„Olympia übertrifft einfach alle Erwartungen“

„Olympia übertrifft einfach alle Erwartungen“

Laura Müller ist zurück. Vor knapp zwei Wochen erlebte die 400-Meter-Läuferin aus Dudweiler bei Olympia in Rio den Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn. Bei ihrer Rückkehr erzählte die 20-Jährige nun von ihren Erlebnissen. Es sei nicht leicht gewesen, die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Es war der Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn: Olympische Spiele in Rio - und sie mittendrin. Die 400-Meter-Läuferin Laura Müller erlebte das, was für jeden Sportler auf diesem Planeten das Größte ist: Dabei sein beim wichtigsten Sportereignis der Welt, bei einer Veranstaltung, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. "Es war auf jeden Fall ein Erlebnis", blickt die 20-Jährige aus Dudweiler auf ihr Abenteuer in Brasilien zurück. Von dem sie nun auch bei ihrer Rückkehr in Saarlouis erzählte. "Ich wurde da von meinem Verein super lieb empfangen. Das war eine sehr schöne Sache."

Zehn Tage war die Sprinterin, die von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal zum LC Rehlingen gewechselt war, vor Ort. Sie erlebte das Ausmaß der Spiele, die Stimmung, den Jubel und die Trauer hautnah mit. "Man hat im Vorfeld versucht, sich irgendwie darauf vorzubereiten. Aber Olympia übertrifft einfach alle Erwartungen. Diese unglaublichen Menschenmassen, alleine im olympischen Dorf oder in der Mensa", erzählt Müller, für die es am drittletzten Tag der Spiele im João-Havelange-Stadion richtig ernst wurde. Mit der deutschen 4x400-Meter-Staffel ging es im Vorlauf um die Qualifikation für das Finale.

Finale wäre ein Traum gewesen

Dass es für das Quartett des Deutschen Leichtathletik-Verbandes als Neuntplatzierte um 31 Hundertstel knapp nicht reichte, kann Müller rückblickend verschmerzen. "Grundsätzlich sind wir mit dem Lauf sehr zufrieden. Es war die beste Zeit einer deutschen Staffel seit sechs Jahren. Wir haben alle alles gegeben, und bei vielen Olympischen Spielen hätte es fürs Finale gereicht", sagt die deutsche Startläuferin. Kurioserweise hätten die erreichten 3:26,02 Minuten im Endlauf sogar Platz vier bedeutet. "Da denkt man sich dann schon: schade. Das Finale wäre ein Traum gewesen. Aber wir sind noch eine relativ junge Staffel und werden uns noch steigern. Das war erst der Anfang", ist Müller sicher.

Stetige Verbesserung ist auch ihr persönliches Ziel für die nächsten Jahre. "Ich will mich im Einzel für Europa- und Weltmeisterschaften qualifizieren und irgendwann mal in einem großen Finale laufen. Das liegt noch in weiter Ferne, aber dafür trainiere ich sehr hart."

Dieses harte Training am Olympiastützpunkt Saarbrücken, wo sie auch wohnt und dank der kurzen Wege die Leichtathletik und ihr Psychologie-Studium bestens verbinden kann, hat sich ausgezahlt. Nach schwierigem Start habe ihre Saison letztlich ein versöhnliches Ende genommen, sagt Müller: "Ich wollte dieses Jahr eine 51er-Zeit laufen. Dass das in Mannheim noch geklappt hat und ich dort sogar über 200 Meter Bestzeit gelaufen bin, macht mich extrem glücklich."

Leider kam die klare Steigerung ihrer 400-Meter-Bestleistung von 52,33 auf 51,69 Sekunden Ende Juli etwas zu spät für die Olympia-Nominierung im Einzel. "Der verpasste Einzelstart nagt schon ein wenig an mir", gibt sie zu. "Ich war natürlich traurig, in Rio im Einzel zuschauen zu müssen. Aber so ist das Leben, es gibt halt auch Rückschläge. Die Frage ist, wie man daraus hervorgeht. Und da sage ich mir: Du bekommst noch eine Chance." In vier Jahren will Müller diese dann nutzen - um bei Olympia in Tokio vielleicht den ganz großen Höhepunkt ihrer Karriere zu erleben.

Laura Müller freut sich über den Empfang bei ihrem Verein LC Rehlingen. Foto: ruppenthal. Foto: ruppenthal

Ein wichtiger Punkt ist für die Läuferin die Unterstützung durch die Familie: "Die hat immer ein offenes Ohr für mich. Das hilft mir bei allem sehr", sagt Müller. Um abzuschalten, hört sie gerne Musik oder liest abends mal ein Buch. Das kann sie in nächster Zeit ein bisschen öfter tun. "Ab Winter will ich außerdem an der Uni auch wieder ein bisschen mehr Gas geben. Gerade für den Kopf ist es ganz gut, wenn man ein zweites Standbein hat. Das Leben besteht eben nicht nur aus Sport", sagt Müller. Selbst wenn einen das zu Olympia bringt.