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Wie Wandern über unbefestigtes Terrain

Wie Wandern über unbefestigtes Terrain

Nach ihren erfolgreichen Ausflügen ins Krimi-Genre hat jetzt die Buchautorin Madeleine Giese ihren ersten Roman präsentiert. Der Zuhörer-Andrang in Dudweiler hielt sich in Grenzen, was sie mit Humor quittierte.

"Machen Sie schnell die Tür zu, damit niemand entkommt" rief die Frau, die am Kopfende des Bezirksratssaals im Bürgerhaus saß und lachte. Madeleine Giese hat wahrlich Humor . Den musste sie vor wenigen Tagen auch haben. Denn zu der Lesung des Kultur- und Lesetreffs Dudweiler aus ihrem neuesten Werk "Galgenheck" waren nur wenige Zuhörer gekommen. Es entkam der gebürtigen Lebacherin allerdings niemand. Dazu gab es auch gar keinen Anlass.

Viel zu spannend war es bei der ersten Lesung des Veranstalters in diesem Jahr. Giese, 1960 geboren, hatte bislang ihren Schwerpunkt im Krimi-Genre. Fünf Werke über Mord und Leichen hat sie bereits geschrieben. Die beiden ersten, "Das Spiel heißt Mord " und "Die letzte Rolle", wurden ihr von Rowohlt sozusagen aus der Hand gerissen, schlugen also regelrecht ein.

"Galgenheck" ist der erste Roman der in Kaiserslautern lebenden Autorin, die von Hause aus Schauspielerin ist. "Einen Roman zu schreiben ist großartig", schwärmte Madeleine Giese nun also vor kleinem Publikum. Das sei wie eine Wanderung über ein unbefestigtes Gelände oder wie Schachspielen, umschrieb sie weiterhin die Entstehungsgeschichte für ihr "literarisches Fremdgehen". Dabei vermied es die Schriftstellerin zunächst, Details aus dem Buch preiszugeben.

Darin geht es um die Idylle in einer Vorort siedlung. "Galgenheck", den Namen gibt es im Südwesten oft. Er kann etwa für eine Gemarkung stehen. Auch im Saarland gibt es ihn an manchen Stellen.

Madeleine Giese beschreibt im Roman das Leben im Sommer - sieben Nächte, sechs Tage. Am Ende dieser Woche gibt es eine Katastrophe. Jede Nacht ist einem Sinn zugeordnet. Sie wolle es spannend machen, erklärte die Autorin.

Wie sie denn überhaupt zu ihrer Profession gekommen sei, wollte eine Besucherin am Ende wissen. "Ich wollte schon immer schreiben", gab Giese zu. Stattdessen wurde sie quasi per Zufall Schauspielerin, was ihr aber auf Dauer keine Freude bereitete. Nach 20 Jahren, mit etwa 40, fasste sie den Entschluss zu wechseln. Heute verfasst sie nicht nur Bücher, sondern auch Beiträge für den Rundfunk, das Theater oder das Kabarett. Mit einem Irrglauben räumte sie allerdings auf: 93 Prozent der Schriftsteller könnten von ihrer Beschäftigung nicht leben. Dabei sei das Schreiben wie nachts Auto fahren. Man sieht nur ein paar Meter, weiß also nicht was kommt, gelangt aber zum Ziel. An "Galgenheck" habe sie gut zwei Jahre lang nahezu jeden Tag gearbeitet. Zu viel hatte sie am Ende geschrieben und musste kürzen. "Wenn Sie gerne lesen, schreiben Sie. Schreiben macht frei", riet sie den Buchfreunden im Bürgerhaus. Giese muss es wissen, gibt sie doch auch Schreib- und Literaturtipps und leitet Schreibwerkstätten. Sie macht sich selbst im Arzt-Wartezimmer Notizen und beschreibt die Leute oder den Raum. Man sei so gezwungen, alles genau wahrzunehmen. Am Ende hatte sie noch einen Tipp parat: Immer Schreibzeug neben das Bett legen und beim Wachwerden die Träume notieren.