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Männerchöre ohne Zukunft?

Dudweiler. Im Sängerheim der Harmonie sprach Chorleiter Horst Lenhof über die Zukunft der Männerchöre. Ein Patentrezept gebe es nicht, doch er nannte drei Punkte, die die Überlebenschancen der Chöre erhöhen. Patric Cordier

Die Chorgemeinschaft Hühnerfeld/Altenwald hat aufgegeben. Der Männergesangsverein (MGV) Numborn ist weg. Auch die Sangesbrüder in Großrosseln sind verstummt. Das Sterben der MGV's geht offenbar weiter, wahrscheinlich war der Andrang deshalb so groß. Vertreterinnen und Vertreter von über 30 Chören und Gesangsvereinen waren am Montagabend ins Sängerheim des MC Harmonie gekommen, um aus dem Referat von Horst Lenhof neue Impulse für die Zukunft zu erhalten.

"Ein Patentrezept gibt es nicht", betonte der erfahrene Chorleiter vorneweg, "wichtig sind drei Schlagwörter: Literatur , PR und Chormanagement". Literatur , damit ist das Repertoire an Liedern gemeint. "Am Beginn der Männerchöre zu Anfang des 19. Jahrhunderts sangen kleine Gruppen zeitgenössische Musik", so Lenhof, der derzeit an seiner Doktorarbeit über Chormusik arbeitet, "warum singen wir also heute nicht ,Applaus, Applaus' von den Sportfreunden Stiller, oder ,Tage wie dieser' von den Toten Hosen?" Die vor 15 Jahren eingeführte Radioquote habe deutsche Musik und deutsches Liedgut wieder populär gemacht. Damit könne man heute ein jüngeres Publikum erreichen und auch Nachwuchs begeistern. Eine Absage an das Volkslied sei dies aber nicht. "Es ist ein Überraschungseffekt in einem Konzert", so Lenhof, "es ist doch originell, wenn Ältere zukunftsorientierte Texte singen." Ob die Älteren das aber wollen, hänge auch von der Überzeugungskraft der Chorleiter ab.

Die Überalterung der Chöre ist ein großes Problem. "Da kommt das Referat 25 Jahre zu spät", gesteht Georg Riehm, der 1. Vorsitzende des Kreischorverbands Saarbrücken, "viele Männergesangsvereine dachten zu elitär. Man hat auf den gesellschaftlichen Wandel, flexiblere Arbeitszeiten und auch das Ende des Bergbaus zu spät reagiert". Nachwuchsarbeit ist gefragt, in Knabenchören, aber auch später. Nachwuchs, das sind heute Männer um die 40. "Wir haben junge Sänger um die 30 und viele ältere über 70", erzählt Timo Uhrig, der erst 26-jährige Chorleiter der Harmonie, "dazwischen fehlt praktisch eine ganze Generation."

Darum müssen sich die MGV's heute auch zeitgemäß präsentieren. "Vermarktung ist ein Thema, Präsenz in der Presse oder die Gestaltung von Plakaten", erklärt Lenhof zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, "auch der Aufbau einer Homepage kann hilfreich sein. Man sollte auch einfach mal nachdenken, welcher Wochentag für die Brummstunde (Anm. d. Red: die Probe) am günstigsten ist". Bei all den neuen Ideen erachtet Lenhof aber auch die Bewahrung lieb gewordener Gewohnheiten als wichtig: "Das Singen am Büfett in der Vereinskneipe hat mehr Wirkung, als man glaubt. Denn da ist man nah am Bürger."

Der Chorverband bietet Unterstützung an, eine Mitarbeiterin wurde dafür eigens eingestellt. Noch werde dieses Angebot zu wenig genutzt, beklagen Referent und Vorsitzender, es sei eine Chance. Doch auch Horst Lenhof stellt klar: "Nicht jeder Chor wird überleben."