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Schöne Stimmen in der Kirche
Fünf Stimmen wie aus einem Guss

Die „Band ohne Instrumente“ begeisterte ihre Zuhörer in der Christuskirche.
Die „Band ohne Instrumente“ begeisterte ihre Zuhörer in der Christuskirche. FOTO: Iris Maria Maurer
Dudweiler. Viva Voce nehmen ihre Zuhörer in der evangelischen Christuskirche mit auf „ein Stück des Weges“. Von Stefan Bohlander

„Wow“, entfährt es Pfarrer Heiko Poersch am Ende. Der evangelische Geistliche ist sichtlich geplättet von der Darbietung des A-capella-Ensembles Viva Voce am Sonntagabend in Dudweiler. Fast 300 Besucher waren zu dem rund zweistündigen Konzert in die Christuskirche gekommen. Damit und dank der Hilfe von Sponsoren erziele man zwar gerade eine „schwarze Null“, aber „Profis kosten halt Geld“, wie Poersch sagte.


Das selbst gesteckte Ziel haben die Vokal-Künstler jedenfalls locker erreicht: Eindringlich, puristisch und handwerklich perfekt wollten Viva Voce ihre Zuhörer  „ein Stück des Weges“ – so auch der Name des Programms – begleiten. Diese danken es ihnen am Ende des Konzertes mit minutenlangen Standing Ovations. Eine Frau in der ersten Reihe singt beinahe das gesamte Konzert über ebenso leidenschaftlich wie textsicher mit. Zwischendurch wird geschnippt, der Kopf im Takt bewegt oder man ist auch einfach mal ganz leise und genießt die ruhigen Stücke, etwa das wunderbar anrührende „Schon alles“.

 Das Programm spiele man „sehr selten, aber sehr gerne“, wie Heiko Benjes sagt. Er ist Bass und der Lokalmatador, stammt aus Dudweiler. Seine Bandkollegen stellen ihn, der Viva Voce seit 2004 angehört, als Mann mit der vielleicht tiefsten Stimme des Saarlandes vor. Benjes übernimmt mit Tenor David Lugert einen großen Teil der Moderation und hat auch einige Einsätze als Hauptsänger. Gleich zu Beginn etwa, nachdem die fünf Vokalisten wie bei einer Messe mit gregorianischem Gesang einziehen, singt er „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“, den Klassiker von U2.



 Jeder Sänger der seit 1998 bestehenden Formation erhält seinen eigenen kleinen Auftritt. Jörg Schwartzmanns beispielsweise ist Bariton und Vocal Percussionist, sprich: Er legt mit seiner Stimmeskraft ein kleines Schlagzeugsolo hin.

Bastian Hupfer ist Tenor, dem der Schalk im Nacken sitzt. Zu seinem beruflichen Werdegang trägt er das Lied „Zimmerer“ vor – zur Melodie von „The Wanderer“. Bariton Matthias Hofmann ist seit vergangenem Jahr dabei und bleibt meist etwas im Hintergrund. David Lugert beschließt das Set mit einer anrührenden Version von „You raise me up“ und ersteigt passend dazu den Balkon der Kirche. Da fließt vor Rührung so manche Träne.

 Neben sakralen Liedern und Gesängen werden natürlich auch bekannte Melodien vorgetragen. Doch im Gotteshaus erhalten Songs wie die Metal-Ballade „Nothing else matters“ eine neue Bedeutung. Zwischendurch gibt es sogar kurzen Musikunterricht. David Lugert fordert auf, dass die einzelnen Blöcke Grundton, Terz und Quinte singen – ein großer Akkord aus Menschenstimmen. Zwischendurch scherzt Lugert noch, dass es in Musikerkreisen bekannt sei: „Wenn Du in Dudweiler spielen darfst, bist Du ganz oben.“ Stilecht wird deswegen nach einem Beatles-Medley das Konzert mit dem beschwingten „Dudweiler Song“ beendet.

 In die Gruppe kam Heiko Benjes übrigens per Zufall, wie seine Eltern Friederike und Albert erzählen. Ihr Sohn sei auf einer Geburtstagsfeier recht spontan zu einer Gesangseinlage dazu gestoßen. „Ein halbes Jahr später war er fest eingeplant“, so die Mutter. Zum Singen habe den Sohn sein Musiklehrer am Ludwigsgymnasium gebracht. Die Eltern selbst seien anfangs eher skeptisch gewesen, doch unterstützen ihn mittlerweile  in allen Belangen. Aufgeregt waren die beiden nicht: „Es ist ja ein Heimspiel“, so Albert Benjes.