Wenn die täglichen Schmerzen unerträglich werden

Wenn die täglichen Schmerzen unerträglich werden

Etwa 17 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Diese Zahl nannte das Caritas-Klinikum St. Josef in Dudweiler zur Ankündigung seines Aktionstages. Die Medizin bietet viele Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern. Doch immer wieder haben Patienten Probleme, eine angemessene Therapie zu erhalten. Schmerz ist überlebenswichtig. Er dient eigentlich als Warnsignal und hat die Aufgabe, den Körper zu schützen, indem er beispielsweise auf eine Verletzung oder eine Erkrankung hinweist. Wenn Schmerzen aber über einen langen Zeitraum bestehen bleiben und nicht mehr mit einem bestimmten Auslöser in Verbindung gebracht werden können, verselbstständigt sich der Schmerz und kann zur Qual für den Betroffenen werden. Dann spricht man von chronischem Schmerz.

Schmerzpatienten haben meist eine lange Odyssee hinter sich. Vor allem diese Betroffenen möchte das Klinikum ansprechen und informierte kürzlich in St. Josef über Therapien und Behandlungskonzepte. Bereits am Infostand im Foyer saßen Betroffene, die sich von Dr. Maria Schlicher, Fachärztin für Schmerztherapie, und Markus Heisel, Fach-Krankenpfleger für Schmerztherapie und Palliativmedizin, persönlich beraten ließen. Die beiden Fachleute nahmen sich Zeit für jeden Einzelnen, gaben den Ratsuchenden Broschüren und notierten für sie Kontakte.

"Eine komplexe Schmerzerkrankung erfordert in der Regel auch komplexe Therapien, die dem jeweiligen Patienten und seinem persönlichen Schmerz angepasst sind. Es gibt hierfür leider kein Allheilmittel oder eine goldene Tablette, die den Schmerz wegzaubert. Welches Verfahren zur Behandlung einer speziellen Schmerzform geeignet ist, muss individuell und auf Basis von umfassenden Untersuchungen und Befragungen entschieden werden. Wir erarbeiten dann in unserem Therapeutenteam ein Therapiekonzept, das genau auf jeden Patienten abgestimmt ist", erklärte Dr. Schlicher. " ,,Dabei gibt es ganz unterschiedliche Verfahren, die zur Behandlung eingesetzt werden können, wie etwa Ergo- und Physiotherapie, Hypnose oder Entspannungsverfahren. Oft ist es eine Kombination verschiedener Verfahren, eine sogenannte ,multimodale Therapie', die am meisten Erfolg verspricht. Wichtig sind vor allem aber auch die Eigenaktivität der Patienten und ganz oft Bewegung" betonte die Ärztin, und: "Wir sind ein gut vernetztes Team, das sich täglich trifft und austauscht über jeden einzelnen Fall." Im Caritas-Klinikum St. Theresia in Saarbrücken ist die Schmerzklinik bereits seit längerer Zeit angesiedelt, in Dudweiler erst seit ungefähr drei Jahren.

Auch die beiden Vorträge zum Thema waren in St. Josef außerordentlich gut besucht. "Der Saal ist fast aus den Nähten geplatzt und wir mussten noch Stühle dazu holen, damit alle einen Platz bekamen", so Markus Heisel. Es ist offenkundig ein Thema, das viele betrifft und interessiert. Was also tun, wenn man von dauerhaften Schmerzen zermürbt wird? Wenn das Leid kaum noch zu ertragen ist? Angesichts der heutigen Möglichkeiten der Schmerztherapie "ist eine ausreichende und wirkungsvolle Schmerzbehandlung nicht mehr nur moralische, sondern zugleich auch rechtliche Verpflichtung der Ärzte", konstatierten Juristen schon im Jahr 1993. "Leider erleben wir immer wieder, dass Patienten durch ihre Hausärzte von Schmerztherapien abgeraten wird in der Vermutung, dass wir nur Medikamente verabreichen. Das ist aber gänzlich falsch. Wir arbeiten nach einem Biopsychosozialen Schmerzmodell", berichtet Maria Schlicher. Wenn Patienten auf einen Arzt treffen, der ihre Schmerzen nicht ernst nimmt oder dessen Therapie auch nach einer gewissen Zeit keine Wirkung zeigt, gibt es nur einen Rat: "Bitten Sie ihn, dass er Sie für diese Problematik zu einem Schmerztherapeuten überweist oder in unsere Schmerzklinik einweist. Ein durchschnittlicher Aufenthalt hier dauert etwa zwei Wochen. Nach der gründlichen Analyse wird ein individueller Therapieplan erarbeitet und die Patienten lernen, wie sie mit dem Schmerz umgehen können. Nach dem Aufenthalt bieten wir zusätzlich eine Nachsorge an, was vielen anschließend den Übergang in ihren Alltag erleichtert. Unser Ziel ist es, aufzuklären und Lebensqualität zurück zu geben."

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