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Ein Ensheimer sucht Zeitzeugen

Heimatforschung : Mysteriösem Kreuzweg auf der Spur

Heimatforscher Paul Glass sucht Menschen, die von der Evakuierung erzählen können.

Manchmal findet Paul Glass etwas, das er gar nicht gesucht hat. Durch Zufall ist der in Baden-Württemberg lebende Heimatforscher zum Beispiel auf einen Kriminalfall gestoßen, der sich vor 172 Jahren in seinem Geburtsort Ensheim abgespielt hat, dort aber vollkommen unbekannt schien. Seine Recherchen hat er im Buch „Meuchelmörder Peter Untersteller“ vorgestellt (die SZ berichtete). Nun ist Paul Glass wieder auf etwas gestoßen, das ihn, wie er sagt, „elektrisiert“ hat.

Er sei „ja schon ewig am Thema Evakuierung der Saarländer 1939/40 dran“, erzählt Glass. „Zu diesbezüglichen Recherchen“ war er neulich im Bistumsarchiv Speyer. Dort hat er die Jahrgänge 1939 bis 1941 des offiziellen Bistumsblatts „Der christliche Pilger“ nach Hinweisen zur Evakuierung durchforstet. „Tatsächlich habe ich sehr viele neue Quellen entdeckt, und eine hat mich besonders elektrisiert: Da wurde in der drittletzten Ausgabe vor der Einstellung der Zeitschrift ,aus kriegswichtigen Gründen’ über die Weihe eines Kreuzwegs aus Glasmalerei in einem Diasporakirchlein im thüringischen Hildburghausen berichtet“, erzählt der Forscher.

Ein Kreuzweg irgendwo in Thüringen? Nicht irgendein Kreuzweg, erklärt Glass. „Diesen Kreuzweg hatten in Hildburghausen und Umgebung untergebrachte SaarländerInnen aufgrund eines Gelübdes gestiftet“, sagt er. Die Kirche habe er mittlerweile gefunden; es handelt sich um die kleine katholische Kirche St. Leopold, die damals zum Bistum Würzburg gehörte. Den Kreuzweg gebe es noch, sagt Glass, im Sommer wird er ihn sich vor Ort anschauen. Dann soll ein neues Buch entstehen.

So ein Buch lebe aber nicht nur von Zahlen und Fotos der 14 Glasbilder, die in der thüringischen Kirche hängen. „Natürlich wäre es für die Story total wichtig, noch Zeitzeugen hie und da aufzuspüren, welche die Weihe des Kreuzwegs als Kinder oder junge Erwachsene miterlebt haben“, sagt der Heimatforscher. Aus einer Statistik vom 31. Januar 1940 wisse er, dass in Hildburghausen und Umgebung knapp 3500 Rückwanderer, wie die Evakuierten damals offiziell hießen, untergebracht waren.

„Der Löwenanteil“ davon stammt nach Recherchen des Heimatforschers aus Saarbrücken und dem Saarbrücker Umland sowie dem damaligen Landkreis „Saarlautern“, also dem heutigen Kreis Saarlouis. „Eigentlich hatte ich vermutet, dass die Evakuierten mehr aus den Landkreisen St. Ingbert und Homburg stammten, weil der Bericht im Speyerer Bistumsblatt erschienen war“, sagt Glass. St. Ingbert und Homburg gehören ebenso wie Ensheim zum Bistum Speyer, während Saarbrücken und Saarlouis zum Bistum Trier gehören. Paul Glass vermutet: „Möglicherweise waren auch Katholiken aus Saarbrücken  und Saarlouis und Umgebung an der Finanzierung beteiligt.“

Um das zu klären, braucht Paul Glass neben den Papieren aus dem Speyrer Bistumsarchiv und den Bildern aus Thüringen nun menschliche Quellen. Aber als gebürtiger Saarländer ist er sicher, dass jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der ihm da womöglich weiterhelfen kann.

Der aus Ensheim stammende Heimatforscher Paul Glass. Foto: Glass Foto: Glass

Wer Informationen für Paul Glass hat, erreicht in so: E-Mail paul.glass@web.de, per Post: Dorfstraße  35, 74427 Fichtenberg, Fax  (07971) 23326, Telefon (07971) 23164