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Umstrittenes Bauvorhaben in Saarbrücken
Bürger bangen weiter um grüne Lunge

Im „Obstgarten“ neben dem Egon-Reinert-Haus soll ein Erweiterungsbau entstehen. Das löste Proteste aus. Die SPD, die zur Diskussion eingeladen hatte, betont, das Vorhaben betreffe nur einen Bruchteil des Areals. Der Rest lasse sich mit dem geänderten Bebauungsplan als Grünfläche schützen.
Im „Obstgarten“ neben dem Egon-Reinert-Haus soll ein Erweiterungsbau entstehen. Das löste Proteste aus. Die SPD, die zur Diskussion eingeladen hatte, betont, das Vorhaben betreffe nur einen Bruchteil des Areals. Der Rest lasse sich mit dem geänderten Bebauungsplan als Grünfläche schützen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Info-Abend der SPD kann Bedenken der Kritiker gegen geplante Erweiterung des Egon-Reinert-Hauses nicht zerstreuen. Von Silvia Buss

Die Entwicklung des Eschberges mit all ihren Facetten sollte bei der Bürgerversammlung des SPD-Ortsvereins Eschberg-St. Johann mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz besprochen werden. Das hatte der Ortsvereinsvorsitzende Sascha Haas so vorgesehen. Doch die 70 Teilnehmer hatten nur ein Thema: die geplante Erweiterung des Altenstifts Egon-Reinert-Haus um eine Tagespflegeeinrichtung und Seniorenwohnungen. Um das zu verhindern, hatte sich im Juni eine Eschberger Bürgerinitiative (BI) gegründet und 600 Unterschriften gesammelt. Die Einwände gegen das Projekt: Der Erweiterungsbau und die damit erforderlichen neuen Parkplätze könnten ein Großteil des angrenzenden und „Obstgarten“ genannten Parks und somit die „grüne Lunge“ des Eschbergs zerstören.


Zudem nehme die Verkehrsbelastung zu. Vergeblich appellierte Britz: „Das Thema Egon-Reinert-Haus sollte nicht den ganzen Abend bestimmen.“ Auch argumentativ gelang es ihr nicht, die Menschen zu überzeugen. Die Stadt wolle die „grüne Lunge“ nicht bebauen, sondern lediglich eine Teilfläche. Der „Obstgarten“ solle in veränderter Form im Wesentlichen erhalten bleiben, erklärte Britz dazu – was die Anwesenden jedoch nicht beschwichtigen konnte.

Britz hatte sich vor der Versammlung mit fast 30 BI-Mitgliedern zu einem Ortstermin getroffen und das geplante Baufeld mit Plastikbändern abstecken lassen, damit sich die Eschberger einen Eindruck von der Größe und Lage des Baus machen können. Sie selbst begrüße das Bauvorhaben, machte Britz klar. Denn der Eschberg sei ein Stadtteil mit einem überdurchschnittlichen Anteil alter Menschen, für die es bisher hier noch keine ambulante Tagespflegeeinrichtung gebe.



Allerdings sei noch gar nicht entschieden, ob gebaut würde.Denn dafür müsse der Stadtrat erst die Bebauungsplan-Änderung beschließen. „Wir sind beim B-Planverfahren noch ganz am Anfang“, betonte Britz. In dieser Anhörungsphase könnten alle Einwände noch vorgebracht und geprüft werden.

Im 1981 vom Stadtrat beschlossenen und rechtskräftigen Bebauungsplan für das Gebiet ist der „Obstgarten“ als bebaubare Fläche für Gemeinbedarf, etwa Kitas oder Schulen, ausgewiesen. Durch die Änderung des Bebauungsplans könne die Stadt den Park auch in eine Grünfläche umwandeln und so schützen, erklärte der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Günther Karcher. Auch werde man die Ergebnisse aller nötigen Gutachten zu Verkehr und Umwelt abwarten und nur zustimmen, wenn alle positiv ausfielen, versicherte Karcher. Ein Baubeginn könne frühestens 2020 erfolgen, stellte er zudem klar.

Eineinhalb Stunden drehte sich die Diskussion im Kreise. Die Stimmung vieler war geprägt von Misstrauen und Unmut. Britz kündigte an, die Stadt veranstalte zeitnah eine weitere Bürgerversammlung.