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Man hüte sich vor der reinen Lehre

Man hüte sich vor der reinen Lehre

Die Stadtverwaltung hat (halbwegs) elegant die Kurve gekriegt. Einst sperrte sie sich vehement gegen das Vorhaben des Discounters Netto, der die veraltete Filiale in der Liesbet-Dill-Straße in Dudweiler-Süd nicht mehr weiter betreiben und in die Beethovenstraße umziehen wollte. Mehrheitlich beschloss dann fatalerweise der Saarbrücker Stadtrat auf Vorschlag der Verwaltung, den Umzug zu verhindern. Netto zog die Konsequenzen aus dem Ratsbeschluss und kündigte im Dezember vergangenen Jahres an, sich ganz aus besagtem Gebiet zurückzuziehen.

Daraufhin gerieten die Bürgerinnen und Bürger in Rage. Wobei sich eine Frau nicht mit ihrem Ärger begnügte, sondern auf die Pirsch ging nach Unterschriften - für den Erhalt eines Lebensmittelmarktes, der im näheren Umkreis rund 8000 Kunden erreicht. In nicht einmal zwei Wochen hatte Rado Schauby, die sich sehr ins Zeug legte und viel Zeit opferte, knapp 1200 Unterschriften beisammen. Was die Damen und Herren im Rathaus St. Johann nicht unbeeindruckt ließ. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz nahm die Unterschriften entgegen und wurde sich wohl allmählich auch bewusst, dass Sturheit hier nicht weiter hilft.

Städtisches Einzelhandelskonzept hin oder her - wenn es im konkreten Fall nichts taugt und nur Schaden anrichtet, muss man es halt ignorieren.

So kamen Stadtplanungsamt und Wirtschaftsförderung dem Discounter entgegen und leiteten alles in die Wege, um seinem Umzugswunsch zu entsprechen. Am Ende aller Bemühungen der Verwaltung wird wieder der Stadtrat das letzte Wort haben. Die Ratsmitglieder müssten mit dem Klammersack gepudert sein, erneut ihr Veto einzulegen. Sie bräuchten sich im Süden Dudweilers nicht mehr blicken zu lassen.

Und was lernen wir daraus? Ganz einfach: Händler kann man nicht knebeln oder gängeln. Sie folgen immer der Wirtschaftlichkeit, und das ist ihr gutes Recht. Und: Einzelhandelskonzepte, auch wenn sie gut gemeint sind und wohnortnahe Versorgung im Fokus haben, kann man nicht wie eine Schablone benutzen. Sie müssen flexibel sein. Die reine Lehre geht gelegentlich am Problem vorbei.