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"Unser Geschäftsmodell hat Zukunft"

"Unser Geschäftsmodell hat Zukunft"

Herr Beers, Sie sind seit dem 1. Oktober 2008 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dudweiler und haben diese Bank in stürmischen Zeiten übernommen. Wie fühlen Sie sich nach den ersten Tagen?Beers: Es waren denkwürdige Tage. Vor zwei, drei Monaten hätte ich mir nicht vorstellen können, mit welchen Herausforderungen man am Kapitalmarkt konfrontiert werden kann

Herr Beers, Sie sind seit dem 1. Oktober 2008 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dudweiler und haben diese Bank in stürmischen Zeiten übernommen. Wie fühlen Sie sich nach den ersten Tagen?Beers: Es waren denkwürdige Tage. Vor zwei, drei Monaten hätte ich mir nicht vorstellen können, mit welchen Herausforderungen man am Kapitalmarkt konfrontiert werden kann. Dazu kommt, dass ich zu Beginn der Tätigkeit erst vieles kennen lernen musste - die Mitarbeiter, alle Filialen, Kunden und wichtige Menschen in unserem Geschäftsgebiet. Es waren spannende, aber auch herausfordernde Tage. Wie ist diese Finanzmarktkrise eigentlich in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt?Beers: Ich glaube, dies kann man ganz eindeutig festmachen: Als unsere Bundeskanzlerin und der Bundesfinanzminister vor die Presse traten und eine Garantie für alle Spareinlagen abgaben, da war jedem klar: Jetzt ist die Krise in Deutschland angekommen. Vorher dachten die Menschen, dass sich diese Krise nur in Amerika abspielt und auch nur bei international aktiven Investmentbanken. Können Sie in einfachen Worten erklären, wodurch diese Krise entstanden ist?Beers: Die Finanzmarktkrise ist mittlerweile eine Vertrauenskrise. Die Banken, insbesondere die großen national und international tätigen, vertrauen sich gegenseitig nicht mehr. Heute muss jede Bank ein solides und krisensicheres Geschäftsmodell vorweisen. Das heißt: Eine Bank braucht genügend Einlagen der Kunden, damit diese im Kreditgeschäft ausgeliehen werden können. Dies ist im Übrigen das Beispiel einer klassischen Volksbank oder Sparkasse. Dieses Geschäftsmodell fehlt den Banken, die sich nur am Kapitalmarkt refinanzieren. Sie sind daher besonders auf das Vertrauen anderer Banken angewiesen. Wie reagieren nun die Kunden der Volksbank Dudweiler?Beers: Wir haben etwa 70000 Kunden. Der größte Teil davon hat äußerst besonnen reagiert. Wir haben die Kunden in fast allen Fällen durch kompetentes und schnelles Handeln vor größerem Schaden bewahren können. Nur vereinzelt haben gerade ältere Kunden ihr Geld bar abgehoben. Aber: Das Geld zu Hause unter das Kopfkissen zu legen, ist die schlechteste aller Alternativen. Verbraucherschutzorganisationen sind derzeit überlastet, wie kann die Volksbank hier helfen?Beers: Unsere Berater werden derzeit vermehrt von Kunden angefordert, die eine Zweitbankverbindung zu einer Direktbank, einer Großbank, oder einer ausländischen Bank haben. Wir bieten hier einen schnellen und kostenlosen Service und analysieren die Anlagen der Kunden, auch bei Nichtkunden. Ich betone: Ohne, dass wir selbst Produkte verkaufen wollen. Ist die Volksbank Dudweiler von der Finanzmarktkrise betroffen?Beers: Nein. Wir sind durch die Zusammenarbeit mit der DZ Bank AG und die Einbindung in den genossenschaftlichen Finanzverbund hervorragend aufgestellt. Unser Schutz geht weit über den derzeitigen gesetzlichen Schutz von maximal 20000 Euro hinaus. Bei der Volksbank Dudweiler sind zu 100 Prozent und ohne betragliche Begrenzung die privaten Spareinlagen, Sparbücher, Sparbriefe, Termineinlagen, Festgelder und Sichteinlagen einschließlich der Tagesgelder sowie die bankeigenen Inhaberschuldverschreibungen geschützt. Wie beurteilen Sie das Rettungspaket der Bundesregierung?Beers: Ich finde es sehr lobenswert, dass die Bundesregierung in diesem Fall schnell und kompetent gehandelt hat. Kaum Verständnis habe ich allerdings für die Banken, die dieses Rettungspaket eigentlich benötigen und es ablehnen, da die Vorstandsgehälter dann auf ein Niveau von 500000 Euro im Jahr reduziert werden. Schade finde ich auch, dass Banken das Rettungspaket in Anspruch nehmen können und dann weiterhin mit aggressiven Preisen und Konditionen den Banken vor Ort - also den Volksbanken und den Sparkassen - das Leben schwer machen. Wie lange wird die Finanzkrise Ihrer Meinung nach noch anhalten?Beers: Zunächst einmal: Sie ist noch nicht vorbei. Wenn wir auch erste weiße Rauchzeichen sehen, so kann ich noch keine Entwarnung geben. Es wird noch Rückschläge geben. Aber alle werden etwas Wertvolles lernen: Das Geschäftsmodell einer regional verwurzelten Volksbank hat Zukunft, Charme und wird weitere Fans finden. Ein Institut wie die Volksbank Dudweiler mit 23 Geschäftsstellen und mit insgesamt 250 Mitarbeitern, so zusagen direkt vor der Hautür, ist eine Qualität aus der Region für die Region und für die Zukunftssicherung unseres Standortes hier an der Saar von unschätzbarem Wert.

Zur PersonMathias Beers ist 51 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder (24, 21, 18, 13 Jahre). Der gebürtige Kieler ist über Stationen in Hannover, Insel Juist, Frankfurt und Nürnberg ins Saarland gekommen, als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dudweiler. Nach Ausbildung und Studium war er in unterschiedlichen Funktionen im genossenschaftlichen Finanzverbund tätig - die letzten fünf Jahre als Vorstandsmitglied der Norisbank AG/TeamBank AG in Nürnberg. Ab Sommer 2009 wird auch die Familie ihren Lebensmittelpunkt im Geschäftsgebiet der Volksbank Dudweiler haben. ll