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Einfach nur da sein in den Stunden vor dem Tod

Einfach nur da sein in den Stunden vor dem Tod

Dudweiler/Sulzbach/Quierschied. Hospiz. Sechs Buchstaben zum Fürchten. Denn sie haben mit dem Sterben zu tun. Doch wer will davon schon was wissen? Es gibt aber Menschen, die schrecken nicht zurück vor den Themen Siechtum und Tod. Offensiv gehen sie es an, weil sie wissen, dass man sie braucht. So hat sich jetzt in Dudweiler eine ambulante Hospizgruppe gegründet

Dudweiler/Sulzbach/Quierschied. Hospiz. Sechs Buchstaben zum Fürchten. Denn sie haben mit dem Sterben zu tun. Doch wer will davon schon was wissen? Es gibt aber Menschen, die schrecken nicht zurück vor den Themen Siechtum und Tod. Offensiv gehen sie es an, weil sie wissen, dass man sie braucht. So hat sich jetzt in Dudweiler eine ambulante Hospizgruppe gegründet. Ihr gehören an: Silvia Hoffmann, Waltraud Plathner, Brigitte Gutjahr, Monika Reik, Ursel Pitz, Karin Burkart, Hannelore Wagner und Martina Alt. Ihren Besuchsdienst regelt die ökumenische Sozialstation in Dudweiler, zu deren Einzugsgebiet der Stadtbezirk selbst sowie die Stadt Sulzbach und die Gemeinde Quierschied gehören. Zur Entlastung der Angehörigen von Schwerstkranken und Sterbenden stellen sich die Mitglieder der noch namenlosen Gruppe in den ehrenamtlichen Dienst. Bezeichnenderweise sind es - im Alter von 46 bis 75 Jahren - alles Frauen. Bis auf Diakon Gerhard Steinkamp. Er selbst, Renate Ritter-Hoffmann und Christa Spengler haben die Gruppe zu ihrem Tun befähigt. Weil sie wiederum eine entsprechende Ausbildung absolviert haben (Palliative Care). Denn Hospizarbeit macht man nicht einfach so im Vorbeigehen. Da gehört weiß Gott mehr dazu. Und deshalb trifft sich das Team regelmäßig im Friedrich-Bonhoeffer-Haus der evangelischen Kirchengemeinde in Dudweiler, und jeder lernt noch was dazu. Die Menschen, sagt Gerhard Steinkamp, wollen in ihrer vertrauten Umgebung sterben, mit allem, was ihnen ans Herz gewachsen ist. Sie wollen in Würde sterben - und das möglichst schmerzfrei. "Nicht dem Leben Jahre geben, sondern den Jahren Leben geben", lautet einer der Leitgedanken, der für die Hospizarbeit gilt. "Was wir gar nicht brauchen", sagt Diakon Steinkamp, "das sind Leute mit Helfersyndrom". Also Ehrenamtliche, die ihre seelischen Probleme, ihr schwaches Selbstwertgefühl mit dem Helfen kompensieren wollen. Steinkamp: "Wer hier arbeiten will, der muss ganz bei sich sein." Und gewappnet für das, was ihn erwartet. Gerhard Steinkamp sagt auch, dass die Arbeit der Hospizgruppe weder Pflegetätigkeit noch hauswirtschaftliche Hilfe beinhalte. Die Frauen, die in die Familien gehen, wollen sich in erster Linie um das seelische Wohlergehen der vor dem Tod stehenden Menschen kümmern. Sich hinsetzen, zuhören, plaudern, einfach da sein, ohne Zeitdruck, ohne Hetze. Der, der stirbt, gibt den Ton an. Das ist eine weitere Maxime der Frauen. Will heißen: Der vor dem Tod stehende Mensch ist allein, wenn er allein sein will, und er ist in Gesellschaft, wenn er sich danach sehnt. Alle Frauen der neuen Dudweiler Hospizgruppe haben, wie sie erzählen, eigene Erfahrungen mit Tod und Siechtum in der Familie. Insofern ist ihnen dieses Metier nicht fremd. Und dennoch brauchen sie viel Kraft für ihre Arbeit. Weil sie sehr stark konfrontiert werden - mit der eigenen Sterblichkeit.