Sammler werden immer jünger

Am vergangenen Wochenende war Herrensohr wieder das südwestdeutsche Mekka der Pilzsammler. Hier fanden sie Expertenrat und konnten sich untereinander austauschen – auch mit jugendlichen Pilzfreunden.

Sehr genau sahen in der TuS-Halle (von links) hin: Dittmar Reis, Gabriele Ungers (Bezirksbeigeordnete) und Tobias Thiel.

Rudi Blaesius saß wieder an seinem Stammplatz. Gleich links, direkt neben dem Eingang zur Halle. Neben sich einige dicke Bücher über Pilze . Selbst Sachverständige wie Rudi Blaesius müssen ab zu und zu in einem Buch nachschlagen. Nur wenige Meter nebendran standen auf einem Tisch einige Mikroskope . Hier konnten Interessierte in die bizarre Welt der winzig kleinen Pilze oder Pilzsporen eintauchen. Und dann gab es noch eine kleine, liebevoll aufgebaute Waldlandschaft mit ausgestopften Tieren. Am Samstag und Sonntag war wieder die große Ausstellung der Pilzinteressengemeinschaft "Die Drieschlinge" in der Halle des TuS Herrensohr . Und auch diesmal brachten wieder viele der Besucher ihre Fundstücke aus dem Wald mit, um sie kontrollieren zu lassen. Denn nichts ist aktueller als der Rat: "Wer die Pilze nicht genau kennt, sollte sie vor dem Verzehr von einem Sachverständigen untersuchen lassen."

Rudi Blaesius war einer von zehn Pilzsachverständigen der Drieschlinge, die den Besuchern Rede und Antwort über Pilze standen. "Die Leute, die im Wald nach Pilzen suchen, werden immer mehr und immer jünger", hat Tobias Thiel festgestellt. Pilze sammeln werde jugendlicher. Für Smartphones gebe es mittlerweile sogar eine Pilz-App. Der 35-jährige Thiel ist ebenfalls einer dieser Sachverständigen, die sich vor Jahren zu der Pilzinteressengemeinschaft zusammengeschlossen haben. Sie kommen an jedem dritten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in der Gaststätte "Zum Hubertus" in Jägersfreude zum Erfahrungsaustausch zusammen. Und hier besteht für jeden Interessierten die Möglichkeit zur kostenlosen Pilzberatung und Prüfung seiner mitgebrachten Exemplare. Daneben organisieren Die Drieschlinge die Pilzausstellung. In diesem Jahr war es die 17. Auflage.

"Wir wollen mit unserer Ausstellung informieren und Hilfestellung bei der Suche geben", erklärte Thiel. Rund 2500 Pilzarten gibt es in unserer Region. Knapp 300 davon lagen auf den Tischen in der TuS-Halle, schön eingebettet in grünes Moos, jeder Pilz mit einem Schild versehen. Mitglieder und Helfer der Gemeinschaft hatten sie in den Tagen vor der Ausstellung überwiegend im Hochwald gesammelt. "Zurzeit gibt es bei uns im Saarland kaum noch Pilze ", erklärte Hans-Werner Baldes. Auch er ist Pilzsachverständiger bei den Drieschlingen. Das Pilzjahr 2014 liege vollkommen außerhalb der Norm, meinte Tobias Thiel. Es habe im April mit viel Regen angefangen, danach sei es trocken gewesen, im August wieder sehr nass und dann erneut wieder trocken. Tobias Thiel und seine Kollegen zeigten sich erfreut über den großen Zuspruch zur Pilzausstellung. An den beiden Tagen kamen rund 2000 Besucher in die Herrensohrer TuS-Halle. "Unsere Ausstellung ist zu einer Pilzlehrschau geworden, bei der wir alle Bereiche abdecken - von der Präsentation der Pilze über die Mikroskopie und die Pilzkulinarik bis zur Kontrolle", stellte Tobias Thiel stolz fest.