St. Josef Klinik Dudweiler wird "demenzsensibel" umgestaltet

Kostenpflichtiger Inhalt: St. Josef Klinik : Dudweiler Klinik wird demenzfreundlich

Die Umgestaltung der Station für Innere Medizin des St.-Josef-Krankenhauses soll dementen Patienten mehr Sicherheit und Orientierung bieten.

Leuchtend rote Toilettenspülknöpfe und Haltestangen zieren neuerdings die Badezimmer der Station für Innere Medizin in der St. Josef Caritas Klinik in Dudweiler. Nicht ohne Grund – die Station hat das  Projekt „Demenzsensible Umgebungsgestaltung im Krankenhaus“ im Oktober 2018 gestartet.

Das sei auch nötig, sagt Karlheinz Schöll, Leiter der Inneren Medizin der St. Josef-Klinik in Dudweiler und Chefarzt der Geriatrie der St.-Theresia-Klinik auf dem Rastpfuhl: „20 Prozent der Demenzkranken kommen in die Geriatrie, wo man sich ohnehin auf die vielfältigen Symptome älterer Patienten spezialisiert hat.“ Dennoch müsse auch auf anderen Stationen, wie der Abteilung für Innere Medizin, mit einer wachsenden Anzahl an Patienten mit Demenzsymptomen gerechnet werden.

Aktuell leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, davon rund 25 000 im Saarland. Da die Menschen immer älter werden, steigt auch die Anzahl der Demenzerkrankungen. Schon jetzt kämen jährlich rund 300 000 neue Fälle dazu, erklärt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Schöll ist einer der Initiatoren des Projektes und betont, dass ein Patient möglichst ganzheitlich behandelt werden müsse: „Ansonsten haben wir das Ergebnis, dass es dem Patienten beim Verlassen des Krankenhauses zwar organisch besser geht, aber dafür kognitiv schlechter.“

Demenzkranke haben es während eines Klinikaufenthaltes besonders schwer, da das Herausreißen aus ihrer vertrauten Umgebung einen psychischen Ausnahmezustand für sie darstellt. Demenz ist eine Krankheit, die sich auf das gesamte Leben des Patienten und die Menschen um ihn herum auswirkt. Anfangs treten leichte Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen auf, die Lern- und Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Betroffene können ihren Gedanken oft nicht mehr zu Ende bringen und sich nicht richtig ausdrücken. Örtliche und zeitliche Orientierung wird immer schwieriger, bis der Patient nicht mehr in Lage ist, sich eigenständig zu versorgen. Das endet oft in Ängsten, Wut und Frustration.

Die Station für Innere Medizin in Dudweiler wurde deshalb umgestaltet. Birgit Dietz, Architektin und Gerontologin am Bayerischen Institut für alters- und demenzsensible Architektur, erklärt, dass das Alter, in dem sich solche Patienten befinden, oft einhergehe mit verminderter Sehschärfe und verändertem Farb- und Kontrastsehen, was einem ohnehin „verwirrten“ Menschen weitere Ängste bereite. „Warum also weiße Haltegriffe auf weißen Fließen einbauen? Erst mit Kontrast werden sie tatsächlich gut erkannt und können dann auch genutzt werden.“ „Glänzende Böden lösen oft Ängste bei dementen Personen aus. Sie glauben, der Boden sei flüssig oder sie würden in Wasser treten“, erklärt die stellvertretende Pflegedirektorin Iris Hess. So hat die Klinik auch den Boden abschleifen lassen, so dass die nun matte Oberfläche von den Demenzkranken nicht als bedrohlich wahrgenommen wird. Symbolbilder hängen an den Badezimmern, an jedem Patientenzimmer jeweils ein großes Bild mit einem speziellen Motiv, zum Beispiel der Saarschleife, damit Patienten ihre Zimmer durch die markante Symbolik wiederfinden können.

Diese räumlichen Veränderungen seien aber nur ein Teil des Projektes, macht Margrit Reiter, Kaufmännische Direktorin der Caritas Kliniken in Dudweiler, deutlich: Ärzte und Pflegemitarbeiter werden speziell geschult, Einsatzkräfte zur sozialen Betreuung arbeiten zusätzlich zum Pflegepersonal auf der Station, um die Tagesabläufe so zu strukturieren, dass sich die Dementen orientieren können. Sabine Kirchen-Peters vom ISO-Institut (Institut für Sozialforschung) wird das Projekt überprüfen. Insgesamt 50 000 Euro hat das Krankenhaus in das Projekt investiert.

Eine psychisch gute Verfassung während des Krankenhausaufenthaltes sei sehr wichtig für den Genesungsprozess eines Patienten, erklärt Schöll. „Wir haben seit kurzem Christine Neu-Kelch hier. Sie ist nun speziell für die Betreuung unserer Demenzkranken Patienten zuständig“, erläutert die stellvertretende Pflegedirektorin Hess: „Dies schafft auch eine große Entlastung für das Pflegepersonal“. Der Tagesablauf auf der Station sei nun ähnlich dem in einem Pflegeheim strukturiert: „Nach der Morgentoilette schaue ich, wer selbst frühstücken kann und wer Hilfe dabei braucht. Wir frühstücken dann zusammen hier im Gemeinschaftsraum der Station“, sagt die Betreuerin Neu-Kelch. Im Anschluss gebe es meist die Visite und danach ein Programm, das die Denkfähigkeit der Patienten spielerisch erhalten soll, zum Beispiel durch gemeinsames Basteln, Spielen, Singen oder Musik hören. „Wir lesen hier fast jeden Morgen die Saarbrücker Zeitung zusammen“, schmunzelt Iris Hess.