1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Dudweiler

Für sie ist Udo Jürgens unsterblich

Für sie ist Udo Jürgens unsterblich

Die Fangemeinde von Udo Jürgens ist gewaltig – auch über seinen Tod hinaus. Eine 73-jährige Seniorin aus Dudweiler zählt zu diesen Fans. Sogar bis ins Kondolenzbuch ihres Idols hat sie es geschafft – und das aus der Ferne.

Schon am Telefon versprüht sie Herzlichkeit. So freut man sich aufs Kennenlernen. Hereinspaziert - in Sigrid Hagers gemütliche Wohnung. Hier gerade noch zugange ist Maskenbildnerin Jo Braun. Die Nachbarin sorgt professionell fürs stimmige Make-up. Weil natürlich auch der SZ-Fotograf mit dabei ist.

Bei Sigrid Hager haben wir uns eingefunden, weil wir neulich, in unserer Mittwochskolumne ,,Mitten im Leben", über ihr schönes Kleid geschrieben haben. Sie hatte es getragen zum Neujahrsempfang der Stadt Saarbrücken. Eigentlich wollte sie es ja erstmals im März zum Konzert von Udo Jürgens in Saarbrücken ausführen, doch dazu sollte es nicht mehr kommen.

Die 73-Jährige, einst Regierungsangestellte im Saar-Innenministerium, ist eine glühende Verehrerin des jüngst verblichenen Musikers. Ein großes Bild mit persönlicher Widmung hängt in der guten Stube an der Wand. Vor zehn Jahren hat sie es in die Saarlandhalle geschleppt. ,,Und in der Garderobe hat Udo Jürgens das Bild signiert", sagt fröhlich die gebürtige Quierschiederin, die mittlerweile in Dudweiler zu Hause ist. Unzählige Konzerte ihres Idols hat die heutige Ruheständlerin besucht, fuhr unter anderem nach München und Wien , um den Vollblutmusiker zu hören und zu erleben. Seine Ausstrahlung, seine Brillanz, die Texte seiner Lieder, die ungeheure Bühnenpräsenz - all das wird ihr in bester Erinnerung bleiben.

Ihr einnehmendes Wesen, das schon am Telefon spürbar ist, hat nun auch dazu geführt, dass sie in eines der Udo-Jürgens-Kondolenzbücher eingetragen wird. Die liegen seit gestern im Wiener Rathaus aus. Denn weil sie gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage ist, selbst nach Österreich zu reisen, hat sie bei der Stadtverwaltung angerufen, und darum gebeten, sie im Kondolenzbuch zu verewigen. Man versprach ihr, dies zu tun.

Die Bewunderung Sigrid Hagers für den Musiker begann im Jahr 1966 . Damals, so erzählt sie lebhaft, habe sie ihn, kurz nach seinem Sieg beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson in Luxemburg auf dem Flughafen Ensheim kennengelernt. Freundlich, wie seine Fans ihn kannten, überreichte er ihr ein Autogramm: ,,Alles Liebe - Udo Jürgens ". Natürlich hat sie die persönliche Widmung aufbewahrt, ebenso wie die Bildbände, die vielen Schallplatten und CDs. 1967 hat die damals 26-Jährige dann das erste Konzert besucht. ,,Immer hab' ich in der ersten Reihe gesessen", erzählt strahlend die gepflegte Dame. Und spricht von den vielen anderen Fans , die sie bei den Veranstaltungen kennenlernte: ,,Da sind richtige Freundschaften entstanden."

Und jetzt ist Udo Jürgens tot. Doch im Herzen von Sigrid Hager lebt er weiter. Bei seinem letzten Konzert mit Helene Fischer , das als TV-Aufzeichnung kurz nach seinem Ableben gesendet wurde, da dachte sie, dass er gar nicht gut ausgesehen hat. Und so verließ der große Musiker im Alter von 80 Jahren die Bühne des Lebens.

Nun sollen aber die SZ-Leser nicht denken, dass der jahrzehntelange Fan besessen oder gar narrisch war. In einem Konzert ohnmächtig werden oder hysterisch kreischen? - Na, soweit geht die Liebe zum Udo dann doch wieder nicht. ,,Außerdem höre ich auch gerne Klassik", sagt nachdrücklich die Seniorin und zeigt mit dem Finger auf eine beachtliche CD-Kollektion. Und immer wieder sonntags hört sie ,,Klassik Radio" aus Berlin.