Vom Comic bis zum Kochbuch

Die Jungen und Mädchen der Albert-Schweitzer-Schule tauchten ganz tief ein in die Welt der Literatur. Die Ergebnisse präsentierten sie jetzt vor großem Publikum.

Im Foyer der Albert-Schweitzer-Schule geht es in etwa zu wie in einem Bienenstock: Kinder wuseln umher, Eltern, Geschwister, Großeltern und Paten sorgen für Hochbetrieb. Dann ist es brechend voll im Gebäude. Und es ist natürlich nicht leise. Alle Leute blicken gespannt zum Treppenaufgang. Auf den Stufen stehen verkleidete Kinder. Sie tragen schwarze Hüte und Umhänge. Manche von ihnen haben etwas in der Hand, was nach einem Zauberstab ausschaut. Klar: Sie haben sich als Harry Potter verkleidet. Als Lehrerin Carola Kolb anfängt, Klavier zu spielen, singen sie "Die Reise nach Hogwarts".

Es ist dies die Abschlusspräsentation der Projektwoche "Die Welt der Bücher" in der Grundschule. "Sie sehen nun die Modenschau der wilden Kerle und Weiber. Wir haben nichts mit Fußball zu tun", stellt ein Junge zum Vergnügen der Zuschauer zu Beginn des Auftritts klar.

Das ist eine klare Ansage, sie verhindert Missverständnisse in Hinblick auf den gleichnamigen TV-Film. Die Kinder dieser Gruppe (Leitung: Annalena Vollmer) haben selbst gebastelte Masken auf und stellen Monster dar, die auf einer Insel leben. Die Pädagogin Nora Rödel-Wilms hat mit einer Piraten-Gruppe das Seeräuber-Lied von der Takatuka-Insel einstudiert.

Die Albert-Schweitzer-Schule zeigte am Freitagabend, wie sich die Kinder dem Bücher-Thema gewidmet haben. In klassenübergreifenden Gruppen machten sie sich über unterschiedliche Lektüre her. Bilderbücher, unter anderem "Frederick" von Leo Leonni und "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak, fanden sich ebenso im Unterricht wie das Thema Märchen.

Eine Gruppe stellte ein Bilderbuch zu "Peter und der Wolf" her, eine andere hatte "Die Welt der Astrid Lindgren" und "Harry Potter" als Themen. Es wurden aber auch ein eigener Comic, ein Back- und ein Kochbuch hergestellt. Man müsse die Kinder nur ,,mit der Nase draufstoßen, damit sie lesen", meinte Schulleiterin Ruth Währisch bei der Begrüßung. Die Neigung zum Lesen sei auch in der heutigen Zeit nicht verloren gegangen. Währisch schwärmte angesichts der Backbücher vor allem von den guten Düften, die einem in der Woche auf den Schulfluren entgegenkamen. Alle 195 Schüler waren in die Präsentation eingebunden.

"Wir legen Wert aufs Lesen, und das Gemeinschaftsgefühl ist uns auch sehr wichtig", erklärte die Schulleiterin im Gespräch mit der SZ.

Aber die Schule macht auch viel im kulturellen und im musikalischen Bereich. Theater und Musicals haben ebenfalls einen hohen Stellenwert. Die Projektwoche findet indessen alle vier Jahre statt. "So hat jedes Kind während seiner Zeit bei uns einmal die Gelegenheit, daran teilzunehmen", sagte die Rektorin. Es würden viele Eltern kommen. Und überdies sei der Förderverein sehr aktiv, fügte sie noch hinzu. "Komm Papa, wir müssen in den Saal da rein. Da sind die wilden Gesichter", rief ein kleiner blonder Junge seinem Vater vor dem Saal zu, in dem normalerweise die Fuchsklasse ihr Zuhause hat. "Gern. Den Raum kenne ich aber. Da war ich als Schüler auch selbst drin. Das war unser Klassensaal", meinte der Mann mit dem etwas lichten Haar. Er schien lächelnd in Erinnerungen zu schwelgen. "Und danach müssen wir zu Harry Potter", meinte Eric (9) zu seiner Mama. "Ach, der ist auch da?", fragte sie schmunzelnd und folgte zügig.