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Leuchtende Kinderaugen am Nachmittag

Leuchtende Kinderaugen am Nachmittag

Der Puppenpalast gastierte am Samstag in Herrensohr mit Rotkäppchen. In der TuS-Halle erlebten die Zuschauer spannende Abenteuer im Märchenwald live mit. Michael Henne unterhielt sie bestens.

Bunte Seifenblasen sprudeln von der Decke und fallen in glitzerndem Blau und Pink herab, während plötzlich grauer Nebel vom Boden emporschießt. Michael Henne tritt vor die Bühne und erklärt den Kindern im Publikum, was gleich zu tun ist: "Mitmachen, laut Klatschen und immer schön antworten, wenn die Puppen was fragen." Dann endlich ist es soweit, der Vorhang öffnet sich, und das Kasperle erscheint auf der Bühne. Die Kinderaugen beginnen zu leuchten, und freudiges Gelächter gemischt mit "Ja" und "Oh" ertönt aus dem Publikum.

Eine Dreiviertelstunde schauen die Kleinen vom Babyalter bis zur ersten Klasse ganz gebannt auf die Bühne und sehen zu, wie Michael Henne dem Kasperle, Rotkäppchen, der Großmutter und dem bösen Wolf mit seinen Händen Leben einhaucht.

Seit zwölf Jahren ist der Saarbrücker schon mit seinem Puppenpalast in ganz Deutschland unterwegs. Dass er mal eine der größten reisenden Puppenbühnen des Landes besitzen würde, hätte er damals nicht gedacht. "Am Anfang habe ich nur was für nebenher gesucht, durch Bekannte bin ich dann darauf gestoßen", erzählt der 36-Jährige, "nach zwei Jahren hat sich das Ganze dann allerdings professionalisiert, und ich habe auch angefangen, die Texte selbst zu schreiben."

Derzeit dürfen sich die großen und kleinen Zuschauer bei ihm auf "Kasperle und der Teufel", eine Weihnachtsgeschichte, Rumpelstilzchen und natürlich Rotkäppchen freuen. "Ich hätte noch viel mehr Stücke, aber das ist dann manchmal schwierig mit zwei Händen", erklärt der Puppenspieler, "beispielsweise bei Hänsel und Gretel bräuchte ich mindestens eine dritte Hand."

Die rund 50 Besucher in der TuS-Halle in Herrensohr am vergangenen Samstag waren aber auch so von der Vorstellung begeistert. "Ich fand das ganz toll", sagte die vierjährige Martha, "mir hat alles gefallen, aber vor allem das Rotkäppchen." Auch wenn sie das Märchen schon kannte, fand sie es besonders spannend und würde sich die Darbietungen des Puppenpalastes immer wieder ansehen; denn, wo kann sie das Rotkäppchen vor der lauernden Gefahr warnen, mit dem bösen Wolf reden und dem tapferen Jägersmann verraten, was gerade mit der Großmutter passiert ist.

Aber auch Henne war von seinem Herrensohrer Publikum begeistert: "Mir gefällt an dieser Arbeit vor allem, vor Publikum zu stehen und heute war es absolut angenehm", erzählt der Saarbrücker, "es ist wunderbar, wenn man auch ohne Technik mit der Stimme so gut durchkommt."

Die Kinder haben zwar geklatscht, gesungen und mit den Figuren geredet, aber wenn die Puppen miteinander gesprochen haben, herrschte im Publikum gespannte Stille. Um so was hinzubekommen, bedarf es wohl eines gewissen Talentes. "Entweder man kann es oder man kann es nicht", erklärt Henne, "man muss Spaß dran haben, und dann kommt auch was." Obwohl auch hier kein Meister vom Himmel fällt. "In der Schule hatte ich Angst vor Publikum, das habe ich jetzt ganz abgelegt; und bei meinem ersten Auftritt kam der Text noch vom Band", sagt der 36-Jährige, "das war eine Katastrophe - es hatte nichts mehr zusammengepasst."

Jetzt würde er so etwas natürlich nie wieder machen: "Ich gehe jetzt auf jedes Publikum individuell ein und reagiere je nach Publikum, da kam es auch schon mal vor, dass eine Aufführung über eine Stunde ging, weil so viel gelacht wurde."