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Ein Zeichen gegen Ängste und Hass

Ein Zeichen gegen Ängste und Hass

Rund 70 Männer und Frauen nahmen am Montagabend in der Dudweiler Innenstadt an der Gegendemonstration zur ,,Sagesa“-Veranstaltung teil. Nach etwa einer halben Stunde ging die Zusammenkunft friedlich zu Ende.

Pünktlich zu Beginn der Veranstaltung vor dem alten Gasthaus ,,Krokodil" meldete sich der ,,Wasserwerfer" von oben: der Regen. Der hielt jedoch rund 70 Menschen nicht davon ab, für Vielfalt und Toleranz zu werben - just an dem Tag, als die Prognosen von insgesamt 1,5 Millionen Flüchtlingen, die angeblich in 2015 in Deutschland aufgenommen werden, durch die Medien geisterten. Ein bisschen enttäuscht von der recht mageren Kulisse auf Einladung von ,,Bunt statt Braun" zeigten sich einige Demonstranten . Sie, wie ihre Kontrahenten auf dem gegenüberliegenden Marktplatz, die sich dann noch zu einem ,,Spaziergang" durchs Viertel aufmachten, waren nachgerade ,,umzingelt" von einem höchst beachtlichen Polizeiaufgebot. In Dudweiler konnte man sich am Abend also absolut sicher fühlen, wohl niemand hätte es gewagt, unter dieser uniformierten Aufsicht aus der Rolle zu fallen.

Doch woran hat's gelegen, dass - nach 100 Teilnehmern Anfang Juni am gleichen Schauplatz - diesmal so viel weniger Leute Flagge zeigten? Einige Teilnehmer - darunter Bezirksratsmitglieder aller Fraktionen - führten dies auf die ,,kurze Mobilisierungszeit" zurück. Erst am Donnerstag habe man von der ,,Sagesa"-Veranstaltung erfahren, am Freitag vom Ordnungsamt die mündliche Genehmigung zur Gegendemo erhalten, und am Montagmorgen die schriftliche Bestätigung. Eine Teilnehmerin zeigte sich schon zufrieden, dass man weit mehr Demonstranten zählen durfte, als die NPD-nahe Gegenseite. Eine gewisse ,,Gruppendynamik" wollte die junge Frau nicht ausschließen nach dem Motto: Das hier ausgefochtene Thema betrifft mich nicht persönlich, ,,warum also sollte ich da mitgehen?"

Gabriele Ungers, Beigeordnete des Stadtbezirks, sprach von ,,Willkommenskultur", die hinsichtlich der Flüchtlinge in Dudweiler vorhanden sei. Andere Redner bekundeten, sich durch Ängste und Hass nicht leiten zu lassen. ,,Unsere Menschlichkeit lassen wir uns von niemandem kaputtmachen", fügte SPD-Bezirksratsmitglied Martin Kerz noch hinzu. Am Ende gab die sehr laute Musikbox am Straßenrand noch den Ärzte-Song ,,Arschloch" zum Besten. Das mehrfach ertönende Schimpfwort Richtung Marktplatz nahmen die Kontrahenten nicht wahr, denn, wie gesagt, sie gingen ,,spazieren".
Der Spuk war ziemlich schnell vorbei

 Die ,,Sagesa“-Demonstranten bei ihrem Marsch durch Dudweiler.
Die ,,Sagesa“-Demonstranten bei ihrem Marsch durch Dudweiler.


,,Sagesa"-Aufmarsch hielt sich sehr in Grenzen

Etwa 35 Menschen demonstrierten am Montagabend gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Grube Hirschbach. Zu dem "Abendspaziergang" luden die NPD-nahen ,,Saarländer gegen Salafisten (Sagesa)" ein. Ähnlich wie in Dresden, wo vor Kurzem die Zahl der "Abendspaziergänger" wieder stieg, wuchs auch die Gruppe der Demonstranten im Saarbrücker Stadtbezirk, blieb aber überschaubar. Zu einer ähnlichen Veranstaltung im Juni kamen 23 Demonstranten .

Zahlreiche uniformierte Polizeibeamte waren bei dem "Abendspaziergang" im Einsatz, wobei sie vor allem darauf achteten, dass die Demonstranten von ,,Bunt statt Braun", die ihrerseits zur Gegendemo luden, nicht mit der Gruppe um Sascha Wagner kollidierte. Wagner ist der Kopf der Sagesa-Bewegung. Per Lautsprecher kündigte er auf dem Dudweiler Marktplatz weitere Aktionen an: "Es ist nicht unser letzter Marsch. Wir werden nicht Ruhe geben, bis der letzte Flüchtling wieder das Land verlässt." Die Kundgebung wurde von Pfiffen, Buh-Rufen und Gegenreden aus dem "Bunt statt Braun"-Lager übertönt. Im Anschluss marschierte die Gruppe, unter anderem mit "Asylanten raus"-Rufen, entlang der Scheidter Straße und vom Bürgerpark aus zurück zum Markt. Anwohner verfolgten das Schauspiel von ihren Fenstern aus. Viele schüttelten den Kopf. "Da läuft die Intelligenz Deutschlands", sagte spöttisch eine Frau.

Die Demos verliefen ohne Zwischenfälle und friedlich. Die Polizei hielt die Gruppen der Demonstranten und Gegendemonstranten erfolgreich auseinander. Und das, obwohl die beiden Lager zeitweise nur die Theodor-Storm-Straße trennte.