Neue Heimstätte für Kinder?

Bezirksrat empfiehlt Kita-Neubau für rund 4,5 Millionen Euro. Stadtrat tagt am Dienstag.

Die Landeshauptstadt Saarbrücken möchte in den nächsten Jahren kräftig in den Ausbau ihrer Kitas investieren. Fast 12 Millionen Euro sollen dazu insgesamt in Aus- und Neubau dieser Einrichtungen in verschiedenen Stadtbezirken gesteckt werden - auch in Dudweiler. Erste Pläne zu einem Neubau stellte bei einer Sondersitzung des Bezirksrates am Donnerstagabend Klaus Kien vom Amt für Kinder und Bildung vor.

"Im gesamten Bundesgebiet fehlen Krippen-und Kita-Plätze", führte er in die Thematik ein. Das komme unter anderem daher, dass der Nachwuchs länger in den Einrichtungen bleibe als eigentlich vorgesehen. Demnach blieben viele Kinder dreieinhalb bis vier Jahre in den Kitas, womit Nachrücker länger warten müssten. Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, initiierte die Landesregierung das "Ü3-Sofortprogramm" des Bildungsministeriums. Zudem werde im Sommer ein weiteres Förderprogramm erwartet, diesmal vom Bund.

Aus dem Ministerium für Bildung und Kultur sei zu hören, dass dazu 11 Millionen Euro auf das Saarland entfallen sollen. "Zurzeit ist es jedoch noch ein reines Landesprogramm", erläuterte Kien.

Die Kita in Dudweiler solle auf einem der Stadt gehörenden Gelände errichtet werden: An der Schlachthofstraße, in direkter Nähe zum Sportplatz des TuS Herrensohr und einem von der Awo genutzten Gebäude.

"Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagte Kien bezogen auf die Standortsuche. So habe man auch über die Nachnutzung des ehemaligen Kita-Gebäudes in der St. Ingberter Straße nachgedacht. Dieses gehöre jedoch noch der Kirchengemeinde, müsste also gekauft werden.

Geplant ist es, eine Einrichtung mit vier Gruppen für Kinder, die älter als drei Jahre sind, und zwei Gruppen für U3-Kinder zu bauen. Für den Hochbau sind vier Millionen Euro veranschlagt, für die Außenanlagen 250 000 Euro und für die Ersteinrichtung 174 000 Euro, insgesamt also fast 4,5 Millionen Euro.

Bezirksverordnete Beate Ewald (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte zu, dass im Zentrum Dudweilers eine Kita tatsächlich fehle. Der angedachte Standort in der Schlachthofstraße sei jedoch nicht "unbedingt citynah" und somit ungünstig gelegen. Ähnlich sah dies auch Gabriele Ungers, Fraktionsvorsitzende der Linken, fügte jedoch beinahe resigniert hinzu: "Wenn's mal auf dem Plan steht, steht es auf dem Plan."

Zudem wunderte sie sich über die Dringlichkeit der Angelegenheit und die extra dafür einberufene Sondersitzung. Dies seien unnötige Kosten für die Stadt.

Mirko Welsch (Bürgerbündnis Saar und ehemaliges AfD-Mitglied) fragte nach, wie sich der Bedarf an freien Plätzen denn auswirke, wenn der zu erwartende Familiennachzug von syrischen Flüchtlingen akut werde. Dass die Kita in Dudweiler erst an letzter Stelle der Prioritätenliste steht, gefiel Gerd Kiefer (FDP) gar nicht: "Zunächst einmal passiert in Dudweiler gar nichts".

Bezirksverordneter Martin Kerz (SPD) wunderte sich darüber, dass die Thematik mit der längeren Verbleibezeit jetzt erst aufgetaucht sei. Da er selbst bereits Vorsitzender des Elternausschusses im Regionalverband gewesen sei, könne er sich erinnern: "Dies wurde mit den Eltern schon lange diskutiert." Ralf-Peter Fritz, der CDU-Fraktionsvorsitzende, stimmte Kerz zu und erklärte, dass auch er in seiner Funktion als ehemaliger Vorsitzender eines Fördervereins bereits früher mit der Thematik in Berührung gekommen sei. Hier solle sich die Kommunikation zwischen den Trägern verbessern: "Das wird wohl in Zukunft einfacher werden."

Zum Punkt Nähe zur Innenstadt warf Bezirksbürgermeister Reiner Schwarz ein, dass er den angedachten Standort doch recht citynah finde. Der Bahnhof sei nicht weit, er werde von Bussen angefahren und sei zu Fuß zu erreichen. Klaus Kien erläuterte, dass die ehemalige Kita St. Marien eher als mittelfristige Maßnahme umzusetzen sei. Das Sofortprogramm der Landesregierung sei tatsächlich ziemlich kurzfristig "gestrickt" worden. Zum Familienzuzug erklärte er, dass Schätzungen mit 1000 bis 4000 Kindern jährlich rechneten.

Zum Ende sprach sich der Rat einstimmig dafür aus, der Prioritätenliste zuzustimmen. Am kommenden Dienstag, 23. Mai, entscheidet der Stadtrat Saarbrücken über die Bereitstellung des notwendigen Geldes.