Till Eulenspiegel aus Dudweiler: Mehr als nur Zoten in der Bütt

Till Eulenspiegel aus Dudweiler : Mehr als nur Zoten in der Bütt

Marek Winter aus Dudweiler ist mit 19 Jahren erfahrener Fastnachtsredner. Er sieht Veränderungen beim Stil.

Über Mann und Frau philosophieren, wobei er die Hosen anhat und sie ihm willig Bier aus dem Keller holt? Gedanken machen, warum Vegetarier  Tieren alles wegessen?  Klischees sexueller Minderheiten in  Schenkelklopfer-Sprüche verpacken? Das ist nicht sein Ding. Marek Winter zielt zwar  auf Lacher ab. Das gehört sich für Fastnachter. Aber tiefgründige Passagen sind ebenso Teil seiner Vorträge, sagt der junge Mann. „Ich will, dass bei den Menschen nach der Sitzung was hängen bleibt, worüber sie nachdenken.“

Der 19-Jährige ist Büttenredner bei der Saarbrücker Karnevalsgesellschaft M’r sin nit so und tritt als solcher schon seit acht Jahren auf, berichtet der Vollblut-Karnevalist. Warum er in der Bütt landete? Er habe mit vier Jahren, damals in Dudweiler, als Tanzmajor losgelegt. Er zog sich zurück, aus einem triftigen Grund: „Ich bin so beweglich wie ein Brecheisen.“ So wurde aus ihm ein Redner, seit einigen Jahren in der Rolle des Till Eulenspiegels.

Der Student fühlt sich in der Bütt wohl. „Die gibt Sicherheit. Da habe ich etwas, woran ich mich festhalten kann.“ Und mit Blick auf seine  rudimentär ausgebildeten Fähigkeiten, sich geschmeidig zu rühren, fügt er bei: „Sie gibt relativ wenig Spielraum, sich zu bewegen.“

Das gesamte Jahr über bereitet Marek sich vor. Wie früher ganz konventionell schneiden er und sein Vater Stefan Schorr Zeitungsartikel aus, sammeln sie in einer Mappe. Diese bildeten das inhaltliche Gerüst seines Vortrags. Verfasser sei sein Papa, Vorsitzender beim Heimat- und Kulturverein (HKV) Dudweiler-Nord, der ebenfalls dem Karneval frönt. „Ich bin wie die Puppe auf seiner Hand. Er schreibt meine Reden. Wir proben, was zu meinem Redefluss, meiner Vortragsweise passt. Und dann gebe ich immer meinen Senf dazu.“

Weil Marek auch im Fernsehen auftritt, sei der Inhalt so abgestimmt, dass es nicht zu lokal wird. So nahm er sich unter anderem den saarländischen Innenminister Klaus Bouillon zur Brust oder frotzelte über den ehemaligen Chef des skandalgeschüttelten Saar-Sportverbands LSVS, Klaus Meiser. Auch Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz kommt nicht ungeschoren davon. In dieser Session kann sie sich erneut darauf gefasst machen, verballhornt zu werden. Was auf sie zukommt, verrät Marek vor seinem ersten Auftritt nicht. Nur so viel: „Normalerweise bekommt Sie verbal auf die Nuss, dieses Jahr habe ich etwas Besonderes vorbereitet.“

Die Büttenreden wandelten sich. Marek präsentierte wie viele vor ihm gereimte Texte und „uff Platt nadierlisch“. Andere wiederum kombinierten ihre Vorträge heutzutage mit Musik. Marek muss auch hier passen: „Ich singe wie eine rostige Gießkanne.“ Darum belasse er es beim gesprochenen Wort. Marek grinst, gönnt sich eine Pause: kein Tanz, kein Gesang, Papa Stefan verfasst – „eigentlich kann ich nix“ und lacht lauthals.

Das scheinen die Zuhörer anders zu bewerten. Denn ansonsten würde er es in dieser Session nicht auf zehn Auftritte bringen. Dabei komme es hie und da anders als gedacht. „Es gibt Passagen, die ich eher feiere als das Publikum.“ Und wenn dann die Narren im Saal partout nicht reagieren, wisse sich der Karnevalist auf der Bühne durchaus zu helfen. Dann füge er ein: „Könnt ihr mal klatschen? Ich muss was trinken.“

Marek sieht noch lange kein Ende seiner Karriere. So lange er als Büttenredner gefragt wird, will er dabei bleiben. Er setzt darauf, dass er den Schlusspunkt zur rechten Zeit erkennt. Denn: „Ich suche nicht den Tod in der Bütt.“

Einen Wunsch hat er: „Mein Traum ist es, als erster Nicht-Mainzer in Mainz aufzutreten. Das ist der Olymp der Fastnacht. Wenn ich das geschafft habe, höre ich auf.“ Das dürfte für den Dudweiler äußerst schwierig werden. „Es gab da einen Aufschrei, als jemand aus einem Vorortsverein aufgetreten ist.“

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