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Zum eigenen Schutz: Mit Hebeltechniken einen Angreifer sicher abwehren

Zum eigenen Schutz : Mit Hebeltechniken einen Angreifer sicher abwehren

Die VHS Dudweiler bietet donnerstags einen Krav-Maga-Kurs an. Die Teilnehmer nutzen ihn auch, um fit zu bleiben.

Man sieht es ihnen nicht an. Inge Koch aus Dudweiler ist 60 Jahre alt, Kurt Ackermann aus Quierschied schon 65. Beide besuchen einen Kurs der Volkshochschule (VHS) Dudweiler. Doch sie lernen weder eine weitere Fremdsprache noch machen sie ein Computer- oder Kochkurs. Inge und Kurt gehen zum Krav Maga. „Ich habe zwar keine Angst über die Straße zu gehen, aber ich arbeite in einem Büro mit Publikumsverkehr“, sagt Inge auf die Frage nach den Beweggründen, bei Kurt stand die Selbstverteidigung nicht im Mittelpunkt. Ihm ging es auch um die Verbesserung der allgemeinen Kondition: „In meinem Alter muss man einfach am Ball bleiben.“
Krav Maga ist kein Kampfsport, mehr ein Selbstverteidigungssystem. Entwickelt wurde es von Imrich Lichtenfeld. Der Begriff stammt aus dem Hebräischen und heißt „Kontaktkampf“. Lichtenfeld lehrte seine Kampfkunst in den 1930ern, um Juden vor antisemitischen Schlägern zu schützen, perfektioniert wurde die Kampfkunst später von der israelischen Armee und deren Spezialeinheiten. „Vor 20 Jahren kam Krav Maga erstmals nach Deutschland, vor zwölf Jahren ins Saarland. Seither bin ich dabei“, erklärt Kursleiter Filippo Catalano, „wir unterrichten hier die zivile Form. Grundsätzlich ist Krav Maga sehr schnell zu erlernen, für die Grundtechniken braucht man sechs bis acht Monate“.
Dann muss man allerdings öfter trainieren als ein Mal in der Woche bei der VHS. Dort, wie im richtigen Kurs, gilt Catalanos Grundsatz, dass es immer besser ist, einer körperlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Anders als bei Kampfsportarten wie Judo, Karate oder Boxen gibt es beim Krav Maga keine Regeln. Ziel ist es, den Aggressor mit Hebeltechniken, Schlägen, Tritten oder Griffen abzuwehren und außer Gefecht zu setzen. „Man erlernt auch die Abwehr von Angriffen mit Messern oder anderen Gegenständen“, erklärt der Kursleiter, „die Techniken werden eingeübt und sollen irgendwann reflexartig ablaufen.“ Alleine durch die richtige Armhaltung gelingt es, Schläge abzublocken. Durch die Schulung des eigenen Körpergefühls werden die Teilnehmer in die Lage versetzt, den Schwung des Angreifers für die eigene Verteidigung einzusetzen.
Für den Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostet es die meiste Überwindung, selbst zuzuschlagen. „Das ging bei mir eigentlich ganz leicht“, spricht Inge Koch über ihre Erfahrungen, „ich denke mir, wenn ich nicht weglaufen kann, muss ich gewappnet sein. Mich fasziniert vor allem, wie effektiv die Hebeltechniken sind“. Eine kurze Drehung des Arms und schon kann man sich aus dem festen Griff befreien, ganz ohne große Kraft. Reine Physik an dieser Stelle, vom Prinzip wirklich einfach, aber zur erfolgreichen Anwendung braucht es dann doch jede Menge Übung. „Ich fühle mich noch nicht wirklich sicherer, weil ich nicht glaube, dass ich die Techniken bereits anwenden könnte. Dafür sind die bisherigen zwei Monate einfach zu wenig“, bekennt Kurt Ackermann, der in seiner Jugend als Judoka aktiv war, „aber es geht ja nicht nur darum. Mir macht es einfach Spaß, mich zu bewegen. Ich werde auch nach dem VHS-Kurs weitermachen“. Das sieht Inge Koch genau so. Auch sie wird dabeibleiben.

Die Krav-Maga-Kurse der Volkshochschule Dudweiler finden jeden Donnerstag um 19.30 Uhr im Clever- Fit-Fitnessstudio in der Sulzbachtalstraße statt. Weitere Informationen über intensivere Trainingsmöglichkeiten findet man im Internet.

www.kravmaga-saar.de