Hemmungslose Polit-Propaganda

Dudweiler. Erst war es das Kriegerdenkmal in der Fußgängerzone Dudweiler, das zum Ende der vergangenen Woche von oben bis unten mit Polit-Propaganda zugekleistert wurde. Zwei Anrufer machten sich darüber in der SZ-Redaktion Luft. Und nun ist es der Bahnhof, an dem sich ebenfalls unbekannte Täter abgearbeitet haben

Unbekannte Täter hinterlassen an den Wänden ganz ungehindert ihre Polit-Propaganda. Zum Ärger der Bahn-Fahrgäste.

Dudweiler. Erst war es das Kriegerdenkmal in der Fußgängerzone Dudweiler, das zum Ende der vergangenen Woche von oben bis unten mit Polit-Propaganda zugekleistert wurde. Zwei Anrufer machten sich darüber in der SZ-Redaktion Luft. Und nun ist es der Bahnhof, an dem sich ebenfalls unbekannte Täter abgearbeitet haben. Am Donnerstagmorgen rief ein Bahnreisender an, der meint, dass hier endlich polizeiliche Ermittlungen in Gang gesetzt werden müssten, "und zwar vom Verfassungsschutz". Vor allem die Tatsache, dass offenbar eine politisch motivierte Gruppe hier ihre Gesinnung an den Tag legt, versetzt den Anrufer in Rage: Auf einem der gesprayten Bilder gilt eine stilisierte Hinrichtungsszene dem Kapitalismus (siehe nebenstehendes Foto). Oder sogar einem so genannten Kapitalisten?Der SZ-Leser ist auch deshalb so erbost, weil erst vor wenigen Wochen das gesamte Interieur des Bahnhofs neu gestrichen wurde. Kurz darauf war vieles wieder so wie vorher. Allerdings sieht man nicht mehr nur sinnentleertes Gekrakel, sondern gesprühte Agitation in einer neuen Dimension. Nachfrage beim Landeskriminalamt (LKA): Sollte vielleicht nicht mal die Abteilung Staatsschutz die Sache in die Hand nehmen? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Ermittlungen, so LKA-Pressesprecher Dieter Appel, ergebe sich noch keine Zuständigkeit der Staatsschutzabteilung. Bisher handele es sich hinsichtlich der in Dudweiler vorgefundenen Schmierereien um einen einmaligen Vorgang. Es gebe keinerlei Hinweis darauf, dass das Land von staatsfeindlicher Propaganda ein und derselben Gruppierung überzogen werde. Hätte man diese Hinweise, so würde das LKA - unabhängig von der Frage der Zuständigkeit - unter Gefahren abwehrenden Aspekten sofort eingreifen. Allerdings habe die Polizei in Dudweiler sich bereits mit der Bundespolizei in Verbindung gesetzt. Und diese habe die Ermittlungen aufgenommen. Im Juli vergangenen Jahres hatte im Übrigen ein Sprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt auf SZ-Anfrage erklärt, dass eine Überwachung des Bahnhofs per Kamera nicht möglich sei. Zu aufwändig und rechtlich problematisch, lautete hierfür die Begründung. Im Übrigen seien Zerstörungen und Beschädigungen auf dem Gelände der Bahn "ein gesellschaftliches Problem". Zudem würden nur 500 Fahrgäste täglich den Bahnhof nutzen. Und so kann sich weiterhin jeder Mensch dort hemmungslos austoben.