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Lebenswerk
Ein Lebenstraum im Maßstab 1:100

Karl Lehmann mit seinem Modell der Bismarck.
Karl Lehmann mit seinem Modell der Bismarck. FOTO: Petra Pabst
Dudweiler. Karl Lehmann aus Dudweiler hat das einst größte Schlachtschiff der Meere nachgebaut. Die Jungfernfahrt soll im Deutsch-Französischen Garten sein. Von Petra Pabst

Karl Lehmann ist 80 Jahre alt und arbeitet noch immer an seinem Lebenswerk. Seit nunmehr 30 Jahren baut er an einem Modell des Schlachtschiffs „Bismarck“ im Maßstab 1:100. Das Vorbild dieses Modells, das im August 1940 in Dienst gestellt worden war, galt seinerzeit als das weltweit größte und kampfstärkste Schlachtschiff. Es hatte eine Länge von 250 Metern und eine Beite von 36 Metern. Doch bereits neun Monate später, im Mai 1941, sank es nach einem schweren Gefecht gegen Einheiten der britischen Navy mit dem Großteil seiner Besatzung im Nordatlantik.


In seinem Haus in Dudweiler lässt Karl Lehmann dieses Schiff seit vielen Jahren nun wieder auferstehen. Sein Nachbau misst 2,50 Meter, hat ein Gewicht von etwa 80 Kilogramm und ruht auf Schienen hinter Glas im heimischen Wohnzimmer. Es braucht zwei starke Männer, um ihn zu transportieren. Bis in das kleinste Detail hat er in drei Jahrzehnten und in zahllosen Stunden das Kriegsschiff zusammengesetzt. „Es gibt keinen Bausatz für dieses Modell. Ich habe alles nach einem alten Bauplan und nach Fotos nachgebaut“, erzählt er und zeigt die Vorlagen, die er dafür verwendet hat: „Ich habe immer nur in den Wintermonaten daran gearbeitet, wenn draußen nicht so schönes Wetter war. Da habe ich viele Stunden im Keller verbracht und daran gearbeitet.“ Dabei offenbart sich Karl Lehmann als das, was man im Saarland einen Bossler nennt. Da es fast keine Modellbauteile für ein solches Schiff gibt, fertigt er das meiste selbst an. „Ich habe alle möglichen Alltagsgegenstände für meine Zwecke gesammelt und verarbeitet“, sagt er. So werden aus Spritzenkolben, elektrischen Widerständen, Kabeln, Teilen von Milchdöschen und Getränkedeckeln, Druckknöpfen, in Scheibchen geschnitte Kunststoffröhrchen von Wattestäbchen schließlich zahllose, winzig kleine Bullaugen, Panzerrohre, Kanonen, Radare, Pumpen und vieles mehr in Miniatur. Es gibt nichts, was Lehmann nicht für seine Arbeit verwenden kann. „Bevor ich etwas kaufe, schaue ich immer erst einmal nach, ob ich nicht etwas Brauchbares im Haus habe. Ich war schon immer fasziniert vom Modellbau und baue für mein Leben gerne Dinge nach“, so der Dudweilerer. Dann zeigt er uns seinen Nachbau eines Leuchtturms oder einer motorbetriebenen Windmühle in seinem wunderschön gepflegten Garten.

Fast wäre sein Schiff nicht fertig geworden. „Im Jahr 2005 ist meine Frau Anneliese nach 31 Ehejahren gestorben, und da verließ mich die Lust, weiterzumachen“, erinnert er sich traurig. Bei einer Weihnachtsfeier 2008 lernte er dann Alice Künstle, seine neue Lebensgefährtin kennen, die schließlich das halbfertige Schiff im Keller, abgedeckt unter einem Laken, fand und ihn ermunterte, sein Lebenswerk zu vollenden. Mittlerweile sind im schweren Holzrumpf des Schiffes Motoren und Akkus eingebaut und sogar ein Lautsprecher mit dem Klang eines Nebelhorns. „Das Schiff kann schwimmen, die Schiffsschrauben treiben es voran, ich habe es im Teich meines Gartens ausprobiert, und es wäre mein großer Traum, es auch einmal auf einem größeren See öffentlich fahren zu lassen.“ Aber leider sei das bisher nicht möglich gewesen, auch aus der Angst heraus, das könne Vögel oder Fische stören.



Aber vielleicht geht sein Wunsch doch in absehbarer Zeit in Erfüllung. „Ich bin ab Oktober Mitglied in der Dudweiler Marinekameradschaft und habe bereits bei der Verwaltung des Deutsch-Französischen Gartens angefragt. Meine Idee wäre es, einen Tag der Marine dort zu veranstalten mit einem Shantychor und Marinekameraden in Uniformen. Bei dieser Gelegenheit könnte meine Bismarck dann zu ihrer Jungfernfahrt antreten. Das wäre die Erfüllung eines Lebenstraums“, so Karl Lehmann.