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Kunst im öffentlichen Raum: Ein Kopf, den man auf den zweiten Blick sieht

Kunst im öffentlichen Raum : Ein Kopf, den man auf den zweiten Blick sieht

Serie zur Kunst im öffentlichen Raum: Franz Bernhards „Saarbrücker Kopf“ steht vor der Bundesagentur für Arbeit.

Es gibt in Saarbrücken viele Kunstwerke im öffentlichen Raum, denen man mehr Aufmerksamkeit wünscht. Jeden Tag gehen etwa in der Saarbrücker Hafenstraße, unmittelbar vor dem Haupteingang der Bundesagentur für Arbeit, viele Menschen an einer großen Stahlplastik vorbei. Der eine oder andere wird sich bestimmt schon mal gefragt haben, was diese Skulptur zu bedeuten hat. Da kann schon der Name des Kunstwerks die Erklärung bieten: „Saarbrücker Kopf“.

Denn die 3,70 Meter hohe Plastik aus rostigem Cortenstahl aus dem Jahr 1994 von Franz Bernhard stellt sehr stark vereinfacht und abstrahiert einen menschlichen Kopf bis zur Schulter dar. Franz Bernhard (1934-2013) studierte in den 1960er Jahren an der Kunstakademie Karlsruhe, war renommierter und hoch dekorierter Bildhauer, sowie Ehrenvorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg, und er erhielt 1998 sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er lebte im pfälzischen Örtchen Jockgrim.

Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens setzte sich Franz Bernhard ausschließlich mit einem Thema auseinander, dem menschlichen Körper. Der Mensch war der Ausgangspunkt seiner Arbeit, den er jedoch in seinen sehr oft sehr großformatigen Kunstwerken bis zur Unkenntlichkeit in einfachen, reduzierten Formen wiedergab. Interessant ist, dass er seine Werke nach den Orten benannte, wo sie aufgestellt wurden. So gibt es neben dem „Saarbrücker Kopf“ auch die „Große Mannheimerin“, die „Freiburger Sitzende“ oder die „Konstanzer Liegende“.

All diese Kunstwerke stammen, wie auch die Saarbrücker Plastik, aus den 1990er Jahren. Franz Bernhard zeigte in all diesen Kunstwerken die Fähigkeit, im Abstrakten das Figürliche darzustellen. Auch der „Saarbrücker Kopf“, der schmal und etwas steif nach oben blickt, besteht lediglich aus zwei geometrischen Grundformen, die ganz leicht versetzt aufeinander stehen. Der eigentliche Kopf wird dabei von einem an der hinteren, oberen Seite abgerundetem Hochrechteck gestaltet.

Auffällig ist, dass Franz Bernhard für seine Köpfe nie ganze Teile nimmt. Denn jede Fläche trägt Schweißnarben und zeigt, dass jedes Stahlstück aus mehreren kleineren Teilen zusammenfügt ist. Diese Schweißnähte setzten Akzente, sorgen dafür, dass die Flächen unterbrochen und gegliedert werden. Und sie machen dem Betrachter klar, dass der Kopf innen hohl ist. Eine Anspielung auf die menschliche Natur?

Franz Bernhard gab darüber keine Auskunft: „Ich halte keine Ansprache – ich lasse das Werk für sich sprechen“, sagte er 1999 anlässlich einer Vernissage in St. Wendel. Denn auch dort und in Saarlouis sind Skulpturen von ihm im Öffentlichen Raum zu finden.