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Viele helfende Hände: Dudweiler setzt ein starkes Zeichen gegen den Müll

Viele helfende Hände : Dudweiler setzt ein starkes Zeichen gegen den Müll

25 Bürger säuberten die Fußgängerzone samt Wasserlauf – Initiator der „Kehraus-Aktion“ waren Pro Dorf und Verkehrsverein.

Es dauerte keine 30 Minuten, da war die Fußgängerzone sauber. Und noch mal zehn Minuten, da war die Baumscheibe am „Exclusiv“-Second Hand Laden mit Nelken bepflanzt. Mit ihren pink-rosa Blüten dürften sie das dauerhafteste Zeugnis der „Kehraus“-Reinigungsaktion sein, da sich erfahrungsgemäß Verpackungsmüll, Kippen, Hundekot und Laub in kürzester Zeit wieder zu einer unansehnlichen Dekoration der Dudweiler City vermengen werden. Nachhaltig geht anders, aber das war auch nicht der Sinn dieser vom Gewerbeverein Pro Dorf – Dudweiler und dem Verkehrsverein Dudweiler auf die Beine gestellten Initiative. Man wolle ein Zeichen setzen, „selbst aktiv werden, nicht nur jammern“, erklärte VVD-Präsident Ralf-Peter Fritz. Zusammen mit Dirk Nöther von Pro Dorf freute er sich über den Erfolg der Maßnahme.

25 Bürger, darunter viele Vertreter der örtlichen Parteien und eine größere Gruppe von der Kulturgießerei, hatten sich um 12 Uhr am Eiscafé Arnoldo eingefunden, um mit den vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) zur Verfügung gestellten Equipment Unrat einzusammeln.

Mit 21 und 22 Jahren die jüngsten Teilnehmer waren Christin Scherf und Sarah Herrmann. Warum sie die Stunde Zeit opfern? „Weil es hier einfach aussieht wie Sau“, nahm Scherf kein Blatt vor den Mund, „und die Stadt es nicht hinbekommt, Ordnung zu halten.“ „Natürlich stört uns das“, bekräftige Sarah Herrmann. „Es ist so krass, was die Leute wegwerfen.“

Mancher Passant begrüßte das Engagement der Sammler, wiewohl es auch kritische Stimmen gab. „Ein Lacher“ sei das, meinte ein Herr, der lieber anonym bleiben will. Früher habe es einen Straßenkehrer gegeben, man solle lieber mal etwas Geld in die Hand nehmen und jemanden für diese Tätigkeit einstellen.

Zweimal pro Woche ist der ZKE vor Ort, um für Ordnung zu sorgen, informierte Judith Pirrot, Bereichsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit. Das ist per Satzung geregelt und durch Gebühren abgedeckt. Mehr aber eben auch nicht. Zumal man differenzieren müsse: So ist das Säubern des Gehwegs vor den Häusern der Fußgängerzone Sache der Anlieger. Die das oft schleifen lassen. Generell erreiche man das Ziel „saubere Stadt“ sowieso nur „Hand in Hand mit den Bürgern“, betonte Judith Pirrot.

„Jeder kann mit kleinen Dingen anfangen.“ Etwa die Zigarettenkippe nicht einfach fallen lassen. Was sich am Montag im Übrigen auch niemand traute – so lange die Sammler in ihren orangefarbenen Westen noch in Sichtweite waren. Vermüllte Innenstädte sieht die ZKE-Mitarbeiterin ohnehin nicht als „Problem mangelnder Reinigung“, man denke nur an die Bahnhofstraße in Saarbrücken, die permanent gesäubert wird und trotzdem immer wieder Anlass zu Kritik gibt. „Es ist ein Gesellschaftsproblem.“

„Der ZKE macht einen guten Job“, bestätigte Ralf-Peter Fritz und vermied es tunlichst, jemandem den Schwarzen Peter zuzuschieben. Letztlich ist der Müll ohnehin vor allem ein Indikator für einen aus Leerständen und zunehmender Verwahrlosung resultierenden Abwärtstrend der Innenstadt, der den Dudweilern Sorge bereitet. Was man nicht tatenlos hinnehmen wolle, versicherte der VVD-Präsident. Demnächst starte man eine Imagekampagne, „das kostet ja nicht viel“. Sie soll die örtlichen Vorzüge noch mal ins rechte Licht rücken: Immerhin könne man sage und schreibe 160 Vereine vorweisen und viele Inhaber geführte Läden.

„Wir haben noch ein Zentrum mit Fußgängerzone und Markt“, ergänzt Dirk Nöther, im Gegensatz zu anderen Kommunen. Die Voraussetzungen sind also gar nicht so schlecht, um „Dudweiler nach vorn zu bringen“, was immer noch „unser Hauptinteresse ist“. Könnte man sich ad hoc etwas wünschen, dann wäre das ein Stadtteilmanager, „ein Kümmerer“ fürs Quartier. „Den brauchen wir am dringendsten.“