerhalb des Saarlandes. Seine ersten Arbeiten waren gegenständlich, sogar figurativ, aber mit der Zeit wurden seine Werke immer abstrakter, skulpturaler. „Erst mit den Jahren und ganz langsam bin ich dahin gekommen“, sagt er dazu.

Die ersten Objekte aus Holz fertigte er in den frühen 1970er Jahren an. Und schon damals hatte er eine Vorliebe für das Quadrat, die bis heute andauert. „Die Form hat mir gefallen. Sie hat vier gleiche Seiten, damit kann man viel machen“, erklärt er. Und er betont, dass er immer experimentiert hat, immer Neues in der Kunst entdecken wollte.

So arbeitete er mit Plexiglas, fing an, den Raum mit Lichtquellen und Formen zu modellieren, ließ sich von optischen Verzerrungen faszinieren und entdeckte das Material Silikon. „Das ist ein ganz besonderer Stoff, denn er leitet Licht unter Druck“, erläutert er. Die Objekte, die er damit schuf, waren häufig spielerischer Natur, dann sie leuchteten nur, wenn der Betrachter Druck ausübte. Eines dieser Objekte findet sich auch in der Sammlung des Saarlandmuseums.

Das Veränderliche wurde zu einem weiteren wichtigen Motiv in den Arbeiten von Werner Bauer, der auch Lichtsammelfolien für sein Werk nutzt. Diese Folien brechen das auf sie fallende Licht ganz unterschiedlich, manche Teile des Objektes leuchten demnach auf, andere Teile werden optisch verschluckt. Und seine Werke aus Prismen-Folien wirken sogar dreidimensional.

„Ich weiß schon selbst nicht mehr, was ich alles gemacht habe“, sagt Werner Bauer, während Frau Lisbeth und Tochter Sabine die Kunstwerke in diversen Büchern zeigen. Dass diese Kunstwerke der Öffentlichkeit nicht verborgen blieben, liegt an den vielen Ausstellungen, in denen sie gezeigt wurden, darunter auch Einzelausstellungen im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen oder im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt.

Auch derzeit werden einige seiner Werke im Museum Ritter in Waldenbuch bei Stuttgart gezeigt. „Aber es gibt auch viele Arbeiten im Öffentlichen Raum“, ergänzt er. Wer sich die faszinierenden Arbeiten von Werner Bauer in der Nähe anschauen möchte, wird in Saarlouis, in Merzig fündig, aber auch in der Eisenbahnstraße in Saarbrücken vor der Sparkasse steht ein großes Objekt, und im Innenbereich der Musikhochschule.