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Flüchtlinge beleben Grubengelände

Flüchtlinge beleben Grubengelände

Auf dem Gelände der ehemaligen Grube Hirschbach soll eine Dependance der Flüchtlings-Aufnahmestelle in Lebach entstehen. Bis zu 1000 Zuwanderer sollen dort ab Dezember eine zeitweilige Bleibe finden.

Das Schild vorm Eingang des Gebäudes 003 auf dem Gelände der ehemaligen Grube Hirschbach ist verwittert, die Schrift verblasst. "RAG Deutsche Steinkohle" ist darauf zu entziffern, "Service-Bereich, Technik und Logistik". In den Ritzen der drei Stufen, die hinab zur Eingangstür führen, haben sich Wildblumen einen Lebensraum erobert. Offensichtlich seit Jahren nicht gestutzte Hecken und Ziersträucher entlang der Vorderfront des Betonbaus haben die untere Fensterreihe zugewuchert. Schmutzig graue Jalousien vor den Fenstern darüber verwehren einen Blick in das verlassene Gebäude, in das demnächst wieder Leben einziehen könnte. Denn wie Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) gestern in der ersten Sitzung des Saar-Landtags nach der Sommerpause verkündete, soll in Dudweiler alsbald eine Dependance der Landesaufnahmestelle in Lebach entstehen.

Im Dezember sollen die ersten Flüchtlinge kommen - so die notwendigen Umbauarbeiten bis dahin abgeschlossen sind. Die sollen jetzt so schnell wie möglich in Angriff genommen werden. Zunächst im und am Gebäude 001, das seit rund drei Jahren leer steht.

"Das Gebäude ist in den 70er Jahren als Wohnheim für Gastarbeiter errichtet und später zu einem Bürohaus umgebaut worden", erklärt Rudolf Krumm von der RAG Montan-Immobilien, die Besitzer des ehemaligen Bergwerksgeländes ist. "Wir müssen jetzt mit dem Innenministerium klären, welche Standards gewünscht sind, und danach muss das Gebäude entsprechend umgebaut werden", erläutert Krumm, wie es mit dem vierstöckigen, mit kleinen hellen Fliesen gekachelten Haus weitergeht. "Wir haben eine Grundsatzabsprache mit dem Ministerium getroffen, dass wir einen Mietvertrag abschließen, in dem definiert wird, was die genauen Anforderungen sind, wie die Räume hergerichtet werden sollen. Daraus lässt sich dann ableiten, wie lange der Vertrag laufen soll und wie hoch die Miete ist."

Bis zu 1000 Flüchtlinge sollen nach Aussage des Innenministers eine vorläufige Bleibe in der Lebacher Zweigstelle finden. Dafür reicht der Platz im sogenannten "Türkenhaus", wie es laut einer Passantin umgangssprachlich bezeichnet wird, bei weitem nicht aus. Darum muss wohl auch das oben beschriebene Gebäude 003 hergerichtet werden, "und vielleicht noch weitere mehr. Das ergibt sich aus dem Bedarf, den uns das Ministerium noch mitteilen wird. Mit dem einen Gebäude wird es aber auf gar keinen Fall getan sein", sagt Krumm, der gestern aus den Medien erfahren musste, dass die Wahl auf Hirschbach als Lebacher Außenstelle gefallen ist. "Wir waren schon seit Sommer mit dem Ministerium im Gespräch. Denn es zeichnete sich ja ab, dass auf der einen Seite Bedarf an Immobilien entstehen könnte, und wir auf der anderen Seite entsprechendes Potenzial haben." Daher habe die RAG Montan-Immobilien dem Ministerium mehrere Objekte vorgeschlagen - darunter auch die nun ausgewählte Grube Hirschbach. Krumm geht davon aus, dass Sanierung und Umbau der künftigen Flüchtlingsunterkunft Minimum zwei Monate dauern werden. "Ich denke es ist realistisch, dass die ersten Flüchtlinge im Dezember einziehen können."

Und was sagen die Menschen vor Ort dazu? Der Kiosk neben dem früheren Gastarbeiter-Wohnhaus ist ein beliebter Treff für ehemalige Bergleute und Arbeiter aus umliegenden Industriebetrieben. Wer denkt, dass diese die Flüchtlinge ablehnen würden, ist auf dem Holzweg. "Wir warten erst einmal ab, wie sich alles entwickelt." Grundsätzlich handele es sich um Menschen in Not, denen geholfen werden müsse. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht. "So lange sich alle an die Regeln und Gepflogenheiten halten, die in Deutschland gelten, wird es keine Probleme geben", ist ein Ex-Bergmann überzeugt. Seine Kameraden nicken zustimmend.

Zum Thema:

Die Errichtung einer Dependance der Landesaufnahmestelle kommt nach Meinung der Saar-FDP viel zu spät. Zudem würde auch beim Thema Integration viel zu wenig getan. Der Erwerb der deutschen Sprache und die Vermittlung liberaler Verfassungswerte seien dringend notwendig, wenn Integration gelingen solle und man Parallelgesellschaften verhindern wolle, sagte der FDP-Landesvorsitzende Oliver Luksic. tog