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Wandern im Wald mit Wissenswertem zu den Woll-Lieferanten

Wandern im Wald mit Wissenswertem zu den Woll-Lieferanten

Hund, Katze Maus – kennt jeder. Schafe jedoch sind in städtischen Gebieten eher selten anzutreffen. Ein Waldpädagoge konnte da Abhilfe schaffen. Er brachte am Samstag seine Vierbeiner mit zur fröhlichen Familienwanderung.

Tiere spielen im Leben von Jonas-Collin eine wichtige Rolle. "Wir haben einen Hauskater namens Grizzly", berichtet der Fünfjährige stolz, "er ist schon ganze sieben Jahre alt." Bei den Nutztieren kennt sich der kleine Junge noch nicht so gut aus. Eine Annonce in der SZ weckte seine Neugierde. "Jonas-Collin war sofort Feuer und Flamme und wollte unbedingt mitgehen", sagt sein Vater Thorsten Wunn. "Natürlich konnte ich ihm diesen Wunsch nicht abschlagen." Nicht mal das schlechte Wetter hielt den tierlieben Jungen von der Begegnung mit blökenden Schafen ab. So wie auch zahlreiche weitere junge Teilnehmer schlüpfte Jonas-Collin am Samstag in seine Gummistiefel, warf sich die Regenjacke über und folgte seinem Vater zu einer kleinen Lichtung im Dudweiler Forst - zur zweistündigen Wanderung mit den Tieren.

"Heute begleiten uns insgesamt sechs Muttertiere mit sechs kleine Baby-Lämmchen", erklärte Waldpädagoge Arnulf F. Staap. Seit Mitte der 90er Jahre bietet der Diplom-Forstwirt Wanderungen mit Tieren an: Schafe , Lamas, Esel, Ziegen, Pferde. "Aber zu den Schafen habe ich eine besondere Bindung", sagt er: "Sie waren meine ersten Pflegetiere."

Über die Herkunft seiner Schützlinge weiß Staap nichts Genaueres. "Alle Lebewesen, die mit mir mein Zuhause in Ludweiler teilen, wurden bei mir abgegeben", berichtet der Waldpädagoge während er seinen Anhänger aufklappt. Nach und nach holt Staap die Lämmer heraus und erzählt weiter. "Viele kamen wegen Vernachlässigung oder Überforderung der Vorbesitzer in meine Obhut. Und mit den Schafen hat alles angefangen: Aufgrund seiner Krankheit konnte sich der frühere Besitzer nicht mehr um sie kümmern und überließ sie mir. Seitdem ist unsere Tier-Familie stetig gewachsen."

Jetzt hat Staap zwölf ausgewachsen Schafe und sechs Lämmer zwischen zwei und sechs Wochen. Während dieser Zeit lernt er seine Schützlinge immer besser kennen. "Viele meinen, dass Schafe nicht sonderlich gescheit sind. Aber das ist ein Vorurteil. Sie erinnern sich an Situationen, Orte oder Stimmen", erklärt Staap lächelnd, "wenn ich meinen Anhänger aufklappe, springen die Tiere zum Beispiel sofort rein. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass sie die Wanderungen mögen. Aber sie erkennen auch meine Stimme: Wenn sie gerufen werden, folgt eine blitzschnelle Reaktion."

Außerdem sind die Paarhufer mit den großen, sanften Kulleraugen pädagogisch wertvoll. "Je nachdem, welchen Zweck die Wanderung erfüllen soll, rücke ich diesen Aspekt in den Vordergrund", so der Forstwirt. "Neben Teamgeist - Schafe sehen sich als gleichberechtigte Herde und nehmen auch Fremde in ihre Mitte auf - lernen meine Mitwanderer, auf die Tiere zu achten. Sie haben ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Sie sind keine Sache und das darf man nie vergessen."