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,,Keine einzige Überschreitung“

,,Keine einzige Überschreitung“

Versagen Kläranlagen ab und an, wenn sie der sommerlichen Hitze ausgesetzt sind? Dieser Frage ging unsere Zeitung genauer nach. Wir sprachen mit einem Experten des für die Anlagen im Saarland zuständigen Entsorgers EVS.

Die momentan hohen Temperaturen machen der Kläranlage in Jägersfreude , die das Abwasser von rund 60 000 Einwohnern reinigt, keine Probleme, erklärt Dr. Ralf Hasselbach vom EVS gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Mit weniger Regenwasser in den Kanälen werde zwar das Schmutzwasser vor der Ankunft weniger verdünnt, dennoch liege man deutlich unter den Grenzwerten. "Das Wetter hat keinen Einfluss auf die Reinigungsergebnisse", sagt der Ingenieur.

Deutlich macht er dies am Ammonium. "Ammonium ist ein wesentlicher Indikator zur Gewässergüte. Es nimmt den Kleinstlebewesen den Sauerstoff weg", so Hasselbach. Diese werden jedoch gebraucht, um in den Klärbecken das Wasser vom Schmutz zu befreien. Je nach Sauerstoffkonzentration wird so dann mehr oder weniger Luft in die Becken geblasen. Der Grenzwert beim Ammonium liege bei 10 Milligramm pro Liter, doch selbst im heißen Jahr 2015 habe man im Schnitt eine Konzentration von 0,75 Milligramm pro Liter erreicht. "Es gab keine einzige Überschreitung", sagt Ralf Hasselbach und: "Die Werte gehen unabhängig von Trocken- oder Regenwetter nahe Null."

Dem Wetter begegne man in der Kläranlage Jägersfreude mit moderner Messtechnik, um das Ziel zu erreichen. Dabei sei Ammonium nur ein Beispiel, jedoch als dieses besonders geeignet, um die Wassergüte zu prüfen. Insgesamt sechs Stoffe würden täglich überprüft, hinzu kommen weitere indirekte Indikatoren wie Wassertemperatur, ph-Wert und Leitfähigkeit, die weitere Rückschlüsse auf eine ungewöhnliche Belastung des Wassers zuließen: "So merken wir etwa, wenn jemand etwas illegal eingeleitet hat" sagt Hasselbach, doch: "Ob mehr oder weniger geduscht wird, erkennen wir nicht", so der Ingenieur.

Um die aufwendige Messtechnik zu steuern, sei allerdings Fachpersonal und ein hohes Handwerksniveau nötig. Und die Anlagen brauchen jede Menge Strom, etwa um die Luft in die Becken zu blasen: ,,60 Gigawattstunden verbrauchen wir pro Jahr im Saarland", so Hasselbach, denn: "Für gute Ergebnisse müssen wir Energie investieren." Um hier Kosten zu sparen, wurde etwa auf der Anlage Jägersfreude ein Blockheizkraftwerk installiert.

Ein anderes Problem sind allerdings die Kanäle. Mit weniger Niederschlag wird auch weniger Wasser durch sie geführt. Dem Problem, dass sich hier Schmutz festsetzen könnte, begegnet man etwa mit baulichen Maßnahmen. Kanäle mit größerem Durchmesser haben an ihrem Boden eine Trockenwetterrinne, um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen, erklärt Hasselbach. Und natürlich will man mit dem Gefälle die Geschwindigkeit des Wassers regulieren. "Das klappt allerdings nicht immer", erklärt der Experte: "An manchen wenigen Schwachpunkten müssen wir manchmal spülen." Und auch der demografische Wandel spielt in dieser Angelegenheit eine Rolle. Ist in kleineren Ortschaften etwa ein Straßenzug stark von Leerständen betroffen, fließt auch weniger Abwasser durch den Kanal: "Die Entwicklung ist an manchen Stellen schon spürbar", sagt Ralf Hasselbach.