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Ein Leben mit den Blockflöten-Tönen
Ein Gefiepe – zum Steinerweichen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Was haben Blockflötenspiel und Säbelzahntiger in der City gemeinsam?

Zurzeit wandert eine sehr schräge Musikaufzeichnung von Handy zu Handy. Sie wirbt für den Blockflöten-Unterricht. „Einfach mal reinhören und berieseln lassen“, heißt es da im Anhang. Selbstredend hört man rein und vernimmt ein katzenjammerartiges Gefiepe. Ein herrlicher Jux. Lauter schräge Blockflöten-Töne, die sogleich an die eigene Kindheit erinnern. Damals lernten viele Jungen und Mädchen das Instrument, jedenfalls versuchten sie es – mithilfe von Musiklehrern, die fest daran glaubten, dass Übung stets den Meister macht.


Diese Übungsstunden mussten zu Hause die Eltern ausbaden. Oder besser gesagt aushalten.  Nun sagten die ja in aller Regel nicht „Mensch, leg’ das Ding aus der Hand, das klingt zum Steinerweichen und wird nie etwas“. Nein. Sie ertrugen klaglos das Gejaule, das dem hölzernen Instrument entwich. Sie hofften wohl insgeheim, das Kind möge selbst ein Einsehen haben. Doch bis dahin war es oft ein steiniger  Weg. Es gibt, wie überall, Talente und weniger talentierte Menschen. Wobei die Blockflöten-Talente vermutlich so oft zu finden sind, wie Säbelzahntiger in der Saarbrücker Bahnhofstraße (kleine Übertreibung). Viele Eltern haben wohl gelitten. Heute denke ich: Wer jemals mit solch musizierenden Kindern „gesegnet“ war und es überstand, der übersteht fast alles im Leben, ohne größeren Schaden zu nehmen. Zu Hause werde ich nun meine alte Blockflöte suchen. Ich glaube zu wissen, wo sie liegt: im Keller hinna da Chrischdbaamspitz. Dann übe ich das Stück „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“. Ein Flöten-Hit der alten Schule. Anschließend spiele ich es dem Nachwuchs vor. Hei, das wird ein Heidenspaß!