Mathias Zenner retten als Feuerwehrmann und Rettungssanitäter Leben

Lebensretter : Schweres Spiel für den Tod

Mathias Zenner aus Dudweiler rettet Leben mit der Freiwilligen Feuerwehr Sulzbach und dem Deutschen Roten Kreuz.

Angst hat Mathias Zenner keine mehr, aber Respekt. Mit den Jahren hat er eine Art Routine entwickelt und weiß, wie er mit einem Notruf umgehen muss. Oft klingt er auch schlimmer, als es am Ende tatsächlich ist. Und wenn sie unterwegs zum Einsatzort sind, überlegt er mit seinen Kollegen schon, was da draußen jetzt wirklich auf sie warten könnte. Das hilft.

Mathias Zenner ist 27 Jahre alt und wohnt in Dudweiler in dem Haus, in dem schon seine Großeltern lebten. Er ist gerade dabei, es zu renovieren. Die Fenster sind schon neu und geben den Blick nach draußen frei, als hätte sie ein Profi gesetzt. Dabei hat Zenner gar nicht so viel Zeit dafür. Was ihn vor allem antreibt, ist sein unbändiger Wille, Menschen zu retten.

Zenner gehört zum Roten Kreuz wie auch zur Feuerwehr. 2015 hat er sich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter organisiert und selbst bezahlt. „Der ursprüngliche Gedanke dahinter“, sagt er, „war die Angst, in eine Situation reinzukommen, in der jemand Hilfe braucht und ich nicht weiß, wie ich helfen kann.“ Der Funke dazu kam wohl aus der Familie, denn sein Bruder war schon viele Jahre im Rettungsdienst und seine Mutter arbeitete als Krankenschwester. Nach der Ausbildung ist Zenner zunächst auf 24-Stunden-Schichten bei der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken mitgefahren. Danach bekam er einen Studentenvertrag bei der Rettungswache in St. Ingbert und ging auf Zwölf-Stunden-Schichten. Seit Anfang des Jahres gehört ihm eine 50-Prozent-Stelle bei der Rettungswache des DRK in Saarbrücken. Davor ging er den normalen Feuerwehr-Werdegang: Jugendwehr Sulzbach ab 2003, aktive Wehr vier Jahre später.

Durch diesen Spagat zwischen den Weißen und den Roten kennt Zenner beide Perspektiven. Ist jemand schwer verletzt im Auto eingeklemmt, fällt es Zenner leichter zu entscheiden, ob er ihn zuerst versorgen oder freischneiden soll. Das hilft enorm. Das hilft ihm auch, die Sache ruhiger anzugehen. Die Angst, nicht zu wissen, wie er jemandem helfen kann, ist weg. Die vielen Einsätze, die Belastung: „Ich komme relativ gut klar damit“, sagt er. Er will nicht hart wirken, aber es ist ein Stück Arbeit geworden. Bei den richtig schlimmen Einsätzen hilft es, mit den Kollegen danach noch eine Weile über das, was er gesehen hat, zu sprechen. Bei seiner Familie fühlt er sich verstanden, weil sie die Arbeit kennt und selbst vieles erlebt hat. Sein Vater ist gestorben, als Mathias neun Jahre alt war. Der Tod war also schon immer da, durch seinen Job kommt er immer wieder zu ihm. Zenner weiß, dass von heute auf morgen Schluss sein kann. Für andere in seinem Alter ist der Tod vielleicht eher abstrakt, „für mich ist er ein Teil des Lebens“.

Vor ein paar Jahren musste er mit der Feuerwehr raus zu einem Einsatz. Ein junger Kerl war zwischen Sulzbach und Dudweiler mit seinem Auto gegen einen Bus geknallt. Der Junge war schon tot, als Zenner den Unfall erreichte. Normalerweise ist auf der Straße viel Verkehr, aber da, morgens, war fast nichts los. Dann kam die Mutter von dem Jungen angefahren. Diese Situation, die Schreie der Frau kommen in Zenners Kopf noch heute immer wieder hoch. „Der ganze Job hat mich im Allgemeinen ruhiger gemacht. Ich kann mit Stresssituationen besser umgehen, eben weil ich sie immer wieder habe.“

Bei einem anderen Fall wusste er als Rettungssanitäter erst nicht, was los war. Ein Mann war zuhause zusammengebrochen und schon blau im Gesicht. Sie haben ihn beatmet und ins Krankenhaus gebracht. Dort war Zenner am nächsten Tag wegen etwas anderem wieder, ging an einer offenen Tür vorbei und entdeckte den Mann, wie der am Tisch sitzt und sein Frühstück isst. Zenner musste stehen bleiben und sich das genau ansehen. „Das Gefühl, wenn du wirklich mal ein Leben gerettet hast, ist saugeil.“

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